1. Politik

US-Wahlen: Wer tritt gegen Donald Trump an?

Randall Birnberg und „Democrats Abroad“ organisieren den „Super Tuesday“ : US-Demokraten mobilisieren Wähler in Aachen

Buttigieg, Warren oder Sanders? Egal! Hauptsache US-Präsident Trump wird von einem Demokraten abgelöst, sagen viele Amerikaner in der Region. Café Kittel wird zum Wahllokal.

Fahnen, Plakate, Stars and Stripes: Die USA sind im Wahlkampf-Fieber. Und das spiegelt sich auch in der Berichterstattung in Deutschland wider. Zum einen, weil das Rennen um die Präsidentschaft dort lauter, schriller, härter ausgefochten wird als hier. Zum anderen, weil die Konsequenzen der Wahl im November auch in Deutschland zu spüren sein werden. Und doch bleibt den meisten Menschen nichts anderes übrig, als die Berichterstattung zu verfolgen und das Beste zu hoffen.

Randall Birnberg hingegen gibt sich mit dieser passiven Rolle nicht zufrieden. Der 58-jährige Psychologe und Buchautor aus dem US-Bundesstaat New Mexico lebt seit 1999 in Aachen. Und er engagiert sich von hier aus im amerikanischen Wahlkampf, indem er versucht, möglichst viele ausgewanderte US-Bürger zu überzeugen, sich für die Wahlen zu registrieren. Und zwar nicht erst im November bei der Präsidentschaftswahl, sondern bereits jetzt, bei der Wahl des Spitzenkandidaten für die US-Demokraten.

Erste Kampagne 2004

US-Vorwahl im Aachener Café Kittel

Birnberg macht das nicht zum ersten Mal. Bereits 2004 hatte er eine Kampagne gestartet, um die Wiederwahl von George W. Bush zu verhindern. Dafür ist er mit seinem Fahrrad und einem großen Banner mit der Aufschrift „Americans Now Vote“ („Amerikaner wählt jetzt“) durch die Aachener Region gefahren, um möglichst viele der schätzungsweise 1000 ausgewanderte US-Bürger hier zu erreichen. Als Bush im Amt bestätigt wurde, beendete Birnberg enttäuscht sein politisches Engagement. Doch nun, 16 Jahre später, startet der in Chicago aufgewachsene Mann mit dem lockeren Auftreten und den Lachfalten im Gesicht einen neuen Anlauf. Sein Ziel: die Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern. Diesmal ohne Fahrrad und Banner, aber dafür mit der Unterstützung von Quaide Williams, einem Repräsentanten der Organisation „Democrats Abroad Germany“.

Ziel der beiden ist es, möglichst viele US-Bürger zu motivieren, für ihren Wunschkandidaten der Demokraten abzustimmen, der im November gegen Donald Trump antreten soll. Birnberg gründet Whatsapp-Gruppen und verschickt Hunderte personalisierter E-Mails, um Menschen zu mobilisieren und zu vernetzten.

Gemeinsam organisieren Birnberg und Williams Treffen für ausgewanderte US-Amerikaner in der Region, wie an diesem Abend im Café Kittel in Aachen. Bei Kölsch und Espresso genießen die Ausgewanderten an diesem Abend den Austausch miteinander. Man duzt sich, spricht offen über den ersten Kontakt zur Politik, die überschwängliche Freude, als Barack Obama gewählt wurde, und die betäubende Fassungslosigkeit, als Donald Trump ihn acht Jahre später ablöste.

Und man tauscht Erfahrungen aus über das Leben in den USA und in Deutschland. „Viele Deutsche vergleichen die Demokraten in den USA mit der SPD und die Republikaner mit der CDU. Dabei ähneln die Demokraten vielmehr der CDU, und die Republikaner sind mit der AfD zu vergleichen“, sagt Williams, der ursprünglich aus Texas stammt, damals Anhänger der Republikaner war, nun aber froh darüber ist, seine Kinder „mit Krankenversicherung und besseren Werten“ in Deutschland großgezogen zu haben.

Das Wahlsystem in den USA ist kompliziert. Jeder Bundesstaat hat seine eigenen Gesetze, Regeln und Traditionen. Für ausgewanderte US-Bürger gelten nochmals gesonderte Bestimmungen. Hinzu kommen die von den Parteien organisierten Wahlen für die jeweiligen Spitzenkandidaten, die am 3. November bei der Präsidentschaftswahl gegeneinander antreten werden.

Gemeinsam gegen US-Präsident Trump, oder kämpft jeder für sich? Die demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur fiebern auf den „Super Tuesday“ zu. Foto: dpa/Al Diaz

Die vergangenen vier Jahre waren schmerzlich für die hier lebenden US-Amerikaner. Den Keil, den der US-Präsident in die Gesellschaft getrieben habe, spalte ihre Familien bis heute, erzählen sie. Geschwister sprechen nicht mehr miteinander, Eltern und Kinder können sich am Tisch nicht mehr in die Augen schauen. „Mein Onkel und meine Tante haben sogar meine Nummer blockiert“, sagt Williams. Er versucht darüber zu lachen, doch die Ironie in seiner Stimme weicht der Frustration, noch bevor er den Satz beendet hat. Zu tief sind die politischen Gräben, zu weit auseinander liegen die Einschätzungen des Mannes, der ihr Land regiert. „Trump spaltet die Gesellschaft“, sagt Birnberg, „und jeder Konflikt beginnt mit Spaltung“. Das könne er nicht einfach über sich ergehen lassen. „Ich habe Angst um die Demokratie. Ich habe Angst, vor dem, was noch kommt“, sagt Williams.

Damals, im Jahr 2008, sei die Stimmung eine andere gewesen. „Alle waren wie elektrisiert. Diese Aufregung, diese Hoffnung“, erinnert sich Tylor, ein junger Mann aus Iowa. Nun sei die Energie negativ geladen. Es gehe da­rum, Trump loszuwerden. Und doch sehnen sich die Demokraten wieder nach einer besseren Zeit. „Ich möchte wieder inspiriert werden. Und zwar durch Hoffnung, nicht durch Angst“, sagt Williams.

Die Zukunft positiv verändern

Birnberg, der früher Englischlehrer war und sich heute beruflich mit der Psychologie des Glücks beschäftigt, versucht allerdings, dieser Angst vor dem Untergang der Demokratie und der Schwarzmalerei für die politische Zukunft der USA eine positive Haltung entgegenzusetzen. „Wir sollten uns darauf konzentrieren, wie wir die Zukunft positiv verändern können – und nicht darauf, wie schlecht Trump ist“, sagt er. Trump sei „Schnee von gestern“. Nun gehe es vielmehr darum, einen Sieg für die Demokraten herbeizuführen.

Acht Kandidaten sind bei den US-Demokraten noch im Rennen. Richtig spannend wird es am 3. März, dem sogenannten „Super Tuesday“. Dann stimmen Demokraten in 15 Bundesstaaten über ihren Spitzenkandidaten ab. Auch jene, die im Ausland leben, können ihre Stimme abgeben. Dass das auch im Café Kittel in Aachen möglich sein wird (siehe Infobox), hat Birnberg organisiert. Zusammen mit Williams und anderen Ehrenamtlern wird er dort die Stimmzettel aushändigen, sie später auszählen und die Ergebnisse an die Demokraten in den USA weiterleiten.

Aber wer wird das Rennen machen? Ein paar der Anwesenden, darunter auch Birnberg, sind Fans des linken Senators Bernie Sanders. Einige unterstützen den jüngsten Kandidaten Pete Buttigieg (38). Wieder andere die Senatorinnen Elizabeth Warren oder Amy Klobuchar. „Es wird endlich Zeit für eine Frau an der Spitze“, sagen sie. Ziemlich sicher sind sich alle bei einer Personalie: „Joe Biden is out for sure“ („Biden ist auf jeden Fall draußen“). Ob ihr persönlicher Favorit als Sieger hervorgehen wird, ist den meisten jedoch gar nicht so wichtig. „Es muss jemand sein, der genügend Wähler mobilisieren kann, um Trump die Stirn zu bieten. Der Rest ist egal“, sagt Colette Knight, eine junge Frau aus Kalifornien und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der RWTH. „Demokraten siegen, wenn sie viele unentschlossene Wähler und Nichtwähler mobilisieren können“, bestätigt Williams. Dafür sei es wichtig, auch im Ausland lebende US-Bürger zu mobilisieren. Für Williams kommt es dabei auf jeden einzelnen an. „Obama hatte Recht. Ein Mensch kann einen Raum voll Menschen überzeugen. Und wenn eine Stimme einen ganzen Raum überzeugen kann, dann kann sie auch eine ganze Stadt verändern. Und wenn sie das kann, kann sie auch ein ganzes Bundesland beeinflussen, eine ganze Nation – und von dort aus die ganze Welt.“