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Janet Yellen wird erste Frau an der Spitze des US-Finanzministeriums

Kabinett von Joe Biden : Die neue Haushälterin Amerikas

Janet Yellen soll erste Finanzministerin in der Geschichte der Vereinigten Staaten werden. Hohes Ansehen genießt sie schon jetzt.

231 Jahre sind vergangen, bevor eine Frau die Kontrolle über den Haushalt Amerikas übernehmen durfte. Mit der in Brooklyn geborenen, an der Brown-Universität ausgebildeten und in Berkeley als Professorin lehrenden Volkswirtin Janet Louise Yellen steht künftig eine Finanzministerin an der Spitze des „Department of the Treasury“. Eine Frau, die in ihrer langen Laufbahn viele gläserne Decken durchbrochen hat.

Die „kleine Dame mit dem großen IQ“ schrieb schon einmal Geschichte, als der frühere US-Präsident Barack Obama sie 2013 zur ersten Chefin der amerikanischen Notenbank Fed berief. Sie verdiente mit ihrer umsichtigen Amtsführung so viel Bewunderung quer durch das politische Spektrum hinweg, dass Donald Trump kurzzeitig überlegte, die Demokratin für eine weitere Amtszeit vorzuschlagen.

Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse im US-Senat dürfte die breite Akzeptanz der messerscharfen Analytikerin mit dem markanten Kurzhaarschnitt Joe Biden mit davon überzeugt haben, dass sie genau die richtige Besetzung für eine der wichtigsten Position im Kabinett des neugewählten Präsidenten ist.

Eine der ersten Entscheidungen, die auf sie warten, ist die Öffnung von Kreditvergabe-Fenstern ihres künftigen Ministeriums und der Fed in der Corona-Krise, die Amtsinhaber Steven Mnuchin gerade unter lautstarken Protest der Experten geschlossen hat. Wie nach der Lehman-Krise argumentiert Yellen auch diesmal, es sei ein Fehler, der Wirtschaft den Geldhahn zu schnell wieder abzudrehen.

Warnt vor restriktiver Geldpolitik

Heute wie damals warnt die designierte Finanzministerin vor den Konsequenzen einer zu restriktiven Geldpolitik inmitten einer ökonomischen Krise. Dabei sieht Yellen die mehr als 20 Billionen Dollar an Staatsschulden, die sie nach Trumps Amtszeit erbt, durchaus als Problem – aber als eines, das warten kann.

„Sie argumentiert mit Fakten und steht dazu“, bewundert der Princeton-Ökonom Alan S. Blinder den unaufgeregten Stil der Kandidatin, die als Finanzministerin Bidens Steuer-, Handels- und Arbeitsmarktpolitik prägen wird. Nach ihrem Ausscheiden aus der Fed beschäftigte sich Yellen in der Denkfabrik „Brookings Institution“ mit den Konsequenzen, die wachsende Ungleichheit und die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes darstellen. „Diese Themen stehen bei ihr ganz obenan“, sagt Blinder, der mit Yellen als Vize-Chef in der Fed diente. „Als Ministerin kann sie in diesen Bereichen viel bewegen.“ Zudem kann die Ministerin auch in der Handelspolitik Akzente setzen. Die überzeugte Anhängerin des Freihandels und einer liberalen Einwanderungspolitik verspricht eine Kehrtwende beim „Amerika-zuerst“-Protektionismus der vergangen vier Jahre. In jedem Fall brächte Yellen mehr Insider-Erfahrung mit in die neue Aufgabe als die meisten ihrer Vorgänger. Dazu gehört auch ein tiefes Verständnis der Regierungsabläufe, die sie als Chefin des Wirtschaftsrats im Weißen Haus unter Bill Clinton kennenlernte.

Verheiratet ist Yellen mit George Akerlof, einem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. Der leidenschaftlichen Gärtnerin bleibt auch nicht mehr viel Zeit für ihr Hobby. Ihre neue Aufgabe hat Vorrang: die amerikanische Wirtschaft wieder zum Blühen zu bringen.