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Kontroll-Gremium: PR-Rat rügt Storymachine für Heinsberg-Studie

Kontroll-Gremium : PR-Rat rügt Storymachine für Heinsberg-Studie

Die Agentur erhält eine Rüge und muss sich den Vorwurf der Manipulation gefallen lassen. Ihnen wird „unprofessionelles Verhalten“ vorgeworfen.

Ursprünglich sollte die Studie Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Gespräch mit seinen Amtskollegen für seinen Weg in die so stark ersehnte „verantwortungsvolle Normalität“ die Munition geben: die Studie aus dem Coronavirus-Hotspot Gangelt im Kreis Heinsberg. Anfang des Jahres war ausgerechnet in Laschets Bundesland nach einer Karnevalssitzung ein Landkreis zum Inbegriff der unkontrollierbaren Verbreitung des Virus geworden.

Aus der Not sollte eine Tugend gemacht werden. Die Bonner Wissenschaftler sollten vor Ort kurz vor einer wichtigen Videoschalte der Ministerpräsidenten Antworten liefern. Idealerweise jene, die für Laschets favorisierten Lockerungskurs sorgten. Doch inzwischen entwickelt sich die Untersuchung des Virologen Hendrik Streeck zu einem PR-Gau.

Die von der NRW-Landesregierung mitfinanzierten Heinsberg-Protokolle haben den Deutschen Rat für Public Relations auf den Plan gerufen. Im Fokus ist dabei die Agentur Storymachine, hinter der sich unter anderem Ex-„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann und der Aachener PR-Manager Michael Mronz verbergen. Das Kontroll-Gremium der PR-Branche sprach Storymachine am Donnerstag eine Rüge wegen Rufschädigung des Berufsstands durch unprofessionelles Verhalten aus. Dabei steht unter anderem der Vorwurf der Manipulation im Raum.

Konkret wirft der DRPR Storymachine vor, die Studienergebnisse nicht „möglichst neutral“ vermittelt zu haben. Vielmehr habe ein von Storymachine vorab an potenzielle Sponsoren verschicktes Konzept den Eindruck vermittelt, dass ein „vorformuliertes Narrativ in der Öffentlichkeit gesetzt werden sollte.“

Den „Vorwurf widerlegen“

Dadurch sei der Eindruck einer manipulativen Darstellung entstanden, „die ein überwunden geglaubtes Negativbild von PR und Kommunikationsmanagement bedient.“ Die Absenderschaft des „Heinsberg-Protokolls“ bei Twitter und Facebook sei dagegen durch die Impressen klar und nicht zu beanstanden gewesen. Der Anwalt von Storymachine, Christian Schertz, teilte auf Anfrage mit, Storymachine sei nur zu dem erhobenen Vorwurf der Intransparenz bei der Absenderkennzeichnung und der Sponsorennennung im Verfahren angehört worden. Die Agentur konnte „diesen Vorwurf nunmehr erfolgreich widerlegen.“

Schertz betonte zugleich: „Umso befremdlicher ist es, dass der PR-Rat jetzt einen Punkt rügt, zu dem Storymachine im Verfahren überhaupt nicht angehört wurde.“ Das habe „mit einem fairen Verfahren nichts zu tun“. Storymachine habe in seiner Stellungnahme ausdrücklich angeboten, „zu etwaigen noch offenen Fragen selbstverständlich Auskunft zu geben“.

Der „nunmehr plötzlich“ vom PR-Rat erhobene Vorwurf, das Konzept erwecke den Eindruck, „dass es sich hier um eine Maßnahme handele, bei der ein vorformuliertes Narrativ in der Öffentlichkeit gesetzt werden soll, ist ebenso nicht begründet.“ Schertz betonte: „Wir werden daher auch Rechtsmittel gegen den PR-Ratsbeschluss sowie weitere rechtliche Schritte gegen unwahre Verlautbarungen des PR-Rats im Vorfeld des Verfahrens in den Medien prüfen.“

Virologe Streeck hatte am Mittwoch gesagt, dass das Interesse an seiner Studie damals immens gewesen sei – und er die angebotene Hilfe von Storymachine daher angenommen habe. Er finde daran „nichts Verwerfliches“.

(dpa)