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Dortmund/Düsseldorf: Zweifel an der These vom IS-Terror

Dortmund/Düsseldorf : Zweifel an der These vom IS-Terror

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verfolgen die Sicherheitsbehörden offenkundig auch Spuren in die rechtsextremistische Szene. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich bei den in islamistischem Ton verfassten Bekennerschreiben um eine Täuschung handele, um „Hass gegen Muslime“ zu schüren, erklärte der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, vor dem Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags. In den drei wortgleichen am Tatort aufgefundenen Schreiben eines angeblichen Kommandos „im Namen Allahs“ fehlten typische arabische Floskeln und Idiome.

Zwar spreche die brutale Tat mit drei Sprengkörpern für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), aber Wortlaut und Duktus der Bekennerschreiben wiesen womöglich in eine andere Richtung, sagte Freier. In der Vergangenheit habe der IS bei Anschlägen am Tatort noch nie Bekenntnisse hinterlassen. Auch die konkreten Forderungen am Ende des Schreibens, in dem unter Androhung weiterer Anschläge der Abzug der Tornados aus Syrien und die Schließung der militärischen US-Flugbasis in Ramstein gefordert würden, sprächen gegen eine Tatbeteiligung von Islamisten. „Der IS verhandelt nicht, sondern setzt seinen Willen durch“, sagte Freier.

Einige Textbausteine in dem Bekennerschreiben („Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deine kleinen dreckigen Untertanen“) deuten nach Einschätzung des NRW-Verfassungsschutzes eher auf eine rechtsextremistische Handschrift hin. Zwar hätten Neonazis bei ihren Anschlägen bisher immer nur sogenannte „Polenböller“ eingesetzt, betonte Freier.

Aber die professionelle Bauart der mit Nägeln aufgefüllten Sprengsätze in Dortmund sei durchaus auch Rechtsextremisten zuzutrauen. Das Bekennerschreiben könne der rechts-, links-extremen und islamistischen Szene entstammen. Daher hätten die Sicherheitsbehörden bis zur Aufklärung des Anschlags auf den BVB-Mannschaftsbus alle drei Szenen im Visier. Auch die gewalttätige Hooligan-Szene sei im Blickfeld der Ermittler.

Nach Darstellung des Düsseldorfer Innenministeriums werden nach dem Dortmunder Anschlag landesweit die Alibis aller extremistischen Personen überprüft, denen politisch motivierte Gewalttaten zugetraut würden. Dabei werde untersucht, wo sich diese potenziellen Gewalttäter zum Zeitpunkt des Anschlags aufgehalten hätten. „Wir suchen nach mordbereiten Tätern“, sagte NRW-Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte, die professionell gebauten Bomben seien von einer „enormen Sprengkraft“ gewesen. Bei dem Anschlag auf der Fahrt vom Hotel zum Stadion zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco war am Dienstagabend der Dortmunder Spieler Marc Bartra verletzt worden.

Haft ohne Bezug zum Anschlag

Jäger sagte, solange die Täter nicht gefasst seien, bestehe für Veranstaltungen und Massenereignisse ein „Gefahrenüberhang“. Es müsse jetzt in jedem Einzelfall überprüft werden, ob die Sicherheitsmaßnahmen ausreichten.

Die beiden Männer aus Wuppertal und Fröndenberg, die zunächst unter Tatverdacht geraten waren, haben mit dem Anschlag offenbar nichts zu tun. Zwar wurde gegen den in Wuppertal verhafteten 25-jährigen Iraker zwischenzeitlich Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in der Terror-Miliz IS und anderer Straftaten erlassen. Diese Delikte stehen aber wohl in keinerlei Bezug zum BVB-Anschlag.