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Karlspreis 2020 für Klaus Iohannis

Klaus Iohannis : Karlspreis für einen Brückenbauer

Der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis erhält den Karlspreis 2020. Das Direktorium würdigt ihn als Streiter für die europäischen Werte und Vermittler zwischen Ost und West.

Der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis wird mit dem Aachener Karlspreis 2020 ausgezeichnet. Damit werde ein herausragender Streiter „für die europäischen Werte, für Freiheit und Demokratie, den Schutz von Minderheiten und kulturelle Vielfalt“ geehrt, begründete das Karlspreis-Direktorium am Samstag seine Entscheidung. Gewürdigt würden auch seine bedeutenden Verdienste um die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz. Die Preisverleihung findet am Himmelfahrtstag (21. Mai) im Krönungssaal im Aachener Rathaus statt.

Iohannis war erst im November nach hartnäckigem Festhalten an seinem proeuropäischen Kurs wiedergewählt worden. Seine erste Amtszeit als Staatschef war vom Dauerkonflikt mit der von den Sozialdemokraten (PSD) dominierten Regierung überschattet, die per Misstrauensvotum gestürzt wurde. Nach Meinung vieler seiner Anhänger hätte Iohannis mehr gegen die PSD-Politik unternehmen können.

„Lichtgestalt Osteuropas“

In der Begründung des Karlspreis-Direktoriums hieß es weiter, der 60-Jährige habe sein Land mit großem Einsatz und Erfolg zu einer proeuropäischen, rechtsstaatlichen Politik geführt. Er stärke die Europäische Union, bekenne sich zu ihren Zielen und fördere die Zusammenarbeit der Mitgliedsländer. Nach der Wende 1989 habe er sein Land Schritt für Schritt zum europäischsten in Südosteuropa gemacht. Das Direktorium würdigte Iohannis auch als Brückenbauer zwischen Ost und West. Er kämpfe gegen Korruption, für Gewaltenteilung und den Rechtsstaat.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet würdigte Iohannis als „Lichtgestalt Osteuropas“. Der rumänische Präsident sei „ein engagierter Europäer gegen Populismus, für die Werte Europas, für Rechtsstaatlichkeit und für Pressefreiheit“, schrieb der CDU-Politiker auf Twitter.

Der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament, Manfred Weber, äußerte sich ähnlich: „Ein hochverdienter Preis für einen großen Europäer“, twitterte der CSU-Politiker.

Johannis habe ein Land, das eine brutale Diktatur überwinden konnte, Schritt für Schritt zum europäischsten in Südosteuropa gemacht, heißt es in der Begründung des Karlspreisdirektoriums ebenfalls. Die Europäische Union sei heute in vielen wesentlichen Fragen zerstritten und gespalten. Angesichts der großen globalen Herausforderungen brauche es aber Einigkeit, gegenseitige Anerkennung und Versöhnung.

In einer ersten Reaktion habe der designierte Karlspreisträger bei einem Telefonat am Morgen gesagt, dass er sich geehrt fühle und sich sehr über diese hohe Auszeichnung freue, erklärte das Direktorium.

Der 1959 in Sibiu/Hermannstadt geborene Johannis ist seit 2014 Präsident von Rumänien. Als Präsident habe er sich mit seinem Programm für ein rechtsstaatliches, transparentes und korruptionsfreies „Rumänien der gut gemachten Sache“ eingesetzt, hieß es. Johannis gehöre der rumäniendeutschen Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen an, betrachtet sich selbst als „ethnisch Deutscher und rumänischer Staatsbürger“. Bereits ab 1990 war Johannis Mitglied des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR).

Ab dem Jahr 2000 wurde Johannis mehrmals mit großer Mehrheit zum Bürgermeister seiner Heimatstadt gewählt. Im Juni 2014 wurde er Vorsitzender der nationalliberalen Partei PNL, die ihn in einem Wahlbündnis für die Präsidentschaftswahlen im selben Jahr nominierte.

Kein Unbekannter in der Region

Es ist bereits die zweite  Auszeichnung für Iohannis aus der Region Aachen: 2016 erhielt er die Martin-Buber-Plakette. Grund war sein Kampf gegen Korruption und für mehr Beteiligung der Bürger an politischen Prozessen während seiner Amtszeit als Bürgermeister von Sibiu.

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. In diesem Jahr wurde UN-Generalsekretär António Guterres ausgezeichnet, 2018 der französische Präsident Emmanuel Macron.

(dpa)