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Düsseldorf: Förderprogramm „Neustart” für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose

Düsseldorf : Förderprogramm „Neustart” für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose

Mit einer Förderinitiative will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt bringen. Die exakte finanzielle Unterfütterung des Programms „Neustart” werde in den nächsten Wochen verhandelt, sagte Nahles am Donnerstag in Düsseldorf.

Bei einer Informationstour zur Arbeitsmarktintegration in Nordrhein-Westfalen trat Nahles gemeinsam mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) Sorgen entgegen, dass Flüchtlinge deutschen Arbeitssuchenden Stellen wegnähmen. Derzeit gebe es mit rund 600.000 offenen Stellen das größte Angebot seit 25 Jahren, sagte die Ministerin. Niemand müsse befürchten, dass Hunderttausende Flüchtlinge auf einen Schlag in den Arbeitsmarkt strömten. Die meisten müssten erst Deutsch lernen und qualifiziert werden. „Es ist kein Speed-Dating mit den Arbeitgebern zu erwarten.”

Exakte Zahlen zur Qualifikation der nach Deutschland einreisenden Flüchtlinge lägen noch nicht vor. Im September hätten allein die Arbeitsagenturen in NRW rund 13.000 ausländische Arbeitslose mehr registriert als im Vorjahr, berichtete die Chefin der Regionaldirektion, Christiane Schönefeld.

Dies seien überwiegend Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, dem Irak und Afghanistan. Nach bisherigen Erfahrungen kämen in der Regel 80 Prozent ohne formale Qualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt. 10 Prozent hätten „so etwas wie eine Ausbildung”, weitere 10 Prozent verfügten über eine Hochschulausbildung.

Kraft betonte, dass viele zwar aufgrund der schlimmen Zustände in ihren Heimatländern nicht nach deutschen Maßstäben qualifiziert seien, hier aber durchaus ausgebildet werden könnten. „Das sind keine Analphabeten.”

Allein aus den 150.000 Altfällen, die das Bundesamt für Migration noch bis zum Jahresende abarbeiten wolle, sei zu erwarten, dass bundesweit rund 70.000 Flüchtlinge auf die Jobcenter zukämen, berichtete Schönefeld.

Es sei noch nicht absehbar, wie viele Mittel zusätzlich im nächsten Jahr für die Arbeitsmarktpolitik bereitgestellt werden müssten, sagte Nahles. Die Summe liege zwischen 1,8 Milliarden und 3,3 Milliarden Euro. „Wir machen Kassensturz nach der Steuerschätzung im November.”

Jetzt sei „eine gute Zeit, auch die Frage der Langzeitarbeitslosigkeit anzupacken”. Die Zahl der Betroffenen stagniere seit Jahren bei etwa einer Million. Nie habe es für ausbildungs- und berufsbegleitende Hilfen mehr EU-Mittel gegeben als jetzt. Das Programm „Neustart”, das in der kommenden Woche bundesweit in einer breiten Kampagne vorgestellt werden soll, wende sich an diese Gruppe ebenso wie an Flüchtlinge und Arbeitgeber.

(dpa)