Rüsselsheim: Astra Sports Tourer Innovation 1.7 CDTI - Manieren wie ein Butler

Rüsselsheim: Astra Sports Tourer Innovation 1.7 CDTI - Manieren wie ein Butler

Der Opel Astra Sports Tourer ist ein Typ für den zweiten Blick. Ob für das elegant-zurückhaltende Design, die Innenausstattung oder den Antrieb - auf Anhieb erntet der kompakte Kombi eher ein anerkennendes Nicken als einen Begeisterungssturm.

Doch nach einigen gemeinsamen Kilometern stellt man fest, dass es mit dem Kompakten wie mit einem guten Butler ist: Er ist stets zu Diensten, aber immer unauffällig im Hintergrund.

Dabei macht der Sports Tourer grundsätzlich eine durchaus gute Figur. Den Vorderwagen teilt er sich bis zur B-Säule mit seinem Limousinen-Bruder, außerdem verhelfen kraftvolle Seitenlinien und eine sich nach hinten verjüngende Fensterlinie dem 4,70 Meter langen Viertürer zu einem dynamischen sowie ansehnlichen Auftritt. Von hinten erscheint der Astra breit und muskulös - dank des kraftvoll gezeichneten Stoßfängers und der sich weit in die Kofferraumklappe hinein ziehenden Heckleuchten.

Lademeister-Qualitäten

Hinter dieser Klappe tut sich ein 500 Liter großes Ladeabteil auf, das frei von Ecken und Kanten ist. Das vereinfacht das Verstauen. Auch die niedrige Ladekante ist absolut praxistauglich. Zudem haben sich die Opel-Techniker noch einen besonderen Kniff für die Gepäckraumabdeckung einfallen lassen: Ein leichtes Antippen des Griffs genügt, und schon fährt das Rollo eine Ebene nach oben. Das erleichtert den Zugang, wenn man nicht die gesamte Abdeckung öffnen möchte. Ist diese trotzdem noch hinderlich, dann gibt es im doppelten Ladeboden ein eigens dafür vorgesehenes Staufach. So ist die Abdeckung auch nicht im Weg, wenn das größtmögliche Ladevolumen von 1.550 Litern genutzt werden soll. Dazu reicht ein Knopfdruck, und schon klappen die im Verhältnis 60:40 geteilten Rückbanklehnen nach vorne.

So entsteht eine nahezu ebene und 1,84 Meter lange Fläche. Angesichts derartiger Lademeister-Qualitäten lohnt es sich, 220 Euro extra für das sogenannte Cargo-Paket (inklusive Sicherheitstrennnetz) auszugeben. Mit den darin enthaltenen Schienen samt flexibel zu nutzenden Netzen und Haken kann jegliches Gepäck gut und vor allem sicher verzurrt werden.

Ergonomischer Innenraum

Doch nicht nur großes Gepäck fasst der Astra Sports Tourer. Auch an Verstaumöglichkeiten für den alltäglichen Krimskrams haben die Entwickler gedacht. Im relativ nüchtern gehaltenen Innenraum stehen zahlreiche Staufächer mit einem Fassungsvolumen von insgesamt 25 Litern zur Verfügung, darunter eine Aussparung für eine 1,5-Liter-Flasche in den Türverkleidungen. Das freut den Vielfahrer. Überhaupt erweist sich der kompakte Kombi als überraschend reisetauglich. Selbst auf der Rückbank haben die Passagiere ausreichend Platz - vorausgesetzt, die Vordermänner nutzen nicht den gesamten, ausgesprochen weiten Verstellbereich der Sitze. Denn dann wird es hinten im Kniebereich recht schnell eng.

Wahlweise in Rot

Auf langen Strecken unterstützt die gelungene Abstimmung des Fahrwerks die Wohlfühlatmosphäre an Bord. Die Kombiversion des Astra fährt sich sowohl auf der Autobahn als auch auf kurvenreichen Landstraßen oder im dichten Verkehrsgewühl der Innenstadt absolut problemlos. Überzeugend ist vor allem, wie geschmeidig der Opel extrem schlechte Straßenabschnitte passiert. Mitverantwortlich dafür ist das interaktive Fahrwerkssystem „FlexRide”, das Federn und Dämpfer entweder automatisch an den eigenen Fahrstil anpasst oder sich auf Knopfdruck wahlweise in einen Normal-, Tour- (weichere Abstimmung) oder Sport-Modus einstellen lässt. Bei „Sport” wechselt die Beleuchtung der Rundinstrumente von weißem in rotes Licht, der 1,7-Liter-Diesel (110 PS) dreht etwas höher. Riesig ist der Unterschied jedoch nicht. Denn auch die Kraftentfaltung im Normal-Modus strotzt zwar nicht gerade vor Agilität, doch sie ist spritzig genug, um sportlich angehauchtes Fahren zu ermöglichen. Der Fahrkomfort bleibt dabei immer erhalten. Der raue Unterton des Aggregats im kalten Zustand gibt sich nach wenigen Metern, und es stellt sich auch in diesem Punkt die beschriebene Unauffälligkeit ein. Diese ist auch beim Besuch an der Tankstelle angesagt. Der Bordcomputer zeigt zwar beständig einen Wert von über sechs Litern an - trotz eher zurückhaltender Fahrweise und einem Mix aus Stadt- und Überlandfahrten. Das sind immerhin 1,5 Liter mehr als im Normzyklus angegeben, dennoch ist dieser Praxiswert noch vergleichsweise akzeptabel.

4.450 Euro Aufpreis verlangt Opel für die Top-Version Innovation. Dafür sind dann neben einem umfassenden Sicherheitspaket unter anderem Klimaautomatik, Stereo-CD-Radio, Leichtmetallräder, Tempomat, Ambientebeleuchtung, Regensensor, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit variabler Lichtverteilung und Kurvenlicht mit an Bord. Spitzentechnologie, die so in der Kompaktklasse nicht unbedingt üblich ist.

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