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Coronavirus: USA rüsten sich für schwierige Tage

Corona-Krise in den USA : „Drei Wochen, wie wir sie noch nie erlebt haben“

Die Vereinten Nationen drängen auf massive Hilfe und globale Abstimmung im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Der US-Präsident hat Mühe, eine Strategie in seinem eigenen Land zu koordinieren. Trump bereitet die Amerikaner auf eine „schwierige Zeit“ vor.

Während Staaten ihre Schlagbäume fallen lassen, Regionen und Städte sich abschließen und sozialer Abstand zur Norm wird, erinnert UN-Generalsekretär António Guterres an eine andere Notwendigkeit im Kampf gegen die Pandemie. „Was die Welt nun braucht ist Solidarität“, erklärte der Führer der Weltorganisation in New York. „Mit Solidarität können wir das Virus schlagen.“

Guterres erinnert die politischen Führer daran, dass nationaler Egoismus bei der Eindämmung des Virus wie ein Bumerang zurückkommt: „Wir sind nun so stark wie das schwächste Gesundheitssystem in einer verwobenen Welt ist.” Wenn die wohlhabenderen Länder tatenlos zuschauten, wie sich die Pandemie in der südlichen Hemisphäre ausbreite, „droht die Krankheit dort wieder aufzutauchen, wo sie vorher unter Kontrolle war.“

Der UN-Chef fordert deshalb mindestens zehn Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts für Gesundheitsdienste und den Schutz der armen Bevölkerungsgruppen auszugeben. Guterres bezieht sich auf einen UN-Bericht, der zu einer „koordinierten, internationalen Reaktion“ aufruft. Die Corona-Krise sei der „größten Test, dem wir seit Gründung der Vereinten Nationen gemeinsam ausgesetzt sind“.

In der Vergangenheit hätten die USA an der Spitze dieser globalen Koordination gestanden. Doch der „Amerika-Zuerst“-Präsident hat nach Wochen der Untätigkeit und Verharmlosung der Pandemie Mühe, innerhalb des Landes eine kohärente Antwort zu finden.

Bisher hat Donald Trump weder eine nationale Ausgangssperre verhängt, noch kann die US-Regierung genügend Tests und Schutzmaterial in den Epizentren bereitstellen. In 20 von 50 US-Bundesstaaten gibt es bisher keine umfassenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens; darunter die Bevölkerungszentren Florida und Texas.

Trump bereitet auf harte Zeiten vor

Auf der mit zwei Stunden und elf Minuten längsten Pressekonferenz seiner Amtszeit bereitete der US-Präsident seine Landsleute zusammen mit seinen COVID-19-Koordinatoren Anthony Fauci und Deborah Brix auf schaurige Nachrichten vor. „Das könnten höllisch schlechte zwei, vielleicht drei Wochen werden“, sagte Trump zu dem erwarteten Anstieg der Opferzahlen. „Drei Wochen, wie wir sie noch nie erlebt haben.“

Das optimistischste Modell der Regierung erwartet nun zwischen 100.000 und 240.000 Corona-Toten, wenn sich alle Amerikaner an die bis Ende April verlängerten Richtlinien zur sozialen Distanzierung hielten. Trump appellierte an seine Landsleute, zu Hause zu bleiben und sozialen Abstand zu halten. „Das ist eine Sache von Leben und Tod.“

In den kommenden Wochen könnten damit mehr Amerikaner Opfer der Pandemie werden, als während der Korea- und Vietnamkriege ums Leben kamen. Kritiker halten dem Präsidenten vor, viel zu spät auf die drohende Gefahr reagiert zu haben. Noch vergangenen Freitag hatte Trump die Corona-Krise mit einer schlimmen Grippe-Saison verglichen.

Zu der Forderung nach einer Maskenpflicht meinte der Präsident, darüber werde in der Gesundheitsbehörde CDC diskutiert. „Wenn Leute das tun wollen, richtet das sicher keinen Schaden an.“ Sicherlich könnten sich auch ein Halstuch als nützlich erweisen.

Bei seiner Pressekonferenz machte er das „Impeachment“ dafür verantwortlich, abgelenkt gewesen zu sein. Trump behauptete, er habe von Anfang an gesehen, wie gefährlich die Pandemie sei. „Ich denke, ich habe das sehr gut gemacht.“ Tatsächlich dauerte es bis Mitte März ehe der Präsident den „nationalen Notstand“ ausrief.

Mit Blick auf die dramatische Lage in New York, dem Epizentrum der Pandemie in den USA, hielt er Gouverneur Andrew Cuomo vor, „aus welchen Gründen auch immer, ein wenig spät dran gewesen zu sein“. Dieser beklagte sich bei seinem Briefing über die fehlende Unterstützung mit Schutzmaterial und Beatmungsgeräten. „Es ist so als müssten wir auf Ebay mit 50 anderen Staaten darum konkurrieren”, hielt Cuomo der Bundesregierung vor, die über eine Reserve von 10.000 Beatmungsgeräte verfügt, die sie nur zögerlich herausgibt.

Von der Front im Kampf gegen das Virus kommen immer verzweifeltere Berichte. Die Vorsitzende der New Yorker Krankenschwestern-Gewerkschaft, Judy Sheridan-Gonzalez, beschreibt die Situation im „Montefiore Medical Center“ in der Bronx als „post-apokalyptisch“. So etwas kenne sie „nur aus Filmen, die ich frühere einmal gesehen habe.”