Präsidentschaftswahlen 2020: Gedränge bei den US-Demokraten

Präsidentschaftswahlen 2020 : Gedränge bei den US-Demokraten

Zugegeben, es fällt jetzt schon schwer, den Überblick zu behalten, wer sich bei den Demokraten um die Nominierung für die Präsidentschaftskandiatur der Partei bewirbt. Beinahe täglich gibt eine weitere Person ihre Ambitionen zu erkennen, die Demokraten in die Schlacht gegen Trump zu führen.

Die linke Senatorin Elizabeth Warren verkündete Anfang des Jahres die Gründung eines „Erkundungs-Komitees“ und brach gleich darauf in den ersten Bundesstaat mit Vorwahlen, Iowa, auf.

Ihre Kollegin Kamala Harris aus Kalifornien, in der Mitte der Partei angesiedelt, tourt mit einem Buch über sich selbst durch die Lande. Während andere, wie der Shooting-Star Beto O‘Rourke aus Texas, Schlagzeilen damit machen, mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 Rat bei Barack Obama einzuholen.

Der demokratische Sozialist und Hillary-Herausforderer Bernie Sanders füttert die Medien mit Geschichten, wie er Personal für ein Wahlkampfteam anheuert. Während viele andere, wie die Senatoren Amy Klobuschar aus Minnesota, Sherrod Brown aus Ohio, Cory Booker aus New Jersey, der frühere Bürgermeister von New Orleans, Mitch Landrieu, der ehemalige Gouverneur von Colorado, John Hickenlooper und die Kongress-Abgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii, laut darüber nachdenken, ihren Hut in den Ring zu werfen.

Ein paar ganz mutige Außenseiter haben ihre Kandidatur bereits erklärt. Als erster hob der ehemalige Kongressabgeordnete und Unternehmer John Delaney aus Maryland im Dezember seinen Finger. Diese Woche folgte Obamas ehemaliger Wohnungsbauminister Julian Castro, der bisher einzige Latino.

Und dann gibt es noch einen, der wie ein guter, aber zugleich auch bedrohlicher Geist über dem gesamten Bewerberfeld schwebt. Joe Biden, der acht Jahre lang als Vize an der Seite Präsident Obamas stand und zugunsten Clintons 2016 auf eine Kandidatur verzichtete. Der 76-Jährige wird von seinen Parteifreunden liebevoll „Onkel Joe“ genannt.

Getragen von der „blauen Welle“

Bei dem beispiellosen Tempo scheint es gut vorstellbar, dass bei Erscheinen dieses Beitrags noch weitere Präsidentschafts-Aspiranten hinzugekommen sind. Während es närrisch wäre, zu einem so frühen Zeitpunkt irgendeine Aussage darüber zu treffen, wer der oder die Kandidat oder Kandidatin mit den besten Aussichten ist, sagt das Gedränge viel über die neue Energie bei den Demokraten aus.

Gestärkt durch die „blaue Welle“ bei den Kongresswahlen im November verbreitet die Bewerberflut eine Aufbruchstimmung in der Partei, die den Fehler von 2016 nicht noch einmal wiederholen möchte.

Damals hatten sich die Demokraten in einem Jahr der populistischen Revolte mit Clinton so frühzeitig an die ultimative Kandidatin des Status quo gekettet, das die beste Alternative dazu der Sozialist Sanders war, der nicht einmal der Partei angehörte.

Das ist diesmal grundlegend anders. Die Breite des Bewerberfelds gibt den Wählern die Chance, sich auf einem inspirierenden Marktplatz der Ideen und Charaktere umzuschauen. Da die Partei die Rolle der Superdelegierten im Nominierungsprozess dramatisch reduziert hat, verspricht der rigorose Wettbewerb zwischen starken Kandidaten, einen wirklich attraktiven He­rausforderer hervorzubringen.

Der einzige Fehler, den die Demokraten zum jetzigen Zeitpunkt begehen können, besteht darin, falsche Alternativen im innerparteilichen Auswahlprozess zu formulieren. Einige Puristen versuchen das, indem sie zum Beispiel die Forderung nach einer staatlichen Krankenversicherung zum Lackmustest erheben.

Nüchtern betrachtet liegen Linke wie Warren und Sanders inhaltlich nicht weit von Harris und O‘Rourke entfernt. Was die Lager eher unterscheidet, ist der Weg zu einer progressiveren Politik in den USA, die nach sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Verantwortung und internationaler Teilhabe strebt.

Ein Referendum über Trump

Ein solcher Lackmustest hätte ohnehin wenig Sinn, da die Präsidentschaftswahlen 2020 in erster Linie ein Referendum über Trump sein werden. Wer ernsthaft glaubt, es ginge allein um Inhalte, riskiert weitere vier Jahre Desaster im Weißen Haus.

Gesucht wird bei den Demokraten eine Person, die dem weißen Nationalisten glaubhaft die Stirn bieten kann und gleichzeitig eine fortschrittliche Vision für Amerika hat.

Die gute Nachricht lautet, die Demokraten können aus den Vollen schöpfen.

Der Vorwahlkampf verspricht so aufregend und nicht vorhersehbar zu werden wie der im Jahr 2008, als zu diesem Zeitpunkt noch niemand Obama auf dem Radar hatte.