Fahrbericht: Der Volvo V60 ist anders als die anderen

Fahrbericht : Der Volvo V60 ist anders als die anderen

Keine Frage, die XC-Modelle von Volvo, also die SUV-Versionen, laufen den Kombis den Rang ab. Das hält den schwedischen Hersteller allerdings nicht davon ab, in der 60er-Baureihe neben dem überaus erfolgreichen SUV XC60 auch einen V60 anzubieten.

Schließlich hat sich Volvo mit mehr als sechs Millionen verkauften Kombis seit 1953 (damals legte der „Duett“ den Grundstein) einen Namen in diesem Segment gemacht. Von seinen süddeutschen Konkurrenten hebt sich der V60-Kombi wohltuend ab, optisch wie charakterlich. Der V60 ist kein Sportwagen. Seine Fahrdynamik bleibt eher dezent. Stilistisch ist er ein Volltreffer. Sicherheit bietet er auf höchstem Niveau

Optisch verzichtet der Mittelklassekombi auf Extravaganzen und scheint seinem großen Bruder Volvo V90 wie aus dem Gesicht geschnitten, nur eben nicht ganz so mächtig. Zwar ist er 18 Zentimeter kürzer (4,76 Meter), doch sein Kofferraum schluckt laut Werksangabe mit 529 Litern kaum weniger als das Gepäckabteil des großen Bruders.

Selbst wenn es sich Fahrer und Beifahrer vorne so richtig bequem machen, haben zwei Passagiere auf der Rückbank noch reichlich Beinfreiheit. Einem dritten Fondpassagier wird die Fahrt schwer gemacht, weil der Sitz recht hart gepolstert ist und für alle gilt, die Kopffreiheit ist durch das optionale Panorama-Glasdach eingeschränkt.

Egal, ob man vorne oder hinten sitzt, das typische Volvo-Gefühl stellt sich im V60 sofort ein. Fallen die Türen satt ins Schloss, bleibt die Unbilden der Welt draußen. Die Sitze erweisen sich als bequem. Die Geräuschkulisse ist gering. Feiner Teppich, helles Holz sowie hochwertige Materialien in skandinavisch-elegantem Design und weitgehend softe Oberflächen heben sich wohltuend vom automobilen Allerlei ab

Allerdings: die Bedienung von Tempomat und Bordcomputer über die Lenkradtasten erschließt sich einem nicht sofort und die Piktogramme auf dem neun Zoll großen Touchscreen sind so klein gewählt, dass man unnötig lange abgelenkt wird. Etwa so viel Eingewöhnungszeit wie zur Bedienung eines neuen Smartphones muss man für die Handhabung über den Touchscreen investieren. Knöpfe waren gestern. Die Vernetzung mit Apple CarPlay, Android Auto und serienmäßigem WLAN-Hotspot fällt zeitgemäß aus. Eine induktive Ladefunktion für das Smartphone wird aber nicht einmal gegen Aufpreis angeboten.

Fahrwerkstechnisch haben die Entwickler eher auf Komfort, denn auf Sportlichkeit geachtet. So gleitet der V60 gelassen dahin, nimmt aber auch zügig gefahrene Kurven sicher und problemlos. Bei dem adaptiven Fahrwerk (Aufpreis: 900 Euro), liegen die drei Fahrmodi Eco, Comfort und Sport so nah beieinander, dass man kaum einen Unterschied bemerkt.

Mit dem Zwei-Liter-Diesel (190 PS/SCR-Kat mit AdBlue und Partikelfilter) ist der Kombi gut und zeitgemäß bestückt. Er sprintet in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 (Werksangaben). Die Kraftentfaltung zeigt sich harmonisch und fast ohne Turboloch. Üppige 400 Newtonmeter (Nm) Drehmoment stehen schon bei 1750 Umdrehungen an und werden von dem Achtgang-Automatikgetriebe bedarfsgerecht portioniert. Auf seiner Habenseite kann der Diesel zudem seine angenehm geringe Geräuschentwicklung verbuchen. Die Verbrauchsanzeige signalisiert je 100 Kilometern Fahrtstrecke 6,5 Liter.

Ebenfalls auf der Habenseite findet sich das üppige Sicherheitspaket, bei dem Volvos Ingenieure nochmals - teils gegen Aufpreis - nachgelegt haben. Sokann der V60 bei einem drohenden Crash mit dem Gegenverkehr nicht nur ausweichen, sondern gleichzeitig eine Vollbremsung hinlegen. Teilweise automatisiert fahren lässt es sich bis Tempo 130, solange der Fahrer seine Hände am Lenkrad lässt. Schon in der Grundausstattung bremst der V60 tags wie nachts automatisch für Fußgänger, Radfahrer oder Wildtiere, die sich auf Kollisionskurs befinden. Er hält ohne menschliche Hilfe die Spur, reagiert auf drohende Karambolagen mit dem Gegenverkehr und hält auf Kreuzungen oder beim Rangieren nach anderen Verkehrsteilnehmern Ausschau.

Volvo versteht sich nach eigenem Anspruch als Premiummarke und entsprechend selbstbewusst liest sich da die Preisliste. Aus den 47.550 Euro für die Inscription-Variante werden da in der Testwagen-Version satte 71.130 Euro.

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