500 Jahre alte Münzen: Ralph Becker entdeckt einen echten Goldschatz

500 Jahre alte Münzen : Ralph Becker entdeckt einen echten Goldschatz

Die alten Münzen aus dem 15. Jahrhundert aus dem Besitz der Gemeinde Langerwehe waren komplett in Vergessenheit geraten. Hobby-Historiker Ralph Becker hat nun ihre Geschichte veröffentlicht.

So viel sei gleich vorab verraten: Der Wert der Goldmünzen reicht nicht, um die Gemeindefinanzen von Langerwehe deutlich aufzupolieren. Gleichwohl hat der Ahnenforscher und Hobby-Historiker Ralph Becker in seiner neuen Publikation „Der fast vergessene Goldschatz von 1450 aus Langerwehe“ eine Geschichte ausgegraben, die selbst vielen alteingesessenen Einwohnern der Töpfergemeinde so nicht bekannt war. Und auch im Rathaus mussten die Mitarbeiter um Bürgermeister Peter Münstermann (SPD) erst einmal ein bisschen forschen, bis der Verbleib der wertvollen Goldstücke geklärt war.

Ralph Becker ist das, was man als einen Ur-Langerweher bezeichnen kann. Der 70-jährige Elektrotechniker, der sich in seinem Berufsleben hauptsächlich mit Bio-Medizin-Technik auseinandergesetzt hat, hat sich in mehr als 20 Publikationen intensiv mit der Geschichte seiner Heimat beschäftigt. Er hat beispielsweise eine Chronik über sein Dorf Luchem geschrieben, sich mit der Geschichte der Langerweher Juden befasst und Heiratsregister für die Orte Echtz, Langerwehe und Pier erstellt. „Ich bin einfach heimatverbunden, wie es auch schon mein Vater war“, sagt Becker. „Und ich hatte mir immer schon vorgenommen, im Ruhestand etwas vollkommen anderes zu machen als in meinem Beruf. Und da habe ich angefangen, eine private Familienchronik zu erstellen. So wurde meine Leidenschaft für Geschichte geweckt.“

Auf den Goldschatz ist Becker gekommen, als seine Frau Jutta einige ihrer Arbeiten bei einer Kunstausstellung im Langerweher Töpfereimuseum präsentiert hat. „Da ist mir wieder eingefallen, dass es diese Münzen gibt.“

Becker kann sich noch gut daran erinnern, dass sein Vater, der bei der Gemeindeverwaltung gearbeitet hat, von den Münzen erzählt hat. „Als 1957 das Haus des Frisörs Sparbrod an der Hauptstraße 122 abgerissen wurde, hat ein Bauarbeiter einen alten Langerweher Tonkrug entdeckt. Und da waren die Münzen drin.“ Der damalige Leiter des Töpfereimuseums, Josef Schwarz, hat den Fund ans Landesmuseum Bonn gegeben. Später konnte er für das Museum die wertvollen Stücke zurückkaufen. Das historische Zahlungsmittel wurde katalogisiert, hoch versichert, nachgebildet, ins Schließfach gebracht – und ist dann für fast 65 Jahre vollkommen in Vergessenheit geraten.

Aber um was für Münzen handelt es sich überhaupt? Die Erklärung aus der Dauerausstellung des Museums heißt: „Langerwehe lag an einer wichtigen Handels- und Heeresstraße. Im Frieden brachte sie den Einwohnern Wohlstand, in unruhigen Zeiten jedoch Brandschatzung und Plünderung. Ein solches Unheil mag wohl unmittelbar bevorgestanden haben, als um 1450 ein Langerweher sein Bargeld in einen Krug füllte und ihm Keller seines Hauses versteckte. 43 Goldgulden, 14 Silbergroschen und zwei Fingerringe. Wahrscheinlich hat der Besitzer bald darauf sein Leben lassen müssen, denn der Münzschatz wurde nicht wieder hervorgeholt.“

Als kleiner Junge, erzählt Becker, habe ihn der Begriff Goldschatz, den der Vater für die Münzen verwandt hat, natürlich unglaublich fasziniert. Das habe ich nicht vergessen.“ Spätestens als ihm aber dann klar wurde, dass von den Verantwortlichen des Töpfereimuseums niemand die Geschichte der Münzen kannte, geschweige denn wusste, wo die Originalstücke aufbewahrt wurden, ist Becker aktiv geworden. „Ich habe bei der Gemeinde angerufen. Und die haben dann rausgefunden, dass es Münzen in einem Bankschließfach gibt, die unglaublich hoch versichert sind. Das war der Goldschatz aus meiner Kindheit.“ Mit dem Bürgermeister hat Becker die wertvollen Münzen, die aus verschiedenen Grafschaften und Herzogtümern von Geldern im Norden bis Basel in der heutigen Schweiz stammen, ins Rathaus geholt, vorsichtig gesäubert und für sein Buch fotografiert. Der Wert der historischen Geldstücke lässt sich nur schwer beziffern. „Ich gehe von rund 50.000 Euro aus“, sagt Becker. „Aber das muss natürlich ein Sachverständiger genau untersuchen.“
Auch wenn „Der fast vergessene Goldschatz“ längst nicht Beckers umfangreichstes Werk ist, so ist es doch eins seiner liebsten. „Die Arbeit für dieses Buch hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Das war wirklich spannend. Ich habe selten so viel Freude beim Recherchieren gehabt.“ Klar, dass es für den Hobby-Historiker noch viele Projekte gibt, die auf eine Umsetzung warten.

Ralph Becker, „Der fast vergessene Goldschatz von 1450 aus Langerwehe“ ist für 10 Euro im Töpfereimuseum erhältlich.