Kreis Heinsberg: Proteste zur Jäger-Versammlung

Kreis Heinsberg: Proteste zur Jäger-Versammlung

„Ich hab genug zu lesen dabei!“ Mit diesen Worten verweigerte Dr. Heiner Breickmann auf dem Heinsberger Rathausplatz die Annahme eines an ihn adressierten, offenen Briefes von Jagdgegnern und setzte seinen Weg in die Stadthalle fort. Während der Vorsitzende der Kreisjägerschaft in der Halle zur Jahreshauptversammlung erwartet wurde, demonstrierte draußen friedlich ein gutes Dutzend Mitglieder und Sympathisanten des Geilenkirchener Vereins „Gegen Haus- und Wildtiermord“.

Wie er das Töten von hilf- und wehrlosen Tieren „befürworten, schlimmer noch, aktiv betreiben“ könne, fragten die Jagdgegner in ihrem offenen Brief. „Sie als Tierarzt sollten die ethische und moralische ärztliche Verpflichtung verspüren, jedes Tier von Krankheiten zu heilen und von Schmerzen und Leiden zu befreien.“ Es folgte die Aufforderung an den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, sein Hobby zu überdenken.

Bei der Versammlung in der Heinsberger Stadthalle: Die geehrten Mitglieder der Kreisjägerschaft zusammen mit dem Vorsitzenden Dr. Heiner Breickmann (links).

Nachdem Breickmann die rund 140 Jäger in der Halle begrüßt hatte, ging als erster Landrat Stephan Pusch in seinem Grußwort auf die Demonstration vor der Halle ein. Teile der Bevölkerung würden sich immer mehr von der Natur entfremden, weil oft auch die Kenntnis und das Verständnis von der Jagd und ihren Aufgaben fehlen würden. „Hinzu kommt eine allgemeine Empfindlichkeit in Bezug auf den Gebrauch von Waffen sowie dem damit verbundenen Lärm“, fuhr er fort und richtete einen eindringlichen Appell an die Waidleute: „Nehmen Sie bei der Jagdausübung Rücksicht auf Mitmenschen, Anwohner und diejenigen, die in der Natur Erholung suchen oder ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen.“

Jeder Jäger sei ein Aushängeschild seines Standes. „Und bei aller Jagdleidenschaft gehört dazu auch, im Zweifelsfall den Finger am Abzug auch mal lang zu lassen.“ Beim größten Teil der Kreisjägerschaft renne er mit dieser Forderung offene Türen ein, konstatierte er selbst. „Aber leider gibt es auch Ausnahmen.“ Und just jene seien es, die dann die vielen umsichtigen, verantwortungsbewussten und vorbildlichen Weidleute, die im Kreis Heinsberg weit in der Mehrzahl seien, in ein schlechtes Licht rücken würden.

Entwicklungen im Jagdrecht

Theo Grein, Mitarbeiter der Unteren Jagdbehörde, informierte anschließend über aktuelle Entwicklungen im Jagdrecht. Er erläuterte ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, nach dem die in Deutschland gesetzlich verankerte Zwangsmitgliedschaft aller Eigentümer von kleineren Flächen in Jagdgenossenschaften und die damit verbundene Duldung der Jagd eine Beschränkung der freien Verfügung über das Eigentum sei. Dann widmete er sich dem Thema „Jagdstörungen“. Im vergangenen Herbst und Winter hätten „sogenannte selbsternannte Tierschützer“ wiederholt versucht, Treibjagden zu stören.

Auch die Beteiligung der Polizei habe dabei nicht zur Rechtssicherheit geführt. Es müsse für künftige Fälle sichergestellt werden, dass vor Ort einschreitende Polizeibeamte die Rechte der Jäger zumindest grob einzuschätzen wüssten, forderte Grein. Tatsächlich stelle eine solche Störung der Jagd eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden könne. Die Jägerschaft solle solchen Aktionen geschlossen entgegentreten, lautete sein Appell. „Jagd ist nämlich nicht nur Hobby, sondern auch die Wahrnehmung öffentlicher Interessen“, nannte er als Beispiele die Vermeidung von Wildschäden oder die Eindämmung der für Menschen gefährlichen Krankheiten wie Tollwut oder Fuchsbandwurm. „Wir dürfen uns in der Diskussion keinesfalls auf das Niveau dieser Leute herunterziehen lassen. Sie handeln gesetzeswidrig, wir nicht.“

„Es ist enorm wichtig zusammenzustehen“, forderte dann auch Breickmann in seiner Rede. „Angesichts dieser Figuren, aber die waren ja noch handzahm…“, deutete er gedanklich nach draußen auf den Rathausplatz.

(anna)
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