Düsseldorf: NRW-Regierung kann keine wachsende Aggression gegen Lehrer erkennen

Düsseldorf : NRW-Regierung kann keine wachsende Aggression gegen Lehrer erkennen

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat Darstellungen einer angeblich zunehmenden Aggression von Grundschülern gegenüber Lehrkräften widersprochen. Von den im Jahre 2016 landesweit 454 anerkannten Dienstunfällen beim Personal an den 2812 Grundschulen in NRW seien lediglich 16 Fälle auf „Aggressivität gegen Lehrkräfte“ zurückzuführen,

Dies teilte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (SPD) am Freitag auf eine parlamentarische AfD-Anfrage im Düsseldorfer Landtag mit. Dies entspreche einer Quote von 3,52 Prozent. In Relation zu den landesweit 632.693 Grundschülern lägen die aggressiven Übergriffe sogar bei nur 0,0026 Prozent. Weniger als ein Prozent der 45.553 Lehrkräfte (0,035 Prozent) seien Opfer von Gewalt durch Schüler geworden.

Die AfD-Fraktion hatte aufgrund von Medienberichten „untragbare Zustände“ und „besorgniserregende Entwicklungen“ an den Grundschulen aufgrund eines wachsenden Aggressionspotenzials in der Schülerschaft beklagt. Es gebe „verzweifelte Hilferufe“ von Lehrern an Eltern. Der eigentliche Bildungsauftrag der Schulen sei bedroht. Dies werde auch durch die ständig steigenden Ausgaben für die Schulsozialarbeit und immer mehr private Initiativen zum Konfliktmanagement an den Schulen belegt.

Das NRW-Schulministerium tritt diesen Behauptungen der AfD massiv entgegen. Es gebe an Rhein und Ruhr „keine sehr hohe Anzahl von Gewaltfällen gegen Grundschullehrerkräfte“, versicherte Ministerin Gebauer.

Dennoch sei „jeder Fall von Aggressivität gegen eine Lehrkraft ein Fall zu viel“. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik für Nordrhein-Westfalen seien in dem Zeitraum zwischen 2014 und 2016 an allen Schulen in NRW insgesamt 650 Lehrkräfte Opfer von Körperverletzung geworden. Im ersten Halbjahr 2017 wurden 115 Strafanzeigen von Pädagogen wegen einer Verletzung durch aggressive Schüler erstattet.

Eine allgemeine Statistik über Gewaltereignisse an Schulen werde nicht geführt, teilte Gebauer weiter mit. Die Erfassung aller niederschwelligen erzieherischen Maßnahmen sei im Schullalltag „aus tatsächlichen Gründen nicht möglich“ und würde die Lehrkräfte „enorm belasten“.

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