China und Norwegen vorne: Auf dem Elektromarkt hinkt Deutschland weiter hinterher

China und Norwegen vorne : Auf dem Elektromarkt hinkt Deutschland weiter hinterher

Die Elektromobilität nimmt in wichtigen globalen Märkten weiter an Fahrt auf, wobei neue Automobilhersteller zunehmend relevante Marktanteile gewinnen. China und Norwegen festigen ihre Position als Leitmärkte und Ausnahmeerscheinungen der E-Mobilität.

Deutschland liegt hinsichtlich der Zahl neu zugelassener Elektroautos im Mittelfeld, belegt bezüglich des erreichten Marktanteils aber einen der hinteren Ränge. Das sind Ergebnisse der Branchenstudie Elektromobilität 2018 des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Die Zahl der Neuzulassungen bis Ende September 2018 stieg bundesweit nur um 36 Prozent auf 50.141 Zugänge (Vorjahreszeitraum: 36.849). Damit ist das Wachstum in Deutschland im Vergleich der Kernländer jedoch unterdurchschnittlich. „Die Automobilhersteller in Deutschland bereiten zwar eine große Produktoffensive im Bereich der E-Mobilität vor“, so Studienleiter Stefan Bratzel: „Allerdings wird eine breite Modellpalette erst in den nächsten zwei Jahren verfügbar sein. Dann besteht die Chance einer hohen Dynamik bei E-Fahrzeugzulassungen von deutschen Herstellern. Deutsche OEM müssen jedoch vor dem Hintergrund der CO2-Ziele und der Wettbewerbsstruktur ihre Aktivitäten im Bereich der E-Mobilität verstärken, um nicht international Marktanteile und Image einzubüßen.“

Der Marktanalyse zufolge festigt China festigt seine Position als internationaler und rasch wachsender Leitmarkt insbesondere hinsichtlich der Anzahl neu zugelassener Elektrofahrzeuge. Der Marktanteil von E-Fahrzeugen an den Gesamtzulassungen für alle Fahrzeugtypen stieg auf einen Höchstwert von 3,5 Prozent (Vorjahreszeitraum: zwei Prozent). Der chinesische E-Fahrzeugmarkt wird zu über 90 Prozent weiter von einheimischen Herstellern wie BYD, BAIC und Roewe dominiert, wobei als ausländische Produzenten Tesla (drei Prozent) und BMW (zwei Prozent) noch am stärksten sind. Im Luxusbereich macht das Start-up Nio mit dem ES8 aber Tesla zunehmend ernste Konkurrenz und konnte seit Verkaufsbeginn im Juni 2018 bereits 3368 Fahrzeuge ausliefern. Laut Studienleiter Stefan Bratzel wird es „höchste Zeit, dass deutsche Hersteller in China mit attraktiven Elektromodellen auftreten und auch in diesem Zukunftsfeld Marktanteile gewinnen. Es ist ein ernstes Warnsignal, dass im wichtigsten Automobilmarkt neue Anbieter wie Tesla und Nio Luxusmarkt für E-Fahrzeuge dominieren.“

Nach Absatzzahlen zweitgrößter Markt für E-Fahrzeuge bleibt die USA. Der Marktanteil der E-Autos an den Gesamtzulassungen nahm signifikant von 1,1 auf 1,8 Prozent zu. Hohe Zuwächse erzielten reine Elektrofahrzeuge, die jetzt auf einen Anteil von 64 Prozent (Vorjahreszeitraum: 53 Prozent) kommen. Die Zuwächse sind vor allem Tesla geschuldet, die mit dem Model 3 im Jahr 2018 bereits auf fast 80.000 Neuzulassungen kommen. Zusammen mit dem Model S und X stellt Tesla fast die Hälfte des Elektroautomobilmarktes in den USA.

(amv)
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