Heinsberg: „Praxis für Politik”: EU-Parlamentarierin beim Praktikum in Baumschule

Heinsberg: „Praxis für Politik”: EU-Parlamentarierin beim Praktikum in Baumschule

Ihren eigenen Garten habe sie schon seit geraumer Zeit vernachlässigt, gestand Sabine Verheyen. „Ich habe einfach keine Zeit.” Vielleicht ging die Europaparlamentarierin der CDU gerade deshalb so beherzt zur Sache beim Schneiden der Apfelbäume von Karl-Heinz Plum.

Mit rund 100 weiteren Abgeordneten aus Europaparlament und Bundestag nahm sie jetzt teil an der Aktion „Praxis für Politik” des Bundesverbandes der Dienstleistungswirtschaft. Sie bietet den Politikern die Chance, Unternehmen ihrer Wahlkreise hautnah kennenzulernen. Zur Auswahl standen 16 Branchen von der Altenpflege bis zur Zeitarbeit. Verheyen hatte sich bei ihrem Betriebspraktikum für den Baumschulbetrieb des Heinsbergers, der gleichsam Präsident des Bundes deutscher Baumschulen ist, entschieden.

„Wir haben viele Betriebe in meinem Wahlkreis, die aus dem landwirtschaftlichen Bereich kommen. Es ist wichtig zu wissen, wer die Ansprechpartner sind und wo es Probleme gibt”, sagt Verheyen. „Wenn auf europäischer Ebene allgemeine Regelungen beschlossen werden, stellt sich die Frage, was bedeutet das für die Praxis. Gerade hier in einer Grenzregion kann es zu Verwerfungen in der Umsetzung von Richtlinien kommen. Da ist es entscheidend, im Dialog zu bleiben.”

Gedankliche Anregungen

Und da war sie bei Karl-Heinz Plum natürlich an der richtigen Stelle. Der BdB-Präsident gab der Aachenerin gleich einige gedankliche Anregungen mit auf den Weg, die politisches Handeln zum Ziel haben sollten. So könne es zum Beispiel nicht sein, dass die Baumschulbetreiber in Deutschland für eine notwendige Hagelversicherung tief in die Tasche greifen müssten, während in Italien die Beiträge mit 60 Prozent bezuschusst würden.

Ein weiteres Thema waren die neuen Pflanzenschutzrichtlinien. Die Pflanzenschutzmittel dürften nach Vorgabe der Biologischen Bundesanstalt stets nur für eine Fruchtart zugelassen werden. Es müsse also jedesmal eine neue, mit entsprechenden Kosten verbundene Zulassung erfolgen. „Für uns ist wichtig, dass wir auch Produkte verwenden können, die eigentlich für eine andere Frucht zugelassen sind, aber dennoch gefahrlos einzusetzen wären”, erläuterte Plum einen seiner Ansicht nach übertriebenen Bürokratismus.

Auch der Umgang mit sogenannten Quarantäne-Schädlingen wie dem Laubbockkäfer machten den Betrieben zu schaffen. „Wir wünschen uns eine Kasse für die Schädlinge, die uns entschädigt. Versicherungen machen dies derzeit nicht, erklären aber die Bereitschaft es zu tun, wenn die Politik hier auch einen Schirm aufspannt.”

Apfelbäume beschnitten

Den hätte Verheyen selbst brauchen können, als Plum die „Praktikantin” in festem Schuhwerk in die Pflanzung schickte, wo es galt, etliche Apfelbäume fachgerecht zu beschneiden. Die Europapolitikerin, die normalerweise in feinem Tuch im Ausschuss für Kultur, Bildung und Medien oder im Regionalen Entwicklungsausschuss ihre Standpunkte vertritt, erwies sich trotz Regens auch hier standfest und nicht ungeschickt.

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