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VW T-Roc Cabriolet: Das Cabrio-SUV mit Haken

VW T-Roc Cabriolet : Das Cabrio-SUV mit Haken

Die Cabrio-Variante des VW T-Roc ist ein Exot auf dem Automarkt. Einziger Wettbewerber war der Range Rover Evoque in der offenen Version. Doch in der überarbeiteten Baureihe wird das zuletzt bei den Verkaufszahlen schwächelnde Cabrio des britischen Herstellers noch nicht angeboten.

Vor diesem Hintergrund war es eine mutige Entscheidung von Volkswagen, die auf den ersten Blick merkwürdig erscheinende Kombination dieser beiden Karosserievarianten auf den Markt zu bringen. Doch das Designteam rund um Klaus Bischoff hat die Aufgabe ansehnlich gelöst. Der T-Roc macht als Cabrio mit geöffnetem Dach eine ebenso gute Figur wie mit geschlossenem Verdeck.

Mit 4,27 Metern Länge ist das Frischluft-Auto knapp vier Zentimeter länger als die klassischen Modellgeschwister. Genau um dieses Maß musste der Radstand zulegen, um genügend Platz für einen Verdeckkasten zu schaffen. In dem legt sich nun die Haube plan mit der Karosserie ab. Zudem schafft die leichte Verlängerung des Wagens einen kleinen Ausgleich für den konstruktionsbedingten Verlust des Kofferraumvolumens um 100 auf nun 284 Liter. Da die hinteren Lehnen kinderleicht vorzuklappen sind, ist der Stauraum jedoch problemlos zu erweitern. Allerdings darf das Ladegut angesichts der relativ kleinen Luke nicht allzu sperrig sein. Die beiden Fondplätze sind nichts für große Mitfahrer, aber auf kurzen Strecken kann man zumindest mal jemanden mitnehmen. Der Einstieg durch die im Vergleich zum T-Roc etwa 25 Zentimeter längeren Türen wird durch die Easy-Entry-Funktion erleichtert. Die hohen Schweller erfordern einzig etwas Beweglichkeit in den Beinen.

Die Kopffreiheit beim geschlossenen Dach ist ebenfalls nicht zu kritisieren. Abstand zwischen dem Scheitel und dem Verdeck ist im Fond auch bei relativen Sitzriesen noch vorhanden. Das quasi vom Golf übernommene Softtop des T-Roc besteht aus dem Gestänge, einem Innenhimmel, einer vollflächigen Polstermatte und dem Außenbezug. Über geschraubte Stoffhalteleisten ist das Dach mit den Spriegeln verbunden. Dadurch bläht es sich selbst bei höheren Geschwindigkeiten nicht auf. Das wirkt sich gleichermaßen positiv auf die Aerodynamik wie auf die Innenraumgeräusche aus. Im Zusammenspiel mit speziell entwickelten Scheiben- und Türdichtungen bleibt die Lautstärke bei Autobahnfahrten so zurückhaltend, dass Telefonieren über die Freisprecheinrichtung einigermaßen gut möglich ist.

Neun Sekunden vergehen, bis sich der Himmel über den Köpfen zeigt. Das Ganze geschieht vollautomatisch per Knopfdruck und bis Tempo 30. Allerdings ist der Schalter ebenso wie die Taste zum gleichzeitigen Bewegen aller vier Fenster alles andere als ergonomisch unter der Mittelarmlehne (175 Euro/gleichzeitig Deckel für das darunter liegende Staufach) platziert. Entweder heißt es also den Deckel erst hochklappen und dann aktiv werden oder in Kauf zu nehmen, sich kurzfristig die Finger zu verbiegen.

Für den Fall der Fälle ist hinter den Rücksitzen ein ausfahrbarer Überschlagschutz installiert. Das System schnellt in Sekundenbruchteilen nach dem Überschreiten einer definierten Querbeschleunigung oder Fahrzeugneigung im Bereich der Fondkopfstützen nach oben. Zudem ist das Cabrio mit einem verstärkten Frontscheibenrahmen und zahlreichen weiteren Strukturmodifikationen - etwa im Unterboden sowie in den Seitenteilen, Querträgern und Türen – ausgerüstet. Das trägt in Verbindung mit dem Sport-Fahrwerk dazu bei, dass der T-Roc bei zügiger Fahrt mit offenem Dach seine Agilität behält. Leicht und locker wieselt das Auto bei flotter Fahrt um die Ecken, bleibt problemlos in der Spur. Mit der Wahl der adaptiven Fahrwerksregelung (1045 Euro) lässt sich das Verhalten von Federung und Dämpfung noch etwas mehr an den Straßenbelag anpassen.

Der 150 PS starke 1,5-Liter Benziner sorgt für ein rundum entspanntes Fahren. Mit einem Drehmoment von 250 Newtonmetern zwischen 1500 und 3500 Umdrehungen lässt sich der TSI gleichermaßen schaltfaul wie dynamisch bewegen. Schon bei Stadtgeschwindigkeit rät die Gang-Empfehlung in den fünften oder gar sechsten Gang zu schalten. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 dauert mit 9,6 Sekunden etwas länger als das Dach zu öffnen. Die Höchstgeschwindigkeit ist laut Angabe der Wolfsburger bei 205 Kilometern in der Stunde (km/h) erreicht. Leistung, die entgegen aller Erwartungen aber nicht mit hohem Verbrauch bezahlt werden muss. Schließlich rollt der T-Roc bei gleichmäßigem Tempo quasi ohne Belastung dahin. Unbemerkt von Fahrer und Beifahrer werden automatisch zwei Zylinder zur Ruhe gebettet. Das spart Kraftstoff. In der Praxis wird der laut WLTP angegebene Wert von 5,5 Litern um 1,5 Liter überschritten.

Front Assist mit City-Notbremsfunktion, Fußgängererkennung, Multikollisionsbremse und Spurhalteassistent gehören zur technischen Grundausstattung. Die Ausstattungsversion „R-Line“ beinhaltet neben kraftvoller gezeichneten Stoßfängern, bequemen Sportsitzen mit integrierter Kopfstütze und spezifischen Sitzbezügen in Stoff-Lederkombination sowie elektrisch verstellbarer Lendenwirbelsäulenstütze auf beiden Seiten auch Nebelscheinwerfer oder die Einparkhilfe. Mit einigen weiteren Extras berechnet VW 43.415 Euro für das T-Roc Cabriolet . Nicht wenig – aber es gibt ja eigentlich gleich zwei Fahrzeuge in einem und für einige dürfte auch interessant sein, dass der T-Roc als eines der wenigen Cabrios die Option auf eine Anhänger-Kupplung (775 Euro) bietet.

(amv)