Aachen: Volt will es spannend machen in Europa

Aachen : Volt will es spannend machen in Europa

Volt. Die internationale Einheit für elektrische Spannung. Und auch der Name einer jungen Partei. Eigentlich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun, aber irgendwie passt es doch ganz gut zusammen. Die pan-europäische Partei Volt will nämlich nächstes Jahr im Mai bei den Europawahlen antreten — und könnte für Spannung sorgen.

Noch steht Volt aber ganz am Anfang. Vor einem Jahr hatten ein Deutscher, eine Französin und ein Italiener die Idee, kurz danach gründeten sie die erste pan-europäische — also Europa übergreifende — Partei.

Seitdem wird die Partei, die sich für ein gemeinsames Europa einsetzt, stetig größer. Insgesamt haben sich ihr bereits 1500 Menschen angeschlossen, 5000 engagieren sich — überwiegend junge Leute aus ganz Europa. In München, Hamburg, Berlin, Brüssel, Lissabon, Kopenhagen und Bukarest hat sich die Partei schon einen Namen gemacht. Auch in Aachen will ein bislang sechsköpfiges Team Volt bekannt machen.

Von Brexit und Trump erschüttert

„Trump, der Brexit, der Aufschwung der Nationalisten — das alles hat mich erschüttert“, sagt Theo Söhler. „Ich habe etwas gesucht, wo ich mich beteiligen kann, konnte mich aber mit keiner bestehenden Partei identifizieren.“ Bis der 24-Jährige dann Volt bei einem Besuch in Hamburg entdeckt hatte. „Eine Partei, ohne politischen Stempel, ohne eine Ausrichtung, ohne Ideologie“, beschreibt Söhler Volt. Und so kam eins zum anderen: Der Student eröffnete ein Volt-Team in Aachen, schuf eine Kooperation mit anderen NRW-Städten wie Münster oder Düsseldorf.

Mit regelmäßigen Veranstaltungen wollen Söhler und sein Team ihre Partei auch anderen Menschen eröffnen. Nicht nur Studenten, sondern allen, die interessiert sind. „Wir wollen Kontakte herstellen, uns vorstellen und diskutieren“, sagt Team-Mitglied Thomas Tucker (26) kurz vor dem zweiten größeren Meet-Up im Welthaus in Aachen. Für das Treffen haben die Volter einen Raum angemietet, Leute auf der Straße angesprochen und eingeladen und eine Präsentation vorbereitet. Alles ist organisiert, jeder hat eine Aufgabe. An Struktur mangelt es in der Partei grundsätzlich nicht. Auf drei Ebenen will die Partei ihr Programm formen: europäisch, national, kommunal. Von Vorschlägen auf kleinster Ebene zum gesamteuropäischen Konzept.

„Alle Vorschläge werden von jeglichen Seiten durchdacht, über jede Idee wird diskutiert“, erklärt Söhler. „Statt EU-Abgeordnete, die für die Interessen ihrer Länder eintreten, soll Volt für ganz Europa etwas erreichen.“ Dabei orientieren sich die Mitglieder aber stets an sechs Werten: Gleichberechtigung, Freiheit, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Solidarität. Und auch die Ziele sind definiert.

Noch unklar ist der Weg dorthin, der soll nun geebnet werden. Per Video-Konferenz treffen sich sozusagen die Volt-Gruppen aller Städte in Deutschland einmal pro Woche im Netz. An diesem Abend soll es um das Thema Gleichberechtigung von Queer-Menschen gehen. Damit sind Menschen gemeint, deren Sexualität von der Norm abweicht, wie Homosexuelle oder Transgender. Zunächst diskutieren die Städte in einzelnen Gruppen und geben dann ihre zwei besten Vorschläge in die Städte-Runde. Dort wird weiter debattiert; in einem Gremium auf Deutschland-Ebene wird dann wiederum ein nationaler Vorschlag erfasst, der dann auf europäische Ebene geht. „Auf diese Weise könnten viel schneller Lösungen entstehen, als es bisher im Parlament der Fall ist“, sagt Theo Söhler.

Bevor Volt aber seine Ideen ins Parlament bringen kann, braucht die Partei Unterstützer. Die fehlen der Partei zumindest in Aachen noch. Nur wenige Besucher kamen zu dem Treffen im Welthaus. „Das ist nicht schlimm“, sagt Söhler, der Volt als ein Start-up sieht. „Wir sind noch am Anfang und gerade noch in einem Stadium, in dem wir Hilfe brauchen.“

Mindestens 4000 Unterschriften sind gefordert, um an der Wahl teilnehmen zu dürfen. 200.000 Menschen müssen die Partei wählen für einen Sitz im Parlament. „Dafür werde ich alles tun“, sagt Tucker. „Ich will versuchen, Volt über alle Kanäle bekannt zu machen.“ Mehrere Stunden Zeit investieren Tucker und Söhler pro Woche in Volt, ihr Herzensprojekt. Und wenn sie daran denken, was gerade in der Welt passiert, wird ihnen ihre Mission noch klarer: „Wir wollen Europa retten“, sagt Tucker.

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