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Interview: „Politik ist nie eine One-Man-Show“

Interview : „Politik ist nie eine One-Man-Show“

Der JU-Chef Tilman Kuban findet den Kandidaten-Wettbewerb spannend. Aber die Partei erkläre zu wenig, sagt er jetzt im Interview.

Die Junge Union (JU) ist für jeden CDU-Vorsitzenden wichtig. Annegret Kramp-Karrenbauer kann ein Lied davon singen. Bei ihrem Kongress im Herbst hatte der Parteinachwuchs Ex-Fraktionschef Friedrich Merz frenetisch gefeiert. Da war noch nicht klar, dass bald wieder ein neuer Parteichef gewählt – und Merz erneut antreten wird. Befreundet ist JU-Chef Tilman Kuban (32) aber mit Jens Spahn, der für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wirbt. Im Interview übt sich der Jurist aus Niedersachsen in Diplomatie. Und doch wird deutlich, wer und was für ihn Zukunft bedeuten. Die Fragen stellte unsere Berliner Parlamentskorrespondentin Kristina Dunz.

Herr Kuban, Herr Röttgen, Herr Merz sowie Herr Laschet mit Unterstützung von Herrn Spahn treten für den Parteivorsitz an. Sie sind mit Spahn befreundet, werden aber nicht in Laschets Mitte-Lager verortet. Sind Sie im Zwiespalt?

Tilman Kuban: Es ist gut, dass wir jetzt Klarheit haben und schnell entscheiden. Wir werden zeigen, dass wir Zukunftsideen für Deutschland haben und unser Land auch in den nächsten Jahren regieren wollen. Ich bin froh und dankbar, dass wir so tolle Kandidaten haben. Diese Auswahl würden sich viele andere Parteien nur wünschen. Jetzt sind wir gespannt auf deren Zukunftsagenda.

Und die Antwort auf meine Frage? Sind Sie persönlich im Zwiespalt?

Kuban: Nein, weil es als Vorsitzender der Jungen Union meine Aufgabe ist, die Interessen unserer Mitglieder zu vertreten. Wir werden die Bewerber an ihren Zukunftsideen messen und unsere Mitglieder befragen. Dieses Stimmungsbild trage ich dann auch persönlich in die Partei.

Welchen Eindruck macht das Duo Spahn/Laschet auf Sie? Vater und Sohn? Jung und alt? Kontinuität und Aufbruch?

Kuban: Jens Spahn hat für sich entschieden, nicht für den Parteivorsitz zu kandidieren. Damit zeigt er, dass ihm die Partei sehr wichtig ist und er sich dafür auch selbst zurücknimmt. Das haben ihm viele nicht zugetraut.

Ja, aber welchen Eindruck macht das Duo auf Sie?

Kuban: Es ist ja bekannt, dass die beiden in der Vergangenheit nicht immer einer Meinung waren. Insofern ist das eine spannende Kombination.

Welches Amt hat Herr Spahn in etwa zehn Jahren?

Kuban: Ich habe gelernt, dass man Politik nicht planen kann. Er wird definitiv eine wesentliche Rolle in der deutschen Politik spielen. Ich traue ihm viel zu.

Hätten sie sich EIN Team aller jetzigen Kandidaten gewünscht?

Kuban: Am Ende ist Politik nie eine One-Man- oder One-Woman-Show. Das geht immer nur in einem Team. Und nach 15 Jahren mit unserer Kanzlerin an der Spitze, brauchen wir jetzt eine Formation, die unsere Weichen für die Zukunft stellt. Deshalb ist es gut, dass wir jetzt einen Wettbewerb haben um die besten Ideen, aber für den Tag nach der Wahl alle Bewerber zugesagt haben, im Team der Union mitzuwirken.

Glauben Sie daran? Hat ja unter Annegret Kramp-Karrenbauer auch nicht funktioniert.

Kuban: Ja, denn alle Bewerber sollten wissen, dass es jetzt um unseren Status als Volkspartei geht. Den erhalten wir nur, wenn wir zusammen für Deutschlands Zukunft kämpfen.

Welche Rolle hätten Herr Merz und Herr Röttgen in einem Team spielen sollen?

Kuban: Da sind viele Rollen denkbar. Klar ist, dass jeder der Kandidaten auch nach der Wahl einen Platz im CDU-Team haben wird. Wir brauchen die klügsten Köpfe in der Partei und die beiden gehören definitiv dazu.

Sie sind Jurist, Herr Merz hat das Duo Laschet/Spahn mit einer Kartellbildung verglichen. Wie gefährlich ist eine Kartellbildung für den Wettbewerb?

Kuban: Wir sollten fair miteinander umgehen und nicht schlecht über Andere reden, sondern die eigenen Vorstellungen herausstellen. Wenn sich alle so angreifen, dass am Ende der Gewählte beschädigt ist, haben wir als Partei gemeinsam nichts gewonnen. Ich rufe daher alle in der Union zu einem Verhalten auf, dass für den eigenen Kandidaten wirbt, aber nicht die Anderen diffamiert. Wir brauchen keinen Streit und keine Spaltung.

Welche Führungsqualitäten zeichnen einen Parteivorsitzenden aus?

Kuban: Ein Parteivorsitzender muss bereit sein, selbst aktiv Themen zu setzen, Diskussionen zu lenken und auch bei Gegenwind weiter Kurs zu halten. Wir brauchen eine Persönlichkeit an der Spitze, die Zusammenhalt vermittelt, Orientierung gibt und Menschen für Politik begeistert. Die Extremen auf allen Seiten mögen laut sein, klug sind sie nicht.

Können das die vier Kandidaten aus NRW gleich gut?

Kuban: Natürlich hat jeder seine individuellen Stärken und Schwächen. Die werden in den kommenden Wochen bestimmt noch etwas deutlicher. Am Ende müssen dann 1.001 Delegierte entscheiden, wem sie es am ehesten zutrauen, die CDU als führende politische Kraft in Deutschland zu erhalten.

Was darf der CDU nie wieder passieren?

Kuban: Dass wir unsere Politik zu wenig erklären. Wir müssen alle lernen, auch in einer schnelleren und digitaleren Welt aufzuzeigen, warum wir welche Entscheidungen treffen.

(dpa)