Die nächste Generation: Der Golf 8 wird digitaler und vernetzter

Die nächste Generation : Der Golf 8 wird digitaler und vernetzter

„Der Golf ist das Synonym der Marke VW, eine Ikone, unser Volumenträger und nicht zuletzt Namensgeber einer kompletten Fahrzeugklasse“, urteilt VW-Entwicklungschef Frank Welsch. In den vergangenen 45 Jahren wurden weltweit mehr als 35 Millionen Fahrzeuge verkauft.

Schon immer habe dieses Auto neue Maßstäbe definiert. Das treffe auch für die nächste Generation zu. „Der Golf 8 wird außer den bekannten Qualitäten der Baureihe vor allem in Sachen Konnektivität neue Maßstäbe in dem Segment setzen“, verspricht Welsch. Das Auto werde digitaler, vernetzter und intelligenter: „mit Assistenzsystemen, die das teil-automatisierte Fahren ermöglichen“.

In diesem Zusammenhang lässt Welsch schon einmal einen Blick auf den Armaturenträger zu. Und da hat der ansonsten noch komplett hinter Tarnfolie versteckte Golf 8 - intern VW 380 genannt - eine Menge zu bieten. Zu sehen ist eine Display-Landschaft, die - wenn gleich deutlich kleiner - an das VW-Flaggschiff Touareg erinnert.

Da sind zwei große Bildschirme, die an der Nahtstelle leicht abknicken, aber unter einer gemeinsamen Glasfläche liegen, die sofort ins Auge fallen. Der direkt vor dem Fahrer angesiedelte Screen kann je nach Wunsch mit unterschiedlichen Darstellungsoptionen konfiguriert werden. Der sich anschließende und mittig im Instrumententräger platzierte Touch-Bildschirm ist acht, optional zehn Zoll groß. „Bei der Bedienung haben wir auf bewährte Dinge zurückgegriffen. Man muss ja nicht alles neu erfinden, sondern kann das nutzen, was bekannt ist“, erläutert Welsch.

Entsprechend lassen sich die Kacheln des Screens wie bei Smartphones und Tablets kinderleicht verschieben. Während es in der Basisversion des Entertainment-Systems auf alle Fälle wieder Drehregler für Lautstärke und Klimaanlage geben wird, bietet die Top-Variante eine andere Lösung. Auf einer schmalen waagerechten Fläche am unteren Rand des Bildschirms werden Temperatur oder Lautstärke mit einer Wischbewegung des Fingers verändert.

Alle Anzeigen sind extrem klar dargestellt und wirken modern. So, wie auch die komplette Gestaltung des Instrumententrägers, der in Sachen Schaltern oder anderer Bedienelemente eine enorme Reduzierung erfahren hat. Schick gestaltet und harmonisch integriert sind vor allem die Luftstromdüsen. Auffällig im Innenraum noch der winzige Hebel für das DSG-Getriebe, der ein wenig an den im neuen Porsche 911 erinnert.

Doch zurück zur Konnektivität. Hier hat Rolf Zöller, Leiter der Entwicklung Elektrik/Elektronik, eine Menge zu erzählen über den Golf 8. „Der neue Golf ist immer online. Wir nutzen Ethernet-Technologie, um Daten mit einer hohen Geschwindigkeit zu übertragen und auszutauschen. Und zwar sowohl im Fahrzeug als auch mit der Infrastruktur.“ Demzufolge sei der VW 380 fit für teilautonomes Fahren, könne sowohl mit anderen Fahrzeugen (Car2x) als auch mit seinem Zuhause (Car2Home) kommunizieren.

Alle Systeme und Funktionen müssten deshalb miteinander vernetzt sein“ Der Wagen habe Verbindung zu einer Cloud sowie zu einem Backend-Server. So könnten Dienste erweitert, Software später zugekauft werden. „Wer möchte, kann seinen Golf mit dem Smartphone öffnen und starten und über eine App einen digitalen Schlüssel an Dritte übergeben.“ Das System Digital Key greife dann über das Smartphone auf eine Vielzahl von Elementen im Fahrzeug zu. „Selbst, wenn nicht jeder Kunde alle Optionen wahrnimmt, müssen wir alle Möglichkeiten im Auto vorhalten. Das ist ein enormer Aufwand“, betont Zöller.

In der Halle 90B im Wolfsburger Werk, dem streng abgeschirmten Herzstück der Elektrik-Elektronik-Entwicklung, belegt er das eindrucksvoll mit Zahlen. „2010 hatte die Software in einem Auto noch etwa zehn Millionen Codezeilen. Das entspricht etwa Google Chrom oder Android. Inzwischen sind allein für ein modernes Infotainmentsystem zehn Millionen Codezeilen notwendig. Alles in allem benötigen wir heute 100 Millionen Codezeilen, um die komplexen Anforderungen eines Fahrzeugs zu beherrschen.“

Damit Elektrik wie Elektronik beim Serienfahrzeug möglichst perfekt funktionieren, laufen in den Monaten vor dem sogenannten SOP, dem „Start of Production“, immer wieder neue Tests. Aufgrund der Erweiterung der Digitalität und des Software-Ausbaus seien dabei mehr Fehler aufgefallen als noch vor dem Anlauf des Golf 7, bestätigen Zöller und Welsch unverhohlen. Gleichwohl unterstreichen sie nachdrücklich; „Wir sind voll im Zeitplan.

Derzeit befindet sich der Golf 8 in der Phase der Funktionsabsicherung und Anlaufvorbereitung. Die Produktion startet im dritten Quartal. Die Markteinführung ist Ende des Jahres. Und vom ersten Tag an sind alle Optionen bestellbar.“ Die allerdings werden im Vergleich zum Golf 7 deutlich reduziert. „Es wird etwa 50 Prozent weniger Motor-Getriebe-Kombinationen geben“, sagt Karlheinz Hell, Leiter der Baureihe Compact.

Der in der Länge sowie beim Radstand im Vergleich zum Vorgänger unverändert gebliebene VW 380 wird zunächst mit dem 1,5-Liter-Benziner wie bisher als TSI, aber auch in Verbindung mit einem 48-Volt-Mildhybridsystem (MHEV) angeboten. Die Leistung liegt bei 130 und 150 PS. Beim Diesel beschränkt sich der Golf 8 auf den Zweiliter-TDI. Der Selbstzünder deckt ein Leistungsspektrum von 136 bis 204 PS ab.

Im nächsten Jahr folgen weitere Antriebsoptionen, unter anderem die Einstiegsversion mit einem 116 PS starken Einliter-Dreizylinder-Benziner. Dieser Motor wird als Mildhybrid zu haben sein sowie in Kombination mit einem Plug-in-System - vermutlich ebenfalls mit 48-Volt-System. Wie gehabt wird das Angebot nach und nach mit GTI, GTD und R-Version ausgeweitet. Zudem setzt VW weiter auf Erdgasantrieb. Dafür ist der 1,5-Liter-Vierzylinder mit 130 PS ausgewählt.

Zu den Preisen hält sich VW noch komplett bedeckt. Spekuliert werden darf aber wohl, dass das Basismodell knapp unter 18.000 Euro kosten wird.

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