Kommentiert: Trump hat sich ins Aus bugsiert

Kommentiert: Trump hat sich ins Aus bugsiert

Es ist eigentlich ziemlich simpel, was Donald Trump da im Vorwahlkampf der US-Republikaner abzieht. Mit kontroversen und oft sehr kruden Thesen drängt sich der Immobilien-Tycoon ins Rampenlicht.

Das Geld, das viele der anderen Kandidaten mühsam einwerben müssen, ist bei ihm sowieso in Hülle und Fülle vorhanden. Sein Bekanntheitsgrad ist gewaltig. Und während manch anderer der 17 republikanischen Präsidentschaftskandidaten blass bleibt, beherrscht Trump die Schlagzeilen. Egal, ob es um seine Frisur geht, seinen Ruf nach einer Mauer an der Grenze zu Mexiko oder die tatsächliche Höhe seines Vermögens.

Und so treibt er seit Bekanntgabe seiner Kandidatur vor knapp zwei Monaten seine Mitbewerber vor sich her wie eine Herde willenloser Schafe. Vorteil Trump. Die anderen reagieren nur noch statt selbstständig zu agieren. Auch beim TV-Duell von zehn der 17 republikanischen Kandidaten am Donnerstagabend amerikanischer Zeit hätte es so laufen können. Aber Trump hat sich — direkt zu Beginn der Sendung —selbst entlarvt.

Als einziger der zehn Kandidaten hält er sich ein Rennen ums Weiße Haus als unabhängiger Kandidat offen. Im Klartext heißt das: Machen ihn die Republikaner nicht zu ihrem Präsidentschaftskandidaten, dann versucht er es eben im Alleingang.

Im Fall der Fälle würde er dann der Partei, für die er jetzt ins Weiße Haus will, so wichtige Stimmen klauen und indirekt einem Demokraten — zur Zeit scheint Hillary Clinton unangefochten — den Einzug ins Oval Office ermöglichen.

Dass Trump kein Teamplayer ist, war zu erwarten. Aber mehr Egoismus geht kaum. Trump wirkt wie einst der französische „Sonnenkönig“ Ludwig XIV — fehlt nur noch der absolutistische Leitsatz: „L’État, c’est moi!“ — „Der Staat, das bin ich.“ Und inhaltlich hatte er den spitzen Fragen der Moderatoren kaum etwas Gehaltvolles entgegenzusetzen.

Am Donnerstagabend sollte also auch der letzte Republikaner und glühende Trump-Anhänger gemerkt haben, dass es hier nur um die große Donald-Trump-Show geht und nicht um einen Erfolg für die republikanische Partei. Doch so funktioniert Politik nicht — auch nicht in den USA.

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis Trumps Umfragewerte wieder in den Keller sinken. Und dann kann man Trumps Präsidentschaftskandidatur als das betrachten, was sie wirklich ist: eine schrille Episode im US-Vorwahlkampf.

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