„Groko-Debatte nervt“: SPD freut sich aufs Speed-Dating

„Groko-Debatte nervt“ : SPD freut sich aufs Speed-Dating

Der größte Verlierer des Wahlsonntags, Sachsens SPD-Chef Martin Dulig, konnte am Montag schon wieder lachen. „Ich lasse mir meine Zuversicht nicht nehmen“, sagte er im Berliner Willy-Brandt-Haus. Trotz nur 7,7 Prozent. Vielleicht, weil es für Dulig als Minister weiter geht – in Sachsen ist nur eine schwarz-grün-rote „Kenia“-Koalition möglich. Und Ost-Beauftragter der SPD soll er auch bleiben.

Dietmar Woidke blickt sowieso auf eine weitere Regierungszeit. Er hat in Brandenburg zwei Optionen: Kenia oder Rot-Rot-Grün mit der Union. Zuerst soll mit der Union gesprochen werden, sagte der alte wie wahrscheinlich neue Ministerpräsident vor dem Treffen, das alle Spitzenkandidaten am Tag danach traditionellerweise mit der Parteiführung in Berlin haben. Dort wurde er mächtig für seine Aufholjagd gelobt. Generalsekretär Lars Klingbeil sagte, für ihn sei die eigentliche Erkenntnis gewesen, dass man in Wahlkämpfen nie vorzeitig aufgeben dürfe. Die Brandenburger Sozialdemokraten hatten vor kurzem in den Umfragen noch hinter AfD und CDU gelegen.

Nach vorne blickte auch die SPD-Spitze. Nachdem die Landtagswahl nicht zu dem gefürchteten Doppel-Desaster geworden ist, steht nun die Bestimmung eines neuen Partei-Vorsitzenden oder eines Vorsitzenden-Duos auf der Tagesordnung. Morgen schon geht es in Saarbrücken mit der ersten von 23 Regionalkonferenzen los, auf denen sich alle Kandidaten vorstellen sollen. „Wer Parteivorsitzender werden will, muss das durchhalten“, sagte die kommissarische Parteichefin Manuela Schwesig zu diesem Marathon, der erst am 12. Oktober in München endet. Anschließend gibt es eine Urabstimmung unter den Mitgliedern und womöglich noch eine Stichwahl.

Am Sonntag war Bewerbungsschluss, und der Wahlvorstand entschied, wer die Voraussetzungen erfüllt. Unter anderem, dass er SPD-Mitglied ist und von genug Kreis- oder Landesverbänden unterstützt wird. Vor der Auftaktveranstaltung in Saarbrücken treffen sie sich morgen Nachmittag dort alle erstmalig zum gemeinsamen Fototermin. Die SPD erhofft sich nämlich positive Effekte aus dieser Art der Vorsitzenden-Kür.

Die 23 Veranstaltungen dürften einem Speed-Dating gleichen. Fünf Minuten Vorstellungsrede je Kandidatenpaar sind geplant, dann Fragen vom Moderator an alle 17 Bewerber. Jeder darf 60 Sekunden antworten, genauso bei den anschließenden Fragen aus dem Publikum.

Kleine Scharmützel gab es schon im Vorfeld. So attackierte Kandidatin Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, den Finanzminister Olaf Scholz unter Hinweis auf die Wahlergebnisse: Ein Neustart sei nur mit einer „unbelasteten“ Spitze möglich. Sie meinte: Unbelastet von der großen Koalition.

Allerdings hatte letzte Woche eine SPD-interne Umfrage ergeben, dass das Groko-Thema die Mitglieder kaum interessiert. Und „Wahlsieger“ Woidke sagte: „Die ständige Diskussion über die Groko nervt nicht nur mich, sie nervt auch die Menschen im Lande.“

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