Davos: Merkel warnt in Davos vor Abschottung und Nationalismus

Davos : Merkel warnt in Davos vor Abschottung und Nationalismus

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der internationalen Gemeinschaft trotz der schleppenden Regierungsbildung in Berlin versichert, Deutschland werde weiterhin als starke Kraft zur Lösung von Konflikten beitragen.

„Deutschland will ein Land sein, das auch in Zukunft seinen Beitrag leistet, um gemeinsam in der Welt die Probleme der Zukunft zu lösen”, sagte Merkel beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Auch darum sei es so wichtig, dass Deutschland nun schnell eine Regierung bilde.

Blick auf das Konferenzzentrum während der jährlichen Tagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. Foto: Gian Ehrenzeller

„Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt. Wir glauben, dass wir kooperieren müssen, dass Protektionismus nicht die richtige Antwort ist”, sagte Merkel. Wenn man der Meinung sei, dass die Dinge nicht fair zugingen, müssten multilaterale und nicht unilaterale Lösungen gesucht werden, die Abschottung und Protektionismus nur fördern würden. Auch in Deutschland gebe es Schwierigkeiten und eine Polarisierung wie seit Jahrzehnten nicht, ausgelöst durch die mittlerweile gelöste Eurokrise und die Migration der vergangenen Jahre.

Nationale Egoismen, Populismus und eine polarisierende Atmosphäre in vielen Staaten würden möglicherweise auch durch die Sorge der Menschen ausgelöst, die sich fragten, „ob die multilaterale Kooperation wirklich in der Lage ist, ehrlich, fair die Probleme der Menschen zu lösen”, sagte Merkel. Es gebe in allen Ländern Zweifel, ob es angesichts von Digitalisierung und der weltweiten Veränderungen gelinge, alle Menschen mitzunehmen.

Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni erteilte der Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump eine Absage. „Ich denke, es ist ein legitimer Wunsch von politischen Führungskräften, dass sie ihre Bürger, ihre Unternehmen, ihre Wirtschaft schützen wollen, aber es gibt eine Grenze”, sagte Gentiloni in Davos. Freihandel und multilaterale Entscheidungen müssten beibehalten werden.

Gleichzeitig rief er dazu auf, nicht ständig an Trump herumzukritisieren. Es sei nicht die Aufgabe Europas, zu kommentieren, was der US-Präsident tue und sage. Europa müsse vielmehr eigene Führungskraft beweisen. „Europa hat eine enorme Handelskraft, aber noch keine ausreichend starke politische Position.” Das sei die Aufgabe der kommenden Monate. „Wenn es Lücken zu füllen gibt, wird Europa diese Lücken füllen.”

(dpa)
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