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Aachen: RWTH-Affäre bringt Laschet in Bedrängnis

Aachen : RWTH-Affäre bringt Laschet in Bedrängnis

Der CDU-Spitzenpolitiker Armin Laschet ist wegen Unregelmäßigkeiten bei einer von ihm verantworteten Klausurprüfung unter Druck geraten und deshalb als Lehrbeauftragter der Aachener Hochschule (RWTH) zurückgetreten.

Angesichts des „misslichen Vorgangs“ halte er den künftigen Verzicht auf seine Lehrtätigkeit für erforderlich, erklärte Laschet gegenüber unserer Zeitung. Zudem wolle er mit diesem Schritt der Gefahr begegnen, dass der Master-Europa-Studiengang (MES) an der RWTH Gegenstand der „parteipolitischen Auseinandersetzung“ werde.

Zuvor war bekannt geworden, dass dem prominenten Lehrbeauftragten sämtliche Prüfungsarbeiten einer Europa-Klausur — angeblich auf Postweg — abhandengekommen waren. Daraufhin hatte Laschet die Noten nach eigenem Eingeständnis „rekonstruiert“. Dabei sind offenbar auch Studenten benotet worden, die an der Klausur gar nicht teilgenommen hatten.

Unklar ist derzeit, ob der CDU-Politiker gegenüber der Hochschule zunächst den Eindruck erweckt hatte, die Klausur-Noten seien das Ergebnis einer ordnungsgemäßen Korrektur. Dies legt jedenfalls eine E-Mail der MES-Geschäftsführung vom 30. Januar dieses Jahres an die Studenten nahe: Trotz des Verlustes der Prüfungsarbeiten gebe es „eine gute Nachricht: Ihre Klausurnoten liegen mir vor. Ich konnte inzwischen aus feststellen, dass keine Note fehlt.“

Erst am 25. März 2015 räumte Laschet gegenüber den Klausurteilnehmern ein, die Arbeiten seien auf dem Postwege verlorengegangen und er habe deshalb bei den Noten „eine Rekonstruktion versucht“. In der Stellungnahme zu einer Recherche-Anfrage unserer Zeitung versichert Laschet, seine umstrittene Notengebung sei mit der RWTH abgestimmt gewesen.

„Die zuständigen Stellen der Universität und ich standen vor der Abwägung, den Studierenden trotz der gut ausgefallenen Prüfungsergebnisse eine Neuansetzung des Klausurtermins mit großem zeitlichen Abstand zum Blockseminar zumuten oder aus meinen Notizen und Vermerken eine Rekonstruktion der Notengebung vorzunehmen.“

Im Sinne einer „möglichst fairen Handhabung“ hätten sich der Prüfungsausschuss der Philosophischen Fakultät, die MES-Studiengangsleitung und dessen Geschäftsführung für eine Rekonstruktion der Noten entschieden. Dabei sei allen Beteiligten bewusst gewesen, dass dies „kein optimales Verfahren“ sei. Die Dekanin der Philosophischen Fakultät der RWTH, Professorin Christine Roll, erklärte gegenüber unserer Zeitung, Laschet habe „noch vor der Rücksprache mit dem Prüfungsausschuss eine nachträgliche Bewertung“ der Klausuren vorgenommen.

Unter Studenten kursiert der Verdacht, dass der vielbeschäftigte CDU-Politiker die Klausuren bereits vor der Korrektur verloren und anschließend die Noten großzügig auf einer Skala von 1 bis 2,4 fingiert haben könnte. Laschet erklärte zu diesen Mutmaßungen, er habe „vollstes Verständnis“ für die nach dem Klausur-Verlust „bei einzelnen Studenten aufgetretene Verärgerung“.

Der CDU-Politiker, der seit 1999 ehrenamtlich mit einer umfassenden Prüfungserlaubnis an der RWTH unterrichtet, zeigte Selbstkritik. Auch wenn der Versand der korrigierten Prüfungsarbeiten von ihm an die Hochschule „den üblichen Gepflogenheiten“ entsprochen habe, „hätte der Verlust der Klausurunterlagen nicht passieren dürfen“. Bei der Dokumentation und Überstellung der Studienleistungen wäre gerade von ihm als verantwortlichem Lehrbeauftragten „eine größere Sorgfalt möglich und angemessen“ gewesen.

Bisher hat die Leitung der RWTH das NRW-Wissenschaftsministerium über den Verlust der Klausurarbeiten und die umstrittene Noten-Rekonstruktion offenbar nicht informiert. Es bestehe in diesem Falle „keine Anzeigepflicht“ gegenüber der Rechtsaufsicht, ließ die RWTH verlauten.