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Fahrbericht: Der VW Polo ist kein Kleinwagen mehr

Fahrbericht : Der VW Polo ist kein Kleinwagen mehr

Eingestuft ist er als Kleinwagen, der VW Polo. Doch die sechste Generation dieser Baureihe lediglich als Zweitfahrzeug oder Stadtflitzer einzuordnen, wird dem Polo nicht gerecht.

Das Auto punktet derart mit einem Platzangebot, neuester Technologie und wertigen Assistenzsystemen, dass es schon laut an der Tür der Kompaktklasse anklopft.

In den 80er Jahren wäre niemand darauf gekommen, einen VW Golf II als Kleinwagen zu bezeichnen. Dabei war der damalige Jahrgang mit 4,04 Metern Länge sogar noch 13 Millimeter kürzer als ein heutiger Polo. Der überragt auch in Höhe (1,44 Meter) und Breite (1,75 Meter) seinen größeren Bruder von einst. Wie groß der Polo ist, wird spätestens dann deutlich, wenn Fahrer und Beifahrer auf bequemen, velourslederbezogenen Sportsitzen (720 Euro) mit Halt gebenden Seitenwangen nebeneinander Platz nehmen. Keine Spur von Enge. Der Abstand zueinander ist großzügig. Das gilt ebenfalls für die Mitreisenden im Fond, zumindest solange sie zu zweit sind und keiner erwartet, dass der Platz für die Knie in die Unendlichkeit reicht. Zwei Personen mit einer Körperlänge von 1,85 Metern können immer noch einigermaßen bequem hintereinander Platz nehmen. Die Kopffreiheit ist generell ausreichend.

Von den diversen Ablagen im Innenraum – unter anderem Fächer für 1,5-Liter-Flaschen in den Seitenfächern der Türen – konnte man zu Zeiten von Aerobic-Fieber, Nena und Commodore 64 nur träumen. Heutzutage finden Handy, Schlüssel und Schokoriegel ohne langes Suchen ein passendes Plätzchen. Beim Kofferraumvolumen gerät der Golf II mit 336 Litern im Vergleich zu den 351 Litern des Polo ebenfalls ins Hintertreffen. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen erhöht sich die Kapazität auf leicht ansteigender Ladefläche auf 1125 Liter.

Der Polo Highline 1,0 l TSI präsentiert sich modern und im typischen VW-Stil aufgeräumt. Der Instrumententräger trägt wesentlich dazu bei, bereits nach wenigen Augenblicken mit allen Funktionen vertraut zu sein. Die Investition von 400 Euro für das so genannte Active Info Display ist lohnend. Über einen Splitscreen lassen sich Tacho, Navigationsanzeige oder Playlisten (beides aufpreispflichtig) gestochen scharf darstellen. Mehrere unterschiedliche Ansichtsarten sind möglich. Direkt im Blickfeld des Fahrers ist der acht Zoll große Touchscreen platziert, über den sämtliche Infotainment- oder Navigations-Funktionen gesteuert werden oder das Bild der Rückfahrkamera (280 Euro) sichtbar wird. Die Lautstärke lässt sich über einen herkömmlichen Drehregler einstellen. Sehr angenehm.

Angenehm und harmonisch ist ebenso der Eindruck, den der 115 PS starke Einliter-Direkteinspritzer hinterlässt. Mit seinem maximalen Drehmoment von 200 Newtonmetern (Nm) zwischen 2000 und 3500 Umdrehungen bietet der Dreizylinder ausreichend Reserven beim Antritt sowie der Beschleunigung für Überholvorgänge. VW gibt für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 eine Dauer von 9,5 Sekunden an. Die Höchstgeschwindigkeit ist demnach bei 200 Kilometern in der Stunde (km/h) erreicht. Die Kraftübertragung über das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe passt bestens zur Leistungsentfaltung. Ganz nebenbei entlastet die Automatik den Fahrer im Stadtverkehr ungemein. Allzu viel Druck mit dem rechten Fuß auf das Gaspedal führt indessen dazu, dass der vom Hersteller angegebene Wert von 4,9 Litern laut WLTP schnell um mindestens 1,5 Liter übertroffen wird. Da hilft dann auch das serienmäßige Start-Stopp-System oder der Rekuperationsmodus nicht mehr.

Wobei eine zurückhaltende Fahrweise spätestens dann schwerfällt, wenn sich mit dem Sportfahrwerk (440 Euro/mehrere Fahrprofile) im entsprechenden Modus Federung und Dämpfung straffen. Dann ist es ein Freude, mit etwas mehr Schwung in die Kurve zu gehen. Andererseits sorgt das System dafür, dass selbst in der Normal-Stellung schlechtere Wegstrecken oder gar Kopfsteinpflasterabschnitte souverän passiert werden.

Für ein Mehr an Sicherheit wird gegen 155 Euro Aufpreis das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung gemeinsam mit dem Speedlimiter und der Reifendruckkontrolle geliefert. Die automatische Distanzkontrolle „ACC“ (255 Euro) kann bis zu einer Geschwindigkeit von Tempo 210 aktiviert werden. Systeme wie dieses unterstreichen den erwachsenen Auftritt des Polo.

Mit einem Grundpreis für die Highline-Version von 21.425 Euro gilt das allerdings auch für den Preis. Weitere Extras wie unter anderem LED-Scheinwerfer (985 Euro), Navigation (565 Euro), Soundsystem (440 Euro), Klimaautomatik (375 Euro) oder das R-Line-Paket (620 Euro) für ein noch kernigeres Äußeres lassen die Anschaffungskosten nochmals um happige 10.400 Euro anwachsen. Spätestes damit wird deutlich, dass der Polo von heute alles andere als ein Kleinwagen ist.

(amv)