Viel aus eigener Tasche : Warum Pflege zur Armutsfalle werden kann

Viel aus eigener Tasche : Warum Pflege zur Armutsfalle werden kann

Für einen Heimplatz müssen Pflegebedürftige immer mehr aus eigener Tasche hinzubezahlen. Viele fürchten deshalb ein erhebliches Armutsrisiko. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit legte am Mittwoch ein neues Finanzierungsmodell vor. Dadurch könnten Betroffene deutlich entlastet werden.

Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Etwa jeder Vierte von ihnen wird in einem Pflegeheim betreut. Wegen der steigenden Zahl der zu Pflegenden, aber auch wegen deutlicher Leistungsverbesserungen haben sich die Ausgaben der Pflegeversicherung allein in den letzten vier Jahren von 29 auf 41 Milliarden Euro erhöht. Tendenz weiter steigend.

Diesen Kostenschub bekommen auch die Pflegebedürftigen selbst zu spüren, denn die Pflegeversicherung ist nur eine Art Teilkasko. Im ersten Quartal 2019 betrug ihr Eigenanteil für die Pflegeleistungen laut DAK durchschnittlich 662 Euro im Monat. Hinzu kommen noch die Kosten für die Heimunterbringung und Investitionen. Die regionalen Unterschiede sind allerdings gravierend. In Nordrhein-Westfalen muss ein Pflegebedürftiger einen Eigen­anteil in Höhe von 731 Euro leisten. In Baden-Württemberg liegt der Eigenanteil sogar bei 925 Euro im Monat. In Thüringen dagegen sind es nur 274 Euro.

Bedingt durch den Kostenschub sind bereits heute fast 37 Prozent der Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen. Nach einer DAK-Umfrage rechnen aktuell 80 Prozent der Befragten mit einem Verlust sämtlicher Ersparnisse, falls sie in einem Heim gepflegt werden müssen. „Aktuell verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen vor einem Armutsrisiko zu bewahren“, kritisierte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Daher brauche es für die Zukunft eine völlig neue Finanzierung der Pflege, so Storm.

Gegenwärtig wird die Pflegeversicherung ausschließlich über Beiträge finanziert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte in der Vergangenheit Sympathien für Steuerzuschüsse zur Finanzierung der steigenden Pflegekosten erkennen lassen. Nach Angaben des CDU-Politikers reicht die Beitragsanhebung zu Jahresbeginn nur bis 2022 aus.