Ladungssicherung: Auf die Verteilung kommt es an

Ladungssicherung : Auf die Verteilung kommt es an

Muss ein Fahrer sein Auto stark abbremsen oder einem Hindernis ausweichen, können selbst kleine Gegenstände zu lebensgefährlichen Geschossen mutieren.

„Dennoch macht sich kaum ein Pkw-Halter Gedanken um das richtige Verstauen und die Sicherung von Gegenständen im eigenen Fahrzeug“, beobachtet Markus Otremba, Leiter der Fachgruppe Ladungssicherung der Division Mobility bei TÜV Süd immer wieder. Der Paragraf 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO) verlangt es unabhängig von der Fahrzeugklasse und verweist auf die anerkannten Regeln der Technik. Ladung ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei einer Vollbremsung oder einer plötzlichen Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, rollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann. „Das gilt ebenso für Personenwagen und Kombis“, betont Otremba, „und Fahrzeughalter wie Fahrer tragen da die Verantwortung“.

Wird man ertappt, gegen die Regeln der Ladungssicherung verstoßen zu haben - etwa anlässlich einer allgemeinen Verkehrskontrolle oder nach einem Verkehrsunfall mit Sachschaden - können empfindliche Bußgelder fällig werden. Ebenfalls drohen ein bis zwei Punkte im Fahreignungsregister. Kommen zur mangelnden Ladungssicherheit noch eine Gefährdung oder ein Sachschaden hinzu, wird zusätzlich ein Punkt fällig. Eine Straftat, beispielsweise bei einem Verkehrsunfall mit Personenschaden, wird mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet.

„Schwere Taschen und Koffer sollten zuerst eingeladen und möglichst ohne Lücken an der Rückbank platziert werden“, legt Otremba Hobbytransporteuren und Ferienfahrern ans Herz. Um die Gegenstände an Ort und Stelle zu halten, können beispielsweise Zurr- oder Klemmschlossgurte oder Ladungssicherungsnetze zum Einsatz kommen. Zwischen Rücksitzbank und Kofferraum lassen sich Rückhaltesysteme oder Schutzgitter installieren. Wer darauf verzichtet, sollte den Kofferraum nur bis zur Oberkante der Rückenlehne beladen. Die so genannte Hutablage sollte immer frei bleiben. „Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass der Blick in den Rückspiegel nach wie vor möglich sein muss“, erinnert der TÜV Süd-Fachmann, „es sei denn, es ist ein zweiter Außenspiegel vorhanden.“

Lose kleinere Gegenstände wie etwa Smartphones sollten ebenfalls sicher verstaut werden, beispielsweise in ausreichend tiefen Ablagen oder im Handschuhfach. Zudem sollte man daran denken, Warndreieck und Erste-Hilfe-Kasten für den Fall der Fälle parat zu haben, anstatt sie unter dem Gepäck zu vergraben. „Dass es darüber hinaus die Gurtpflicht zu beachten gilt und Kinder in altersgerechten Kindersitzen angeschnallt sein müssen, sollte eine Selbstverständlichkeit für alle sein“, ergänzt Otremba.

Neben der Sicherheit für die Passagiere spielt aber auch der Wiederverkaufswert des Fahrzeugs beim Beladen eine Rolle. „Denn dieser Wert wird mitunter durch rüde Transportmethoden geschmälert, da unachtsames Packen unter anderem die Heizdrähte der Heckscheibe beschädigen kann“, erinnert der TÜV Süd-Fachmann. Ebenso können beispielsweise unsachgemäß verstaute Skier für die letzte Reise in der aktuellen Wintersportsaison sich nachhaltig beim Bremsen in die Verkleidung oder die Polster drücken.

Ein besonderes Kapitel ist die Mitreise von Hunden. Es gibt zwar keine direkte Anschnallpflicht für Tiere, allerdings gelten sie rechtlich als Ladung und diese muss eben richtig gesichert sein. „Wer da auf Nummer sicher gehen will für sich und seinen vierbeinigen Begleiter, sollte zu einer stabilen Transportbox greifen, die zum Beispiel im Fußraum hinter dem Vordersitz platziert wird“, rät Otremba. Für die Unterbringung größerer Boxen bietet sich bei Kombi- und Schräghecklimousinen sowie Vans oder Geländewagen der Laderaum an. Hier wird die Box quer zur Fahrtrichtung und direkt an die Lehne der Rücksitzbank positioniert. Dann verteilen sich die beim Crash auftretenden Kräfte seitlich recht gleichmäßig auf den gesamten Körper des Tieres.

Durch ein stabiles Trenngitter werden insbesondere bei schweren Unfällen die Risiken für Passagiere auf der Rücksitzbank noch einmal reduziert. „Hundeprofis, etwa bei der Polizei, transportieren ihre tierischen Mitarbeiter immer so“, schildert Markus Otremba seine Beobachtungen.

(amv)
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