Heinsberg: „Publizistischer Turbokarpfen”: Hellmuth Karasek begeistert mit Anekdoten

Heinsberg: „Publizistischer Turbokarpfen”: Hellmuth Karasek begeistert mit Anekdoten

Er habe mal testen wollen, wie viele Menschen in seine Buchhandlung passen und da sei er auf die Idee gekommen Hellmuth Karasek einzuladen, meinte Rainer Gollenstede scherzhaft zur Begrüßung der 140 Besucher, die seine Buchhandlung bis auf den letzten Platz füllten.

Für Karaseks Zuhörer wurde es ein vergnüglicher Abend, und sie erfuhren zudem „Was Männer von Frauen wollen”. Dieser Untertitel des neuen Karasek-Buches beschreibt treffend den Inhalt.

Als Titel für sein neues Werk hat sich der Literaturkritiker Professor Dr. Hellmuth Karasek, der durch seine Scharmützel mit Marcel Reich-Ranicki in dessen Literarischem Quartett bekannt geworden ist, ein nicht gerade frauenschmeichleriches Goethe-Zitat erkoren, es lautet „Ihr tausendfaches Weh und Ach”.

Der „publizistische Turbokarpfen im Teich der grauen Hechte”, wie ihn sein Kollege, der Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier, einmal nannte, berichtete seinen Heinsberger Zuhörern anekdotenreich von der Unmöglichkeit, Frauen zu verstehen. Über Billy Wilder hat Hellmuth Karasek zu Beginn seiner Karriere eine Biografie geschrieben und den berühmten Regisseur dabei persönlich kennen gelernt.

Beim Kramen in dessen Fotoarchiv tauchten auch Bilder von Marilyn Monroe auf. Für manchen die Frau aller Frauen, doch Billy Wilder, so Karasek, sei nicht ins Schwärmen geraten, habe ihm aber verraten, wie er sehr, sehr reich mit einer tollen Idee werden wollte. Und zwar habe Wilder ein Möbelstück bauen wollen, eine Kombination aus Bett und Tisch.

Hellmuth Karasek verriet seinen Zuhörern auch die besondere Funktion dieses Möbelstücks. Zuerst ein Bett, so habe es ihm Billy Wilder erklärt, würde sich dieses sofort nach dem Sex mit der Geliebten herumdrehen und ein Pokertisch käme zum Vorschein inklusive der notwendigen Spirituosen und Zigarren. Kein nervtötendes Gerede „wann heiraten wir endlich, Schatzi” oder Ähnliches würde dann den Genuss trüben. „Steinreich wäre ich geworden”, habe Wilder ihm anvertraut, so Karasek.

Natürlich greift Hellmuth Karasek in seinem neuen Buch, das aus 20 Geschichten besteht, auch auf seine literarischen Kenntnisse zurück und baut sie in seine Geschichten gekonnt und unterhaltsam ein. Auszüge aus „Lolita” trug er seinem Publikum vor.

Rilkes „Panther”-Gedicht wird darin zitiert, und es soll maßgeblichen Anteil daran gehabt haben, dass Karasek nicht als Lehrer verkümmerte. Eine süddeutsche Zeitung druckte darauf in ihrer Wochenendbeilage seine „Panther”-Deutung. Zum Welttierschutztag. Er wurde Journalist.

Karasek beschreibt in „Lolita”, wie ihm die Auseinandersetzung mit Literatur und Kunst neue Frauenbilder eröffnete - ob nun Nabokovs „Lolita” oder die Kindfrauen des Malers Balthus. Dass er auch ein unterhaltsamer Improvisator sein kann, hatte Karasek dem Heinsberger Publikum schon vor seiner eigentlichen Lesung bei der Tonprobe bewiesen.

Rainer Gollenstede hatte diese zur Freude des Publikums „inszeniert” - oder war es doch nur ein Missgeschick, dass das Wasserglas zu Bruch und die Mikrofonanlage aus ging?. Karasek rezitierte wieder und wieder Heinrich Hoffmanns Damenlutscher-Gedicht „Konrad! sprach die Frau Mama, ich geh´ aus und du bleibst da” bis der Ton wieder da war. Das Publikum dankte ihm nicht nur für die spontane Einlage mit herzlichem Applaus.

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