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Aachen: USA-Korrespondent Spang: „Sieben Monate, die sich wie Jahre anfühlen“

Aachen : USA-Korrespondent Spang: „Sieben Monate, die sich wie Jahre anfühlen“

Thomas Spang ist ein Routinier unter den deutschen Washington-Korrespondenten. Für die „Nachrichten“ hat der 51-jährige Journalist bereits über die Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama berichtet.

Doch der aktuelle Amtsinhaber Donald Trump stellt derzeit alles und alle in den Schatten. Bei einem Besuch der Redaktion in Aachen sprach Spang mit Thomas Thelen über die jüngsten Gerüchte aus der US-Hauptstadt.

Es mehren sich die Stimmen, die sagen, dass Donald Trump womöglich noch in diesem Jahr die Lust am Regieren verlieren könnte. Wie beurteilen Sie diese Prognose?

Spang: Ich möchte daran erinnern, dass es viele Stimmen gab, die sagten, dass Donald Trump niemals Kandidat der Republikaner werden würde. Die dann sagten, dieser Kandidat könne niemals die Wahl gewinnen. Die dann sagten, der Präsident werde die ersten hundert Tage nicht überstehen. Ich wäre bei solchen Prognosen ausgesprochen vorsichtig.

Sie sind sehr nah dran am politischen Geschehen in Washington, das wir in Deutschland als extrem chaotisch empfinden. Wie sehen Sie das Treiben im Weißen Haus?

Spang: Wir erleben eine ausgesprochen anstrengende Präsidentschaft. Donald Trump ist sieben Monate im Amt, die sich anfühlen wie Jahre. Das hat auch damit zu tun, dass diese Präsidentschaft in kürzester Zeit sehr viele Kapriolen geschlagen hat, sehr viele Entlassungen und sehr wenig Erfolge produziert hat — und dafür um so mehr Drama.

Welchen Rückhalt hat Trump noch bei seinen Wählern?

Spang: Donald Trump genießt weiterhin das Vertrauen jener, die ihn gewählt haben. Umfragen nach den Krawallen von Charlottesville zeigen, dass immer noch 80 Prozent der Republikaner hinter ihm stehen. Das heißt: Seine Basis ist solide; und solange das der Fall ist, wird es im Kongress keine größeren Absetzbewegungen geben.

Wie sehen denn die US-Amerikaner selbst den außenpolitischen Amoklauf ihres Präsidenten?

Spang: Die Amerikaner sind traditionell nicht sehr an Außenpolitik interessiert. Aber der Fall Nordkorea hat schon ein Maß an Alarmismus ausgelöst, das ungewöhnlich ist. Es gibt auch innerhalb der Republikanischen Partei unter den Traditionalisten große Sorgen, dass die Außenpolitik von Donald Trump hochgefährlich ist.

Am Dienstag hieß es nun, Präsident Trump wolle in Afghanistan die US-Militärpräsenz wieder deutlich ausweiten. Wird hier das nächste Pulverfass befeuert?

Spang: Etwas Ähnliches haben vorher auch George W. Bush und Barack Obama beschlossen. Bei Trump ist neu, dass er im Wahlkampf zuvor angekündigt hatte, das US-Engagement zurückzufahren. Nun macht er also genau das Gegenteil. Trump ist aber insgesamt trotz seiner markigen Worte sehr vage geblieben. Man muss in dieser Frage abwarten.

(mar)