Kür der Präsidentschaftskandidaten: „Beto-Mania“ bei den Demokraten

Kür der Präsidentschaftskandidaten : „Beto-Mania“ bei den Demokraten

Beto O’Rourke tritt ins Rennen um die Präsidentschafts-Nominierung der Demokraten ein und wird gefeiert wie ein Rockstar. Sein politisches Talent lässt Freunde wie Gegner fürchten.

Der Kandidat muss auf einen Tisch klettern, um sich im Coffeeshop von Keokuk im ersten Vorwahlstaat Iowa Gehör zu verschaffen. „Treten Sie wirklich an?“, fragt ein interessierter Zuhörer, der Robert „Beto“ O’Rourke von den Senatswahlen in Texas im vergangenen Jahr kennt. Damals verlor der charismatische Kongressabgeordnete aus der Grenzstadt El Paso, der seit seiner Kindheit „Beto“ gerufen wird, sensationell knapp mit nur drei Prozentpunkten gegen Ted Cruz. Und das in einem Bundesstaat, in dem Republikaner in der Regel zweistellig gewinnen.

Der „Überkandidat“ für alle?

„Ich trete an, um Ihnen als Präsident der Vereinigten Staaten zu dienen“, bestätigt der gertenschlanke 46-Jährige, der auf dem Tisch steht und dessen Haarpracht an den jungen John F. Kennedy erinnert. Andere haben ihn mit Barack Obama verglichen, mit dessen blumiger Rhetorik „Beto“ konkurrieren kann. Wieder andere denken an Ronald Reagan, dessen Unbekümmertheit und Optimismus O’Rourke ebenso ausstrahlt.

Dass er ein politisches Naturtalent ist, stellte er nicht nur im Wahlkampf in Texas unter Beweis. Obwohl er in den Umfragen noch im einstelligen Bereich auftaucht, wird er seit dem Tag seines Eintritts in das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidat-Nominierung wie ein Superstar behandelt.

Nicht nur im Coffeshop von Keokuk drängen sich Neugierige und Reporter um O’Rourke. Wo immer er in Iowa auftaucht, ist der Hype um den Kandidaten Nummer 14 im Bewerberfeld der Demokraten zu spüren.

Vor seinen Terminen in Iowa machte Beto seine Runde durch die Fernsehstudios und veröffentlichte ein Video in den Sozialen Medien. In dem dichten Gedränge des Bewerberfelds verkauft sich „Beto“ darin als eine Art „Über-Kandidat“, der von jedem seiner Konkurrenten etwas bietet.

„Wir können anfangen, unsere Demokratie zu reparieren und sicherstellen, dass die Regierung für alle und nicht nur für die Unternehmen funktioniert“, adaptierte er die Programmatik von Elizabeth Warren und Bernie Sandersm ohne sich inhaltlich auf deren Positionen festzulegen. Er werde durch das Land reisen und denen zuhören, denen er dienen wolle, verkündete der dreimal gewählte Kongressabgeordnete aus El Paso mit seiner Frau Amy an der Seite.

O’Rourke kündigte an, am 30. März werde er in seine Heimatstadt zurückkehren, „um die größte Graswurzelkampangne in der Geschichte unseres Landes zu starten“. In El Paso soll auch das Hauptquartier seines Wahlkampfs liegen. Da der Kandidat bisher wenig Organisation aufgebaut hat, warnen Analysten davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen.

Ohne einen einzigen Dollar an Spenden aus der Industrie oder politischen Aktionskomitees gelang es dem früheren IT-Unternehmer, in Texas über Kleinspenden die Rekordsumme von 38 Millionen Dollar einzunehmen. Ungefragt erhielt der Hobby-Gitarrist unter anderem Unterstützung von Willie Nelson, Beyoncé und LeBron James.

Kein Wunder, dass seine Wettbewerber im demokratischen Kandidatenfeld, aber auch Präsident Donald Trump, schnell versuchen, Schwachstellen hervorzuheben. Die parteiinterne Kritik reicht von den fehlenden Leistungen während seiner Zeit im Kongress über seiner angebliche Schwammigkeit bei Herzensanliegen des progressiven Flügels der Partei bis hin zu mangelnder Unterstützung für andere Demokraten in Texas.

O’Rourke positioniert sich als Kandidat der Mitte, die weitgehend unbesetzt blieb. Außer ihm zielt bisher nur der andere Star im Rennen, Kamala Harris, auf das Zentrum, während Bernie Sanders und Elizabeth Warren darum ringen, die Bannerträger der Parteilinken zu werden. Schwieriger wird es für „Beto“, wenn Joe Biden ins Rennen eintreten sollte.

Donald Trump wittert die Gefahr des charismatischen „Beto“, der ihn jüngst bei einem Besuch in El Paso mit einer Kundgebung herausgefordert hatte. Der Präsident versuchte ihn auf Twitter und vor Reportern im Weißen Haus als „Linksaußen“ abzustempeln, „der offene Grenzen“ will. Seine „verrückte“ Handgestik werfe die Frage auf, ob mit ihm alles in Ordnung sei? O’Rourke ließ das routiniert an sich abperlen.

„Ich habe dazu nichts zu sagen“, reagierte Beto auf Reporterfragen. „Die Menschen möchten, dass wir über diese Petitessen hinauswachsen.“

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