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Nissan Juke N-Connecta: Deutlich geglättet

Nissan Juke N-Connecta : Deutlich geglättet

Ein Fahrzeug, das zehn Jahre nach seinem Marktstart noch polarisiert – der Nissan Juke. Die einen mögen ihn auf Anhieb. Andere lehnen ihn eher ab. Allerdings haben sie meist noch die erste - tatsächlich noch außergewöhnlich gestaltete - Version des Crossovers im Sinn. Die aktuelle Generation hat so manches Extrem abgelegt, gleichwohl an Kontur gewonnen.

Die Sorge, dass der 4,61 Meter lange Juke in der Masse der kompakten SUV untergeht, ist trotz des Feinschliffs unbegründet. Dazu sind Merkmale wie die kugelrunden Scheinwerfer mit den propellerartigen Leuchten, die in den Kühlergrill integrierten Tagfahrlichter oder das immer noch kantige und breitschultrige Heck doch zu markant. Speziell ist die Seitenlinie mit der stark nach hinten ansteigenden Schulterlinie – unterstrichen von einer scharfen Sicke - und dem gegenläufig abfallenden Dach. Im spitzen Winkel vor der wuchtigen C-Säule haben die Nissan-Designer hoch oben den Türgriff für die hinteren Türen integriert. Das sieht schick aus, ist allerdings nicht wirklich ergonomisch.

Hoch angesetzt ist ebenfalls die Ladekante. Taschen und Koffer müssen fürs Beladen 83 Zentimetern nach oben gestemmt werden. Gut, dass der variable Ladeboden bündig mit der Kante abschließt. Das darunter liegende Staufach erweitert das Platzangebot im Kofferraum um etliche Liter. Bei einem Gepäckraumvolumen von 422 Litern (maximal 1305 Liter) darf das Reisegepäck einer vierköpfigen Familie ansonsten nicht allzu üppig ausfallen.

Fast schon überraschend ist das Platzangebot für die Reisenden selbst. Schließlich vermitteln die stark geneigte Frontscheibe und die generell schmal geschnittenen Fenster von außen eher den Eindruck von Enge. Doch der Radstand von 2,64 Metern schafft ausreichend Abstand zwischen den Sitzreihen. So können selbst groß gewachsene Erwachsenen einigermaßen bequem hintereinander sitzen. Der Abstand zwischen Scheitel und Dach ist selbst im Fond ausreichend.

Für Fahrer und Beifahrer erweisen sich die Sitze mit den integrierten Kopfstützen selbst auf längeren Touren als einigermaßen bequem. Eine verstellbare Lordosenstütze ist allerdings nicht im Angebot. Gut überlegt haben die Gestalter dafür die Kniepolsterung an der Mittelkonsole für den Fahrer. Das macht sich vor allem auf der langen Strecke positiv bemerkbar. Diverse Softtouch-Oberflächen, einige chromfarbene Details sowie hör- und spürbare Klicks beim Bedienen der Tasten und Schalter sorgen für eine durchaus hochwertig wirkende Atmosphäre an Bord. Das eher rundlich gestaltete, aus vielen Einzelteilen bestehende Armaturenbrett ist indessen Geschmackssache. Übersichtlich und intuitiv zu bedienen ist es auf jeden Fall. Der mittig angebrachte Achtzoll-Touchbildschirm liegt gut im Blick und in leicht erreichbarer Position. Teil der N-Connecta-Ausstattung sind Services wie In-Car-Internet oder diverse App-Dienste. AppleCar-Play und Android Auto sind ebenfalls integriert.

Keinerlei Auswahl lässt Nissan seinen Juke-Kunden bei der Motorisierung. Einzig der 117 PS starke Einliter-Benziner steht zur Verfügung. Mit einem maximalen Drehmoment von 180 Newtonmetern zwischen 1750 und 4000 Umdrehungen lädt der Dreizylinder eher zu einer gelassenen Fahrweise ein. Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 gibt der japanische Autobauer eine Dauer von 10,4 Sekunden an. Die Höchstgeschwindigkeit ist demnach bei 180 Kilometern in der Stunde (km/h) erreicht.

In diesem Geschwindigkeitsbereich wirkt das Aggregat jedoch ziemlich gequält. An Autobahnsteigungen geht dem Motörchen vor allem an Steigungen schnell die Puste aus. Hier bewährt sich die flüssige Art und Weise mit der sich das Sechsgang-Schaltgetriebe bedienen lässt. Durch aktives Zurückschalten gelingt es im Verkehr mit zuschwimmen. Grundsätzlich ließe sich über den Drive-Mode-Schalter im Mitteltunnel das Ansprechverhalten im Sportmodus zwar spürbar erhöhen. Doch gleichzeitig neigt sich die Tanknadel dann deutlich schneller gen Null. Also warum die eingesparte Zeit bei häufigeren Tankstopps vergeuden, wenn es anders geht?

Um den Norm-Wert von 4,9 Litern zu erreichen, müsste der Großteil an Fahrten wahrscheinlich im Eco-Modus erfolgen. Doch in dem geht es schon sehr langatmig und zäh voran. Ein durchschnittlicher Verbrauch von 6,8 Litern bei ruhiger, aber keineswegs spaßfreier Fahrweise sind für ein 1,2 Tonnen schweres und knapp 1,60 Meter hohes Fahrzeug nicht wenig, aber immer noch akzeptabel. Gleiches gilt für die Abstimmung des Fahrwerks. Den Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit haben die Techniker gut hinbekommen. Weder Wankbewegungen bei schneller gefahrenen Kurven noch Stöße oder Schläge bei Unebenheiten auf der Straße kommen störend bei den Insassen an.

LED-Licht, Verkehrszeichenerkennung, Bremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung sowie Spurhalte-Assistent gehören bereits ab Werk zum Lieferumfang. Das optionale Antikollisionssystem Safety Shield (770 Euro) beinhaltet zudem einen autonomen Lenk-Assistenten, einen adaptiven Geschwindigkeits- und Abstands-Assistenten, eine 360 Grad-Kamera sowie Einparkhilfen vorne und hinten. Das optionale Navigationssystem ist mit 380 Euro vergleichsweise günstig. Inklusive Winterpaket mit Sitzheizung und beheizbarer Frontscheibe (314 Euro) sowie hochwertiger Lackierung (828 Euro) müssen für den Nissan Juke in dieser Variante 25.218 Euro investiert werden. Die Diskussionsgrundlage über Gefallen oder Nichtgefallen ist im Preis enthalten.

(amv)