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US-Präsident warnt vor der Wahl seines Konkurrenten Joe Biden

Parteitag der US-Republikaner : Trumps Botschaft: Wir gegen die

Der US-Präsident erklärt in seiner Rede zum Abschluss des Parteitags der Republikaner die Wahlen zu einer Schicksalsentscheidung. Die Unterschiede seien nie klarer gewesen, sagt er.

Am Ende des Parteitags zündete der Präsident ein Feuerwerk, das Fox-Moderator Chris Wallace aufregender fand als die mäandernde Kandidatenrede auf dem Südrasen vor dem Weißen Haus. Ein hartes, aber ehrliches Urteil des konservativen Moderators, das viele Analysten über das Finale der viertägigen Trump-Festspiele der Republikaner teilten.

Die von Tochter Ivanka angekündigte Kandidatenrede des Präsidenten vor einem Meer aus Sternenbannern und eingerahmt von zwei an George Orwell erinnernden Monitoren mit dem Schriftzug „Trump/Pence“ geriet zu einer Mischung aus einer Rede zur Lage der Nation und eines Wahlkampfauftritts. Überraschend „Low-E“ („geringe Energie“), wie Beobachter festhalten.

Das mag an der prächtigen Kulisse des Weißen Hauses gelegen haben, die sich eigentlich für Wahlkampfauftritte verbietet. So sagt es der „Hatch“-Act, ein Gesetz, das Politiker daran hindern soll, Regierungseigentum für persönliche Zwecke zu nutzen. Trump setzte sich darüber hinweg. Wer die Botschaft nicht verstanden hatte, dem rieb er sie in seiner Rede noch einmal unter die Nase.

„Wie ist der Name dieses Gebäudes“, fragt er seine 1500 handverlesenen Gäste, die ohne Maske, genügend Abstand oder Corona-Tests inmitten einer Pandemie angereist sind, um ihren Führer zu feiern. „Lassen sie es mich anders sagen: Fakt ist, dass wir hier sind, und die nicht.“ Was Trump dann noch sagt, lässt aufhorchen. „In diesem November müssen wir für immer diese gescheiterte politische Klasse hinter uns lassen“, erklärte der Mann, der Washington mit seinen Akteuren und Normen den Kampf angesagt hatte, in einer Art und Weise, die dazu führte, dass auf dem eigenen Parteitag kaum ein etablierter Republikaner auftrat.

„Wer nicht gekommen ist, sagt eine Menge darüber aus, wozu sich die Partei entwickelt hat“, sagt der konservative Denker Norm Ornstein vom American Enterprise Institut. Der ehemalige Präsident George W. Bush will sich nicht einmal festlegen, ob er Trump wählt. 200 seiner ehemaliger Mitarbeiter unterstützten am Tag der Kandidatenrede öffentlich Joe Biden, wegen eines „Mangels an Ehrlichkeit“ im Weißen Haus.

Trump bestätigte sie in seiner Kandidatenrede zum Finale des Parteitags. Siebzig Minuten lang präsentierte er ein Sammelsurium an Selbstlob, Schönfärberei, Angriffen, Polemik, Hetze und falschen Behauptungen.

Krisen sind nur Randthemen

Die großen Jahrhundertkrisen streifte der Präsident nur am Rande. Wie andere Redner vor ihm sprach er über die Pandemie in der Vergangenheit und tat damit die fast sechs Millionen Infizierten und 180.000 Toten als kleines Problem ab. Dabei ist nichts mehr unter Kontrolle, wie die 4000 Covid-19-Toten allein während des Parteitags belegen – mehr Opfer als durch den 11. September 2001.

Der Mann, der selber keine Maske trägt und gefährliche Wundermittel propagiert, hielt Joe Biden vor „sich nicht an der Wissenschaft zu orientieren“. Und Trump behauptete, einen tollen Job gemacht zu haben.

Im Präsens sprach der Präsident über die großartigste Wirtschaft aller Zeiten, die er aufgebaut habe, obwohl sich am Morgen seiner Rede zum 21. Mal in Folge innerhalb einer einzigen Woche mehr als eine Million Menschen arbeitslos gemeldet hatten.

Trump benennt Joe Biden als Problem. Dieser wolle die Polizei abschaffen „und ihr den Geldhahn zudrehen“, was eine von vielen Falschaussagen war. Der Präsident versuchte, die Wahlen im November zu einer Entscheidung zwischen zwei Amerikas zu stilisieren. Hier das gottesfürchtige Amerika unter der Führung des einfühlsamem Präsidenten Trump, der für Sicherheit und harmonische Beziehungen aller Amerikaner sorgt. In dem Corona unter Kontrolle ist und die Wirtschaft boomt.

Auf der anderen Seite das Amerika Bidens, der Amerika hasst und linken Radikalen, Plünderern, Chaoten und Krawallmachern die Straßen überlässt. In dem die Demokraten Andersdenkende unterdrücken, Gott verbieten und den Amerikanern ihre Waffen wegnehmen. „Wir gegen die“, ist die Botschaft. Ob die Propaganda-Show Trumps mit alternativen Fakten funktioniert, darüber wagt kaum ein Analyst eine Aussage zu treffen. „Selbst wenn nichts davon wahr ist, kann es einen Effekt haben, wenn es nur laut genug und mit viel Emotionen wiederholt wird,“ sagt Emma Briant, die am „Bard College“ zum Thema Propaganda forscht.