So will die EU den Krebs bekämpfen

Mehr Geld für Krebsforschung: Kein Kind soll mehr an Krebs sterben

Europas Universitäten und Forschungsinstitute sollen demnächst werden mehr Geld bekommen. Die EU will einen neuen Weg gehen – und der betrifft viele Bürger.

Krebs – es ist eine der besonders folgenschweren Diagnosen. Vor allem, wenn es um Kinder geht. Rund 1800 junge Patienten unter 15 Jahren erkranken in Deutschland an Tumoren. Angesicht dieser Realität erscheint es wie ein Wunder, wenn die EU verspricht: „Wir wollen die Rate der Neuerkrankungen an Krebs bei Kindern binnen zehn Jahren auf null senken“, sagt Christian Ehler, Europaabgeordneter für die CDU und Berichterstatter des EU-Parlamentes für das Forschungsrahmenprogramm der Gemeinschaft.

Anfang Dezember haben die Europa-Abgeordneten festgelegt, wie viel Geld für die Spitzenforschung von der Union zwischen 2021 und 2027 ausgegeben werden soll: Statt wie bisher 94 sollen es künftig 120 Milliarden Euro sein. Diese Summe wollen die Volksvertreter in den Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten im kommenden Jahr durchsetzen. Und es sieht nicht danach aus, als ob die Länder daran noch etwas ändern.

EU verliert wichtige Fachleute

„Unser gesellschaftlicher Fortschritt basiert zu einem wesentlichen Teil auf der Anwendung neuer Technologien“, betont Ehler im Gespräch mit unserer Zeitung. Drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wollten die EU-Regierungen und die Gemeinschaft seit Jahren in diesen Bereich investieren. Deutschland hat diese Marke knapp erreicht – viele andere hinken hinterher. Und alle gemeinsam verlieren mehr und mehr den Anschluss an die Top-Nationen in Asien, die sehr viel mehr in ihre Forschung investieren. Alleine die Bundesrepublik verliert jedes Jahr zwischen 10.000 und 20.000 Ingenieure, die auswandern.

Dagegen will die EU nun ein drastisch ausgeweitetes Forschungsrahmenprogramm unter dem neuen „Horizon Europe“ (bisher Horizon 2020) setzen. 55 Prozent der Gelder dürften auch künftig an Exzellenzprojekte gehen, bei denen Universitäten, Forschungseinrichtungen und die Industrie zusammenarbeiten. Die Mittel sollen schneller bewilligt werden (innerhalb von sechs Monaten), weil auch die Anwendung der technologischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse in immer kürzeren Rhythmen geschieht. „Die bisherigen Generationen zum Beispiel eines VW Golf unterschieden sich vorrangig durch Größe, Motorleistung, Ausstattung und zunehmend auch Software-Anwendungen. Nun stehen wir vor einem gewaltigen Sprung: Die nächste Generation könnte schon selbstfahrend sein“, beschreibt Ehler die Situation.

Ein neuartiger Ansatz

Das neue Programm enthält einen weitgehend neuen Ansatz. Anders als bisher sollen nämlich nicht nur Projekte zielgerichtet subventioniert werden, sondern auch Mittel für bestimmte Themenbereiche zur Verfügung stehen. „Wir wollen erreichen, dass ein Kind nicht mehr an Krebs sterben muss“, sagt Ehler. Ein weiterer Themenbereich soll die Produktion nachhaltiger Lebensmittel sein. „Wir wissen heute, dass viele Krankheiten mit Lebensmittelunverträglichkeit zu tun haben.“ Da müsse Forschung ansetzen. „Auch Bio-Produkte sind zu einem Hightech-Thema geworden“, meint der Forschungsexperte seiner Parlamentsfraktion weiter. Beispiel: Wie kann man mit möglichst geringem Wasserverbrauch Bio-Lebensmittel von hoher Qualität erzeugen? Ein Thema, das vor allem für die ärmeren Regionen in der Welt von großer Bedeutung ist. Neu ist auch eine weitere Säule des Programms namens „Open Innovation“. Unter diesem Stichwort ist für die Zukunft der Aufbau eines Europäischen Innovationsrates (EIC) geplant, der Startups sowie Technologieprojekten fördert.

Um die Jahrtausendwende hatte die Union sich vorgenommen, zur wirtschaftsstärksten und innovationsfreudigsten Region der Welt zu werden. Daraus wurde bisher nichts. Nun will man diesem Ziel endlich näherkommen.

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