Kreis Heinsberg: Ranghöchster Polizeibeamte geht in den Ruhestand

Kreis Heinsberg: Ranghöchster Polizeibeamte geht in den Ruhestand

Der ranghöchste Polizeibeamte des Kreises Heinsberg geht in den Ruhestand. ­Obwohl er mit Leib und Seele Polizist war, vollzieht Polizeidirektor Hans Joseph Rademacher (62) diesen Schritt nach 44 Dienstjahren auch gerne. Zwar habe der Landrat ihn noch gefragt, ob er nicht länger machen wolle, aber Rademacher zeigte sich davon überzeugt: „Es ist gut so. Alles hat seine Zeit.”

Zudem habe er jüngeren Kollegen nicht die Karriere verbauen wollen. Langweilig dürfte es ihm auch als Pensionär nicht werden. Immerhin ist er engagierter Sänger im Meisterchor seines Heimatortes Selfkant-Höngen. Und als begeisterter Biker freut er sich schon jetzt auf längere Touren mit dem Motorrad.

Polizist - dies war für ihn schon als kleines Kind der Traumberuf: „Ich will das werden, was Onkel Hubert ist”, habe er bereits als Fünfjähriger gesagt. Der Onkel, ein Niederländer, arbeitete bei der Marechaussee und später bei der Polizei. Auch wenn zwischenzeitlich der Lehrerberuf eine denkbare Alternative darstellte, schlug Rademacher schließlich mit 18 doch den Weg zur Polizei ein - und hat dies nie bereut.

Auf dem Krad durch Düsseldorf

Nicht nur, weil seine erste Verwendung nach der Ausbildung als Kradfahrer in Düsseldorf für ihn maßgeschneidert war. In Düsseldorf stieg er zum Dienstgruppenleiter in der Altstadtwache und dann für die gesamte Stadtmitte auf. Ein Gebiet mit exakt 333 Ausschankkonzessionen - an diese Schnapszahl erinnert er sich noch genau. Wie an das breite Spektrum von Einsätzen: von Kneipen-Schlägereien und schlimme Unfälle über Schießereien mit Zuhältern, bei denen „Gott sei Dank nie ein Kollege verletzt wurde”, bis zur Umsiedlung des Straßenstrichs. Zu diesem zweifelhaften Vergnügen sei er wohl gelangt, „weil ich offenbar als solide galt”.

Gekrönte Häupter beschützt

Von 1984 bis 1997 war Aachen sein dienstliches Domizil. Als Leiter einer Polizeiinspektion war er für Demonstrationen und Hausräumungen ebenso verantwortlich wie rund um das Rathaus für den Schutz gekrönter Häupter bei der Karlspreisverleihung.

Als Leiter des Polizeiausbildungsinstitutes in Linnich baute Rademacher viele internationale Kontakte auf und aus - nicht nur, aber vor allem mit dem Partnerinstitut im niederländischen Heerlen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wurde später für Rademacher wieder ein ganz besonders wichtiges Thema, als er am 1. Januar 2008 seinen Posten als Leiter Gefahrenabwehr / Strafverfolgung bei der Kreispolizeibehörde Heinsberg antrat. Mit einer 77 Kilometer langen Grenze zu den Niederlanden. Und nicht nur Rademacher weiß: „Verbrecher machen vor der Grenze nicht halt.”

Heinsberg ist für viele Polizisten die sogenannte Endbehörde; sie hat mit dem Problem der Überalterung zu kämpfen. Um die 100 Polizisten stehen ständig mit dem Versetzungswunsch Heinsberg auf den Listen, doch „keiner will weg”, so Rademacher. Der Ruf aus Heinsberg sei aber inzwischen in Düsseldorf gehört worden. So seien 2011 vier „frische” Absolventen von der Fachhochschule zu ihrer Erstverwendung nach Heinsberg versetzt worden, in diesem Jahr sollen sieben folgen. „Es wird besser.” Dass die Personaldecke knapp sei (359 Polizistenstellen sieht die belastungsbezogene Kräfteverteilung vor, 349 sind besetzt), sei ein Problem, das auch andere Behörden hätten. Im Vergleich zu anderen Regionen sei die Welt im Kreis Heinsberg noch in Ordnung, „aber wir haben auch alles”. Und die Tendenz der Unfall- und Verbrechenszahlen sei steigend. So sieht Rademacher in erhöhtem Kontrolldruck ein Rezept gegen zu viele Unfälle, denn „Geschwindigkeit spielt immer eine Rolle”. Und die verhältnismäßig niedrige Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen gelte es zu verbessern.

Randerath: „Keine Alternative”

Einschneidendes Geschehen in seiner Heinsberger Dienstzeit sei zweifellos der Fall des aus der Haft entlassenen und von Gutachtern weiterhin als höchst gefährlich eingestuften Sexualstraftäters gewesen, der 2009 nach Randerath gezogen war. Das sei damals „Neuland für alle” gewesen, „rechtlich nicht unproblematisch”. „Das kann man nur lösen, wenn man eng zusammensteht.” Die Rund-um-die-Uhr-Überwachung sieht Rademacher noch heute als richtig an: „Der Weg hatte keine Alternative.” Das Verwaltungsgericht ­Aachen habe die dauerhafte Observation ja auch als rechtens bestätigt. „Wir sind nicht zur Menschenverfolgung angetreten, sondern zum Schutz der Bevölkerung.” Ein Punkt macht Rademacher dabei aber auch heute noch zu schaffen: Dass die Familie, die damals das „schwarze Schaf” aufgenommen und damit im christlichen Sinne positiv gehandelt habe, unter den Polizeimaßnahmen und unter den Protesten gelitten habe, „da haben wir auch drunter gelitten”.

Vor dem Heinsberger Kreishaus wurde Hans-Joseph Rademacher (l.) von Landrat Stephan Pusch (r.) und 200 Gästen erwartet. Mit einem historischen Polizeifahrzeug fuhr der Polizeidirektor vor. Die offizielle Verabschiedung fand im großen Sitzungssaal des Kreishauses statt. Wie ein roter Faden zog sich eine Botschaft durch alle Reden: „Teamarbeit stand bei allen Entscheidungen an oberster Stelle”, sagte Landrat Stephan Pusch über Rademachers Wirken. Der Polizeidirektor sei stets in der Lage gewesen, sich als Person zurückzunehmen und in den Dienst des Ganzen, nämlich seiner geliebten Polizeiarbeit, zu stellen.

So hat sich der zukünftige Pensionär auch selbst als Rad in einem großen Ganzen gesehen. „Ohne ein gutes Team in Führung und der Kollegenschaft wäre es nicht gegangen.” Rademacher dankte für die Freundschaft, die Mitarbeit und die Unterstützung. „Meine Erfolge waren Ihre und Eure Erfolge. Ich danke für die langjährige Kollegialität und Kameradschaft mit all den herzlichen Kontakten und herrlichen Gesprächen.”

Die Nachfolge von Rademacher wird Anfang September Polizeidirektor Friedhelm Hinzen antreten.