24-Stunden-Rennen am Nürburgring: Volkswagen mit Girls Only Team

24-Stunden-Rennen : Mit Frauenpower auf der Nordschleife

„Ganz nah dran“ – aus diesem Grund schwören immer mehr Besucher auf Langstreckenevents wie dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Die Veranstalter beziffern die Zahl der Besucher in diesem Jahr mit 230.000 Personen.

Das sind 20.000 Zuschauer mehr als 2018. Von Fan-Müdigkeit kann da also – zumindest in dieser Klasse - keine Rede sein. Für Frank Schneider aus Heidelberg käme es nie in Frage, zu einem Formel-1-Rennen wie am Hockenheimring zu gehen: „Das ist mir dort viel zu steril“, wischt er finanzielle Gründe für seine ablehnende Haltung beiseite. „Was hier auf der Strecke zwischen den unterschiedlich starken Teams abgeht, ist einfach bärenstark. Da passiert richtig was und es ist alles viel weniger auf Taktik ausgerichtet.“

Besonders begeistert ist der Mittdreißiger aber von der Nähe zu den Mannschaften: „Hier kann ich in jede Box hineinschauen, manchmal sogar ein paar Worte mit den Rennfahrern wechseln und bin sozusagen mitten im Geschehen.“ Hautnah und nur wenige Meter entfernt beobachten wie ein Wagen mit technischem Defekt wieder fit gemacht wird. Bei Vettel und Co. wäre das undenkbar.

Ganz anders indessen beim von Volkswagen unterstützten Girls Only Team, einer rein weiblichen Mannschaft von WS Racing in Trierweiler. Nachdem vermutlich schon beim Warm-up eine Schraube in den Kühler des Golf GTI TCR geschleudert wird, muss Jasmin Preisig den Wagen bereits nach drei Rennrunden in die Box steuern. Ein Motorschaden als Folge wird bei der Analyse nicht ausgeschlossen. Jetzt droht das frühzeitige Aus.

Dabei lief es die Tage zuvor beim Qualifying mit Platz drei in seiner Klasse geradezu bestens für das im Oktober 2018 nach einem Casting aus 30 Bewerberinnen zusammen gewürfelte Team aus 16 Amateurinnen plus drei Pilotinnen. Ganz gleich, ob Strategieplanung, Schadensbehebung, Ingenieursaufgaben, Reifenwechsel oder Betankungen - unter der Leitung von Chefin Ellen Lehmann kümmern sich alle darum, „Bärbel“, so haben sie den Golf GTI TCR getauft, so gut wie möglich auf die Strecke zu schicken.

Auch hinter dem Steuer ist natürlich nur Frauenpower angesagt: Ronja Assmann (23) aus Goißen, Jasmin Preisig (27) aus Schwellbrunn in der Schweiz und Carrie Schreiner (20/Völklingen) wechseln sich am Lenkrad ab. Ronja Assmann sammelte bereits 2017 Erfahrungen beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife. Carrie Schreiner wurde 2018 auf einem Audi R8 LMS GT3 Gesamtsiegerin der DMV GTC (GT3-Klasse). Im selben Jahr feierte die 20-Jährige den Titel in der Pro-Am-Klasse der Lamborghini Super Trofeo Middle East. Jasmin Preisig hat in der VLN bereits zahlreiche Erfolge eingefahren.

Sie ist es auch, die frustriert in die Box rollt, weil der Öldruck innerhalb kürzester Zeit weg ist und die Leistung gleich mit. Nachdem feststeht, dass es keine einfache Lösung für das Problem gibt, fällt die Entscheidung. Aufgeben ist keine Option. Das Aggregat muss getauscht werden. Und das auf engstem Raum, bei geöffnetem Rolltor und deshalb unter den Augen zahlreicher Schaulustiger.

Ein Unterfangen, das bei Profiteams mindestens einmal in der Woche auf dem Übungsplan steht. Die Girls meistern dieses Unterfangen indessen zum ersten Mal. Es grenzt schon an ein Wunder, dass überhaupt ein zweites Triebwerk von einem befreundeten Team zur Verfügung steht. Beobachter wie Frank können nur staunen, wie konzentriert und scheinbar dennoch eingespielt sich Mechatronikerinnen und Ingenieurinnen Schritt für Schritt bis zum Ziel vorarbeiten.

14 Stunden später ist der schwarz-gelbe Golf unter dem Jubel aller Beteiligten wieder auf der Strecke. Die drei Rennfahrerinnen sind nach all den bangen Stunden begeistert, letztendlich doch noch die grüne Hölle in Angriff nehmen zu können. Wie am Schnürchen läuft der Motor. Und rollt ohne ein weiteres Problem am Ende des Rennens über die Ziellinie. Unter den jubelnden Fans natürlich auch immer noch Frank, der das Girls Only Team mit großem Applaus – und quasi hautnah – bejubelt. Sabine Neumann

(amv)
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