Baustellen auf Autobahnen bergen ein hohes Unfallrisiko

Risikobereich Autobahnbaustelle : Rechtzeitig vor Baustellen das Tempo drosseln

„An Autobahnbaustellen treffen viele Risikofaktoren aufeinander, das macht diese Bereiche so gefährlich, warnt Unfallforscher Markus Egelhaaf von der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart.

„Wir haben hier verengte Fahrstreifen und eine Flut an Reizen durch Warnschilder und Fahrbahnmarkierungen. Außerdem ist mit ungewohnten Verschwenkungen, unebenen Fahrbahnen, aber auch mit Schmutz oder starkem Staub zu rechnen.“

Manchmal kommen zu einer unklaren Verkehrsführung noch widersprüchliche Anweisungen des Navis hinzu. In solchen Fällen seien überstürzte Reaktionen höchst gefährlich.

Im Jahr 2017 wurden bei Unfällen im Bereich von Autobahnbaustellen in Deutschland mehr als 2700 Menschen verletzt, 17 kamen ums Leben. Eventuelle Folgeunfälle im Zulauf der Baustellen sind dabei nicht mitgerechnet.

Der Sachverständige warnt insbesondere davor, zu schnell an eine Baustelle heranzufahren. „Es schafft Gefahren, wenn man vor dem Ende eines Fahrstreifens noch in letzter Sekunde überholt und beim Einordnen die Sicherheitsabstände unnötig verkürzt“, gibt Egelhaaf zu bedenken. Deshalb: frühzeitig das Tempo reduzieren, nicht mehr oder nur mit mäßiger Geschwindigkeit überholen und das Reißverschlussverfahren am Ende des Fahrstreifens nutzen. Zu frühes Einfädeln verlangsamt den Verkehr auf den verbleibenden Fahrstreifen.

Der Experte spricht sich außerdem für mehr Rücksicht auf die Arbeitskräfte an Baustellen aus. „Sie haben weder die Baustelle noch daraus resultierende Verkehrsbehinderungen zu verantworten. Wildes Gehupe und lautes Anpöbeln sind nicht geeignet, die Situation zu verbessern.“ Vielmehr gilt es, die Arbeitskräfte nicht durch rücksichtsloses Fahrverhalten zu gefährden. Dies gilt insbesondere auch bei Wanderbaustellen und Kurzzeitbaustellen, die oftmals nur durch einen Verkehrsleitanhänger abgesichert sind.

(amv)
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