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Köln: Bessere Navigation soll Lastwagen-Irrfahrten verhindern

Köln : Bessere Navigation soll Lastwagen-Irrfahrten verhindern

Regelmäßig machen die Irrfahrten fehlgeleiteter Lastwagen Schlagzeilen: 40-Tonner bleibt unter zu niedriger Brücke stecken. Feuerwehr birgt auf Waldweg festgefahrenen Lastwagen. Sattelschlepper muss mit Kran über zu engen Kreisverkehr gehievt werden. Die kuriosen Situationen können entstehen, wenn sich ortsunkundige Fahrer zu sehr auf ihr Navigationsgerät verlassen.

Dabei gibt es längst spezielle Software für Lastwagen: Vor der Fahrt geben die Spediteure Höhe, Länge, Breite und Gewicht ihres Fahrzeugs ein und werden dementsprechend um zu steile Hügel oder zu enge Seitenstraßen herumgeführt.

Aber noch vor vier Jahren nutzten laut einer Studie nur ein Fünftel der Fahrer die Lastwagen-Navis, die wegen ihrer Spezialsoftware teurer sind als die Geräte mit herkömmlichem Kartenmaterial. Und selbst die Lkw-Navis kennen nicht jede Falle. Für die beiden Marktführer in Sachen Navigationsprogramme, Nokia Here und Tom-Tom, wäre der Aufwand einfach zu hoch, einen lückenlos optimalen Straßenplan für die Lastwagen anzulegen. Deswegen ergreifen nun die Kommunen die Initiative. Denn wer kennt den heimischen Verkehr besser als die leidgeprüften Ortsansässigen?

„Die Bedeutung des Güterverkehrs wächst rasant”, meldet das Bundesverkehrsministerium. Bis 2025 soll die Menge transportierter Güter in Deutschland um 70 Prozent steigen. Diese Schätzung betrifft zwar auch die Verkehrswege zu Luft und zu Wasser. Aber spätestens die letzten Kilometer einer Lieferung finden fast immer per Lastwagen statt. Der Anteil der großen Lieferwagen auf den Straßen in NRW wird also weiter zunehmen. Und je mehr Lastwagen auf unnötige Irrwege geraten, desto schneller droht der Verkehrskollaps.

Im Ruhrgebiet haben sich alle großen Städte, Industrie- und Handelskammern sowie eine Gesellschaft des Regionalverbandes Ruhr der Sache angenommen. Allein in Witten seien 500 Kilometer Straßen, Hunderte Verkehrsschilder und Hindernisse protokolliert worden, sagt Annette Schröder vom Wittener Planungsamt. Die Arbeitszeit zahlten die Kommunen - je nach Größe der Ortschaft fielen unterschiedlich hohe Kosten an.

Aus den erfassten Daten entwickelten die Projektleiter sogenannte Lkw-Vorrangrouten, also optimal ausgebaute Strecken ohne Stolpersteine. Die speziellen Lkw-Routen stellen sie nun allen Anbietern von digitalen Karten und Navigationsdiensten kostenlos zur Verfügung. „Ein wegweisendes Beispiel, wie die Bereitstellung und innovative Nutzung von Daten zum Allgemeinwohl beitragen können”, findet Michael Bültmann, Geschäftsführer von Nokia Deutschland.

Ab Oktober sollen die Geräte mit der Nokia-Software „Here Trucks” für Lkw und Busse aktualisiert werden, 2015 wird nach Angaben des Ruhrgebiets-Projekts auch Tom-Tom die Informationen eingearbeitet haben. „Sowohl Kommunen als auch Verkehrsteilnehmer können davon nur profitieren”, sagt Bültmann.

Was im Ruhrgebiet also schon bald für einen entzerrten Verkehr sorgen soll, dient dem Rheinland nun als Blaupause: Auf einem Fachkongress der IHK Köln gaben die Beteiligten den Startschuss, die Vorrangrouten auch ins Rheinland zu bringen. „Es wird ein längerer Prozess werden”, warnt Werner Wingenfeld vom Bonner Stadtbaurat, „aber deswegen ist es gut, dass wir damit anfangen.”

Bis die neue Verkehrsverteilung greift, wird noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Die Umsetzung des europaweiten Pilotprojekts im Ruhrgebiet dauerte etwa vier Jahre. Die Landesregierung blickt derweil schon in die fernere Zukunft: Das Modell der Vorrangrouten solle landes- und schließlich auch bundesweit umgesetzt werden, fordert René Usath vom Landesverkehrsministerium.

(dpa)