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Neuvorstellung: Audis Elektro-Dynamiker

Neuvorstellung : Audis Elektro-Dynamiker

Das S in der Modellbezeichnung steht bei Audi seit jeher für eine Extraportion an Sportlichkeit. Das gilt für Leistung wie Optik. Der e-tron S (93.800 Euro) und der e-tron S Sportback (96.050 Euro) machen da keine Ausnahme. Von Herbst an rollen die rein elektrisch angetriebenen Dynamiker auf die Straße.

Ihr Plus an Elektro-Power geben beide S-Varianten der e-tron-Baureihe auf den ersten Blick zu erkennen. Front- und Heckstoßfänger sind stark konturiert. Auf beiden Seiten sind die Radläufe um 23 Millimeter breiter. Damit stehen die Autos extrem muskulös auf der Straße. Im Innenraum dominieren dunkle Töne. Elektrisch einstellbare Sportsitze sind Serie, ihre Leder-/Alcantara-Bezüge sowie der Fahrstufen-Wählhebel tragen S-Prägungen mit Raute. Die Dekorblenden bestehen aus gebürstetem Aluminium in zwei Ausführungen, auf Wunsch aus Carbon.

Außer dem digitalen MMI touch response-Bediensystem mit den beiden großen zentralen Displays kann auf einem dritten Display, dem Audi virtual cockpit, ein spezieller e-tron-Screen gewählt werden. Dabei wird der elektrische Antrieb in den Mittelpunkt gerückt. Auf Wunsch ergänzt ein Head-up-Display das Anzeigenkonzept. Das Bedien- und Infotainmentsystem MMI Navigation plus ist serienmäßig an Bord. Die Online-Services von Audi connect ergänzen die Navigation, allen voran der erweiterte e-tron Routenplaner. Er errechnet die schnellste Route inklusive der optimalen Ladestopps, wobei er Verkehrsdaten, das Fahrprofil des Fahrers und die Dauer der Ladestopps einbezieht. Das Verzeichnis der Ladepunkte, das entsprechende Zusatz-Informationen enthält, wird jeden Tag online aktualisiert.

Ebenso exklusiv ist das Antriebssystem mit drei Elektro-Motoren sowie einem elektrischen Torque Vectoring. Die von Audi als Weltneuheit in der Großserie Serienfahrzeugen gepriesene Kombination der drei E-Maschinen bringt es im Boostbereich und der Fahrstufe S auf eine maximale Gesamtleistung von 370 kW (476 PS) und ein Drehmoment von 973 Newtonmetern (Nm). Jeweils acht Sekunden lang kann diese Performance abgerufen werden. Der Standardsprint auf Tempo 100 dauert dann gerade mal 4,5 Sekunden, bei 210 Kilometern pro Stunde (km/h) endet die Beschleunigungsorgie. Die beginnt mit einem kräftigen Schlag ins Kreuz, wenn das rechte Pedal gegen das Bodenblech gedrückt wird. Die im Dauerbetrieb zur Verfügung stehenden 320 kW (435 PS/808 Nm) vermitteln ein durchaus ähnliches Gefühl, wenn das Kraftpotenzial voll ausgeschöpft wird.

Anders jedoch als beim bisher bekannten e-Tron haben die Entwickler für die S-Versionen den starken hinteren Antrieb mit einer Leistung von jetzt 124 kW (169 PS, im Boostbereich 150 kW/204 PS) von der Hinter- an die Vorderachse verpflanzt. Die kleinere Maschine wandert dafür jetzt in doppelter Ausführung von vorne nach hinten, wo sie jeweils ein Rad mit 309 Nm antreiben. Gemeinsam leisten die beiden E-Motoren 196 kW (266 PS). Jeder Elektromotor wird von einer eigenen Leistungselektronik mit Drehstrom versorgt, Planetenradgetriebe mit fester Übersetzung leiten ihre Kräfte auf die Räder. Die Kraftübertragung auf die Räder erfolgt ohne mechanisches Differenzial. Die Verteilung des Drehmoments erfolgt über das elektrische Torque Vectoring. Im Alltag arbeiten aus Effizienzgründen lediglich die beiden hinteren E-Maschinen. Wird mehr Leistung abgerufen, beziehungsweise wenn der Grip bei niedrigen Reibwerten oder schneller Kurvenfahrt nachlässt, schaltet sich der vordere Motor blitzschnell und für den Fahrer unmerklich zu.

Jeder der hinteren E-Motoren schickt seine Antriebskraft direkt auf das jeweilige Rad. Auf wirklich schnell gefahrener kurvenreicher Strecke wird das Plus an Agilität und Traktion dieses Systems deutlich. Es ist schon enorm beeindruckend, wie präzise der Sportback um die Ecken wieselt, keinen Millimeter von der vorgegebenen Spur abweicht. „Wenn die Stabilisierungskontrolle ESC auf Sport und das Fahrdynamiksystem Audi drive select im Modus dynamic auf maximale Performance eingestellt sind, erlaubt das Antriebslayout hohe Querdynamik und auf Wunsch auch kontrollierte Drifts. Nahe dem physikalischen Limit wird das entlastete kurveninnere Vorderrad über die Radbremse leicht verzögert, das unterbindet Schlupf und verfeinert das Handling weiter“, erklärt Projektleiter Marc Bauer.

Entscheidenden Anteil an der sportlichen DNA der e-tron-S-Modelle haben die sehr direkt reagierende Lenkung sowie der tiefe Schwerpunkt und die ausgewogene Verteilung der Achslasten. Grund dafür ist die tiefe Einbaulage der Hochvolt-Batterie unter dem Passagierabteil. Der Akku speichert in seinen 36 Modulen mit jeweils zwölf Zellen brutto 95 kWh Energie, von denen 91 Prozent (86 kWh) nutzbar sind. Die Batterie arbeitet mit 397 Volt Nennspannung und kann kurzfristig bis zu 430 kW elektrische Spitzenleistung bereitstellen.

Mit einer Batterieladung erzielen der Audi e-tron S und der Audi e-tron S Sportback laut Hersteller im WLTP-Zyklus Reichweiten von rund 360 Kilometer. Bei der Schubrekuperation kann der Fahrer zwischen drei Stufen wählen, auf der höchsten erlebt er ein merkliches One-Pedal-Feeling. Beim Bremsen leisten die E-Maschinen bis in den Bereich von 0,3 g – also in den meisten Alltagssituationen – die Verzögerung allein, erst darüber kommen die hydraulischen Radbremsen ins Spiel. Die Elektromotoren bleiben jedoch weiterhin aktiv, beim Verzögern aus Tempo 100 können sie bis zu 270 kW Peak-Leistung umwandeln.

Geladen wird die Batterie serienmäßig mit bis zu elf kW mit Wechselstrom. Das optionale Ladesystem lässt sich an einer 400 Volt-Drehstromsteckdose ebenso wie an einer 230 Volt-Steckdose nutzen. Unterwegs können die elektrischen S-Modelle mit bis zu 150 kW Leistung Gleichstrom laden, etwa im europäischen Netzwerk von Ionity. Damit dauert der Ladevorgang von fünf auf 80 Prozent etwa eine halbe Stunde. In Europa macht der e-tron Charging Service auf Wunsch mehr als 150.000 öffentliche Ladepunkte mit einer Karte zugänglich. Im europaweiten Schnelllade-Netzwerk von Ionity gelten für Kunden des Audi-eigenen Ladedienstes günstige Konditionen. Im ersten Jahr übernimmt Audi die Grundgebühr für den Transit-Tarif, der einen reduzierten Preis pro kWh Strom bietet.

(amv)