„Powerman“ in Alsdorf: Eine Stadt gibt ihre Visitenkarte ab

„Powerman“ in Alsdorf : Eine Stadt gibt ihre Visitenkarte ab

Das Aprilwetter hatte sich klammheimlich ebenfalls beim „Powerman Alsdorf“ angemeldet. Statt Sonnenschein und warmen Frühlingstemperaturen erwarteten die über 700 Athleten am Sonntagmorgen Graupelschauer, und das Thermometer konnte nur mit Mühe die Fünf-Grad-Marke knacken.

Besonders die Gäste aus südlicheren Gefilden lernten schnell, was „german weather“ bedeutet. Der launische April allein reichte jedoch nicht aus, um den Duathlon-Fans die Stimmung zu vermiesen: Bis zum allerletzten Zieleinlauf zählte man über 2000 Besucher an der Strecke. Der Eschweiler Marathonclub hatte zusammen mit der Stadt Alsdorf ein weiteres Mal ein phänomenales Event ausgerichtet – und zugleich in eindrucksvoller Weise seine Visitenkarte für die laufende Bewerbung für die Europameisterschaft 2020 abgegeben.

Rückgrat der Veranstaltung

Die wahren „Powermen und -women“ hatten sich bereits um 7.30 Uhr am und um den Denkmalplatz eingefunden. Die ehrenamtlichen Helfer, die als Streckenposten, Ordner und Verpfleger fungierten, waren nicht nur aus Sicht von Renndirektor Patrick Thevis (Eschweiler Marathonclub) das Rückgrat der Wettbewerbsveranstaltung.

Fans wie diese beiden Damen honorierten die sportlichen Leistungen mit viel Applaus. Foto: Yannick Longerich

Torge Braun, der mit Freunden und Kollegen der Kohlscheider Pfadfinder bereits seit drei Jahren beim Powerman hilft, verriet, dass die Wetterkapriolen am Anfang nicht nur die Sportler forderten: „Natürlich haben wir gefroren, aber das gerne. Es macht uns jedes Jahr riesigen Spaß.“ Bevor um 8.20 Uhr der Startschuss durch Lothar Müller fiel, bauten Braun und Kollegen den Pavillon auf und legten sich einen beachtlichen Wasservorrat an, der mit Traubenzucker versetzt wurde. Als die ersten Athleten in Sichtweite kamen, formierte sich eine Schlange aus „Gelb-Hemden“, die die Getränke anreichten.

Alle Achtung: Trotz der Anstrengung reichte es bei diesem Läufer beim Zieleinlauf noch für ein Lächeln. Foto: Yannick Longerich

Die große Nervosität setzte bei Rennleiter Thevis in den letzten Stunden vor dem Startschuss ein: „Das ist der schlimmste Moment. Als das Rennen einmal lief, konnte ich mich mehr und mehr entspannen.“ Zum Auftakt machten sich die männlichen und weiblichen Elitegruppen auf den Weg. Es warteten drei Etappen (10 Kilometer Laufen, 60 Kilometer Radfahren und nochmals 10 Kilometer Laufen).

Nachdem die Top-Athleten auf die Reise geschickt worden waren, ertönte auch der Startschuss für die Wettkämpfer, die unterteilt nach Altersgruppen die insgesamt 80 Kilometer Strecke in Form des sogenannten „Powerman Classic“ hinter sich bringen wollten. Der Trubel im Startsektor am Denkmalplatz ebbte auch bis 10 Uhr nicht ab, da der Start der Kategorie „Sprint“ noch ausstand. Der „verkürzte“ Duathlon (5/20/5) sollte vor allem die Amateure für eine Teilnahme begeistern. Am Ende war jedoch auch dieses Teilnehmerfeld zur Freude von Veranstaltern und Zuschauern gespickt mit internationalen Spitzensportlern.

An der Spitzkehre der B57 mussten sich die Radfahrer einfädeln. Trotz der vielen Teilnehmer kam es zu keinen Kollisionen. Foto: Yannick Longerich

Sowohl die Feuerwehr als auch das Technische Hilfswerk und der Malteser Hilfsdienst erlebten einen vergleichsweise ruhigen Sonntag in Alsdorf und Umgebung. Die Haupt- und Ehrenamtler waren in breiter Formation aufmarschiert und ließen keinen Zweifel daran, dass sie auch für ein internationales Top-Event wie die Europameisterschaft gewappnet wären. Markus Dohms, Leiter der Alsdorfer Feuerwehr, erklärte, dass die geänderte Streckenführung – erstmals waren mehrere Kommunen involviert – auch einen erhöhten Koordinationsaufwand bedeutet habe. Zusätzlich zu den Einsatz- und Löschfahrzeugen hatte die Feuerwehr einen Einsatzleitwagen der Städteregion vor Ort.

„Kraftstoff to go”: Die Versorgungsposten wie hier am Denkmalplatz reichten den vorbeilaufenden Athleten isotonische Getränke. Foto: Yannick Longerich

In Zusammenarbeit mit Polizei und Sanitätern konnte die Feuerwehr ein positives Fazit ziehen. Ein Radfahrer stürzte, trug jedoch lediglich kleinere Blessuren davon. Viel mehr als eine Handvoll kleinerer Parkverstöße gab es darüber hinaus nicht zu vermelden. Die Polizei, die mit sieben Beamten im sogenannten Präsenzdienst war, musste keinerlei Zwischenfälle dokumentieren.

Zur tragischen Figur wurde der Australier Matthew „Matt“ Smith, der bereits zu Beginn der Woche in Alsdorf angekommen war. Unmittelbar nach dem Rennen begab sich der Duathlet aus „Down Under“ zur Beobachtung ins Krankenhaus. An sicherer sechster Position im Elitezirkel liegend, wollte man ihm eine australische Flagge für den Zieldurchlauf reichen. Doch Smith verletzte sich am Fuß und schied zum Entsetzen der Fans und Zuschauer wenige Meter vor dem Ziel aus dem Rennen aus. Die Emotionen färben natürlich auch auf das Publikum ab. „Ich war letztes Jahr eher durch Zufall hier. Das Rennen dieses Jahr stand aber seit Monaten dick im Kalender“, erzählte Mareike Kommern aus Alsdorf.

Die Athleten wurden nicht nur mit Applaus, sondern auch schon mal per Trommel angefeuert. Foto: Yannick Longerich

Von den strahlenden Siegern Daan de Groot und Laura Zimmermann (Powerman Classic Elite) über Rennleitung und Sponsoren bis hin zu den Ehrenamtlern hat sich ein beeindruckendes, familiäres Ereignis entwickelt. „Man merkt, dass hier alle an einem Strang ziehen. Den Sportlern wird hier eine Komfortzone gestellt, die nur funktioniert, weil alle Beteiligten Spaß an ihrer Arbeit haben“, fand John Raadschelders, Präsident der International Powerman Association, lobende Worte.

Fahrräder, so weit das Auge reicht: Je nach Wettbewerb legten die Athleten 20 oder 60 Kilometer mit ihnen zurück. Foto: Yannick Longerich

Der vielerorts bereits unter der Hand als „Generalprobe“ für die EM bezeichnete Powerman Alsdorf 2018 war nicht nur eine Bewerbung, sondern ein sportliches Fest auf allen Ebenen.

Hier geht es zur Infostrecke: Ist Alsdorf fit für eine Duathlon-Europameisterschaft?

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