Beamte fehlen in anderen Abteilungen: Verstärkte Polizeitätigkeit nach Lügde zeigt Wirkung

Beamte fehlen in anderen Abteilungen : Verstärkte Polizeitätigkeit nach Lügde zeigt Wirkung

Die Zahl nicht vollstreckter Durchsuchungsbeschlüsse in Kindesmissbrauchsfällen konnte zwar um 129 auf 428 verringert werden. Dafür gibt es aber weniger Personal für andere Delikte. Die Beamten wurden polizeiintern aus anderen Abteilungen abgezogen.

Seit jeher wird rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof mit Drogen gehandelt. Zuletzt schien sich die Situation dort etwas verbessert zu haben, weil die Polizei massiv gegen Rauschgifthändler vorgegangen war. Doch jetzt wird der im Bahnhofsmilieu tätige achtköpfige Einsatztrupp der Drogenfahndung aufgelöst. Und das etwa nicht, weil das Drogenproblem gelöst wurde, sondern weil die Kräfte dringend woanders benötigt werden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte im Juni die Kreispolizeibehörden des Landes aufgefordert, die Stellen im Kampf gegen Kindesmissbrauch so schnell wie möglich zu verdoppeln. Das Personal dafür sollte intern gefunden werden, abgezogen aus anderen Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung.

Nun, drei Monate später, ist das Ziel erreicht worden, wie eine Umfrage unserer Redaktion unter allen Kreispolizeibehörden ergeben und die das Landeskriminalamt (LKA) zusammengefasst hat. Demnach konnte die Zahl der Ermittler in dem Bereich von rund 105 auf 220 mehr als verdoppelt werden. Es könnten sogar noch mehr werden, weil die Umstrukturierungen noch nicht in jeder Behörde abgeschlossen sind. Darüber hinaus wurden beim LKA 24 zusätzliche Stellen für Regierungsbeschäftigte zur Verstärkung der entsprechenden Abteilung eingestellt. Und die Maßnahme zeigt bereits Erfolge im Kampf gegen pädophile Täter: So konnte die Zahl nicht vollstreckter Durchsuchungsbeschlüsse von 557 auf 428 verringert werden.

Stellen polizeiintern verlagert

Das Personal wurde vor allem aus der Direktion Kriminalität abgezogen. Insbesondere erfolgte die Verlagerung der Stellen aus den Bereichen des Wohnungseinbruchsdiebstahls und der Straßenkriminalität (aufgrund der jeweils sinkenden Fallzahlen). Innerhalb der Polizei gibt es durchaus auch kritische Stimmen zu dieser Umverteilung. „Die Kräfte fehlen jetzt an anderer Stelle. Damit muss man offen und ehrlich umgehen“, sagte Erich Rettinghaus, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. „Aber grundsätzlich ist es gut, dass wir in der polizeilichen Arbeit Schwerpunkte setzen“, so Rettinghaus.

Zur Bekämpfung der Kinderpornografie sind laut LKA spezielle Kenntnisse erforderlich. „Aus diesem Grunde wurde Wert darauf gelegt, dass möglichst erfahrene Sachbearbeiter in diesem Deliktsbereich eingesetzt werden“, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen. Darüber hinaus bietet das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der NRW-Polizei spezielle Schulungen in diesem Bereich an.

Seit Jahren steigt in NRW die Zahl der Ermittlungsverfahren im Bereich Kindesmissbrauch. Nach Angaben des Innenministeriums gab es 2016 insgesamt 1025 solcher Verfahren; im Jahr 2017 waren es 1250 und im vergangenen Jahr 1412.

(csh)