Glosse zu Friedrich Merz: Friedrich, ein Großer

Glosse zu Friedrich Merz : Friedrich, ein Großer

Von Friedrich Merz heißt es, er schlafe seit Monaten mit offenem Fenster, damit er den Ruf ins Bundeskabinett nicht überhöre. Was insofern überrascht, als wir bislang dachten, dass Merz, dieser Chuck Norris der Postsozialen Marktwirtschaft, überhaupt nicht schläft, sondern wartet.

So wie der eisenharte Norris ja keinen Honig isst, sondern lieber Bienen kaut. Wie dem auch sei: Seit Dienstag ist klar, dass der Mann nicht länger warten will.

Aber der Reihe nach: Der „Spiegel“ schreibt, Merz sei in Verden an der Aller von einem Zuhörer gefragt worden, ob er sich wohl vorstellen könne, in der nächsten Legislaturperiode Kollege des örtlichen Bundestagsabgeordneten zu werden. Dieser (M.) habe mit „Ja“ geantwortet, worauf das Publikum in Jubel ausgebrochen sei. Was man nur allzu gut verstehen kann.

Merz, der Gefallene, der auf allen Fotos immer so schrecklich ausgemerkelt dreinschaut, steigt abermals herauf aus dem Reich der politisch Toten: Wir stehen vor dem größten Comeback seit Lazarus – mindestens. Aber, leider, noch ist es nicht so weit.

Deutschland befindet sich Anfang Februar Zwanzigzwanzig gewissermaßen im Vormerz, und ähnlich wie Anno 1830/48, als man Merz bekanntlich noch mit „ä“ schrieb, ist das Vaterland wieder tüchtig aufgewühlt. Heute wie damals welkt das Gestern und wankt das Heute – und das Morgen? Ach, Fragen, nichts als Fragen. Kann „es Annegret“ Kanzlerin? Eröffnet Verkehrsminister Andi Scheuer nach seiner Entlassung wirklich einen E-Rollerverleih in München-Feldmoching? Geht Datteln IV ans Netz? Überlebt Kapitän Florian Silbereisen die Meuterei auf dem „Traumschiff“? Und was macht Jogi Löw nach dem Aus der deutschen Elf in der EM-Gruppenphase?

Über diesen Ozean der Ungewissheit hinweg schickt der sauerländische Leuchtturm nun seine Strahlen ins Dunkel unserer Tage. Und sagt: Landsleute, ich werde euch retten! Also unter bestimmten Voraussetzungen – ich müsste allerdings gefragt werden und 2021 gerade nichts Besseres vorhaben. Und natürlich nur, wenn bis dahin kein lukratives Angebot aus der Finanzwirtschaft vorliegt.

Friedrich, Du bist ein Großer!