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Aachen: Ohne Orientierung in die Fänge der Islamisten geraten

Aachen : Ohne Orientierung in die Fänge der Islamisten geraten

8000 Salafisten, 650 aus Deutschland kommende Dschihadisten, 250 Rückkehrer, 30 aktuell laufende Prozesse — mit diesen aktuellen Zahlen befassten sich der WDR-Journalist Paul Elmar Jöris und die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor in einem Workshop unter dem Titel „Radikaler Islamismus“.

Im Rahmen der Konferenz „Respekt statt Ressentiments — Menschenfeindlichen Ideologien entgegentreten“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes informierten die beiden im Aachener Tivoli über Salafisten, Syrien und den „Heiligen Krieg“. Die Hauptfrage: Warum ziehen junge Menschen in den Dschihad?

Die beiden waren sich schnell einig. Faktoren wie Orientierungslosigkeit und Diskriminierung seien ein gefundenes Fressen für Islamisten. Dabei gehe es für junge Menschen nicht darum, eine religiöse oder gottesdienstliche Handlung zu vollziehen, sondern um das Gefühl der Zugehörigkeit. „Sie geben den jungen Menschen das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören, und vermitteln ihnen Macht“, erklärte Kaddor. Das schaffen sie meist durch vereinfachte Darstellungen des Korans und simple Antworten auf komplizierte Fragen.

„Jugendliche verlieren schon mal ihr inneres Gelände, und dann kommt es darauf an, auf wen sie treffen“, ergänzte Jöris. Durch aktive Werbung an Plätzen, wo sich viele Jugendliche aufhalten, sei es den Salafisten möglich, neue Mitglieder zu gewinnen.

Anlass der Veranstaltung waren der immer größer werdende Anklang für rechtspopulistische Parteien und rassistische wie islamfeindliche Demonstrationen sowie aggressive Fankrawalle. In solchen Zeiten sei es besonders wichtig, „die Menschen mit neuen Argumenten und Sichtweisen darin zu bestärken, eine neue politische Situation zu bestreiten“, betonte DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber.

Die 130 Teilnehmer hatten in zwei weiteren Workshops die Möglichkeit, ihre Kenntnisse über politischen Rechtsextremismus zu vertiefen. Der Aachener Politikwissenschaftler Richard Gebhardt und der Journalist Michael Klarmann widmeten sich dem Thema „Auf der Straße und im Stadion — Militanten Neonazis keinen Raum lassen“. Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler und der NRW-Staatssekretär für Integration, Thorsten Klute, untersuchten die Phänomene AfD und „Pegida“.

In den einzelnen Gruppen wurde klar: Alle diese Bewegungen eint der Gedanke, dass nicht alle Menschen gleich und ebenbürtig seien, sondern anhand von Herkunft, Geschlecht und Religion unterschieden würden. Dadurch komme es zu Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Um diesen Entwicklungen entgegenzutreten, müsse Demokratie und Toleranz vorgelebt werden.