Düsseldorf: Tickt in Siersdorf eine Zeitbombe?

Düsseldorf: Tickt in Siersdorf eine Zeitbombe?

In elf stillgelegte Kohlezechen in Nordrhein-Westfalen sind während der 90er Jahre „bergbaufremde Abfälle“ entsorgt worden. Dies geht aus einem Vermerk des Düsseldorfer Wirtschaftsministeriums hervor, der unserer Zeitung jetzt bekannt geworden ist. Demnach wurden ab 1989 insgesamt 1,6 Millionen Tonnen Abfälle in stillgelegte Schächte von NRW-Zechen verbracht.

Bei den Abfällen handelt es sich dem Vermerk zufolge um Schlämme aus der chemischen Industrie, Gießereialtsande sowie um Abfallmengen aus der Sondermüll-, Hausmüll- und Klärschlammverbrennung.<p> Nach der Auflistung des NRW-Wirtschaftsministeriums wurden „bergbaufremde Abfälle“ auch in der Schachtanlage „Emil Mayrisch“ in Siersdorf verbracht. Bisher war lediglich bekannt, dass in den drei Ruhrgebietszechen „Hugo/Consolidation“, „Haus Aden/Monopol“ und „Walsum“ giftiger Sondermüll deponiert worden ist. Ob es sich bei der Abfallverbringung in die übrigen Schachtanlagen auch teilweise um Giftstoffe handelt, geht aus dem Papier nicht hervor. Darin heißt es lediglich, dass von den 1,6 Millionen Tonnen „bergbaufremden Abfällen“ insgesamt 578.000 Tonnen „nach dem Prinzip des vollständigen Einschlusses“ mindestens 800 Meter unter Tage eingelagert worden sind. Dabei handele es sich um die Zechen in Bergkamen, Gelsenkirchen und Walsum.

Bereits vor einigen Wochen hatte der Abfallexperte Harald Friedrich (Meschede) wegen der Ablagerung von hunderttausenden Tonnen Sondermülls in stillgelegten Steinkohlezechen Alarm geschlagen. Dieser Abfall gehöre auf Hochsicherheitsdeponien, um Boden- und Trinkwasserverunreinigen zu vermeiden. Bei den abgelagerten Abfällen aus Müllverbrennungs- und Industrieanlagen handele es sich „um das Giftigste vom Giftigen“, urteilt der Biochemiker Friedrich in einem Gutachten, das er im Auftrag eines bergbaugeschädigten Landwirts in Bergkamen erstellt hat. Der Bund für Umwelt und Naturschutz sieht in dem eingelagerten Sondermüll „tickende Zeitbomben“.