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Köln: Jamaika-Hauch in Köln und schwarz-grüne Fantasien für NRW

Köln : Jamaika-Hauch in Köln und schwarz-grüne Fantasien für NRW

Es weht ein Hauch von Jamaika durch Deutschlands viertgrößte Stadt Köln. CDU, Grüne und FDP wollen dort gemeinsam eine parteilose Politikerin zur Oberbürgermeisterin machen und dafür beim Wähler trommeln. Das schwarz-gelb-grüne Lager unterstützt die unabhängige Kandidatin Henriette Reker (58).

Und damit dürfte es der gerade präsentierte OB-Kandidat der SPD, Jochen Ott, nicht leicht haben, den wichtigen Posten für die Sozialdemokraten zu verteidigen. Was aufhorchen lässt: Obwohl die Grünen in Köln weiter mit der SPD zusammenarbeiten wollen und Rot-Grün auch auf NRW-Landesebene regiert, geben die Grünen dem doppelten Koalitionspartner in der OB-Frage klar einen Korb.

Das nährt auch Spekulationen in Richtung schwarz-grünes Bündnis in Nordrhein-Westfalen nach der Landtagswahl 2017. NRW-CDU-Chef Armin Laschet will seine Partei zur stärksten Kraft machen. Offen ist, ob sein Koalitionswunschpartner FDP mit Christian Lindner an der Spitze den Wiedereinzug in den Landtag schafft.

Laschet gilt aber auch als aufgeschlossen gegenüber Schwarz-Grün. Der dpa sagt der CDU-Politiker dazu lediglich: „Eine Zusammenarbeit zwischen CDU, Grünen und FDP auf kommunaler Ebene ist nicht ungewöhnlich.” Mit Landespolitik habe das nichts zu tun.

Ganz anders sieht das Politikwissenschaftler Klaus Schubert. „Armin Laschet ist schon lange offen für Schwarz-Grün. Die Zusammenarbeit mit den Grünen bei der OB-Kandidatur in Köln ist für ihn auch ein Versuchsballon für eine schwarz-grüne Koalition auf Landesebene nach der Landtagswahl 2017.”

Der stellvertretende Bundesvorsitzende habe sich im Vorfeld sehr dafür stark gemacht, dass die Kölner CDU Reker unterstützt und das schwarz-grüne Experiment zustande kommt, sagt der Professor von der Universität Münster.

Ein Jamaika-Lager bei der Personalie Reker sei für die drei Parteien eine „Win-Win-Situation”, meint Schubert. Denn: „Die Großstädte sind der Schwachpunkt der CDU, und alleine hätte sie mit einem eigenen Kandidaten keine Chance.”

Für die FDP gehe es darum, „mit allen Mitteln” kommunalpolitisch und landespolitisch Fuß zu fassen. Und die Grünen? „Da gibt es auch ein taktisches Element. Sie haben sich mit dem jetzigen SPD-OB überworfen und wollen (...) zeigen, dass sie auf die SPD nicht angewiesen sind.”

Einer Kölner Grünen-Sprecherin zufolge ist ihre Partei enttäuscht von OB Jürgen Roters, der als rot-grüner Kandidat im Wahlkampf angetreten sei, dann aber reine SPD-Politik gemacht habe. Roters hatte das Spitzenamt in der größten NRW-Stadt 2009 von der CDU übernommen. Nun könnte der Topjob in der Millionenstadt erstmals an eine parteilose Frau gehen.

Der Grünen-Landesvorsitzende Sven Lehmann sieht keine schwarz-grüne Annäherung. „Ich kann schwarz-grüne Fantasien für Nordrhein-Westfalen nicht nachvollziehen.” Man wolle in Köln und NRW weiter mit der SPD zusammenarbeiten. Der Kölner SPD-Parteichef und NRW-Landesvize Ott (40) verspricht: „Ich werde alles geben.” Und: „Ich bin ganz sicher, wir können diese Wahl gewinnen.”

Demokratische Parteien sollten grundsätzlich zur Zusammenarbeit fähig sein, besonders auf kommunaler Ebene, meint Lindner. Das Rennen sei keineswegs gelaufen. Prognosen für September seien nicht möglich, meint auch Professor Schubert: „Das gilt besonders für Köln. Das ist ein eigenes, ganz besonderes Biotop.”

(dpa)