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Düsseldorf: Flüchtlingswelle wird für Kommunen immer stärker zum Problem

Düsseldorf : Flüchtlingswelle wird für Kommunen immer stärker zum Problem

Überfüllte Flüchtlingslager, überforderte Betreuer und immer weiter steigende Flüchtlingszahlen - die Unterbringung der Asylbewerber bringt die Kommunen in Nordrhein-Westfalen an ihre Grenzen. Dabei ist der Höhepunkt der Flüchtlingswelle vermutlich noch längst nicht erreicht.

Vielen Bürgermeistern treibt das zunehmend die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn die Suche nach Gebäuden und gutem Personal für die Unterkünfte wird zu einem immer größeren Problem, wie eine dpa-Umfrage ergab. Von der Landesregierung fühlen sich einige dabei im Stich gelassen.

Um 40 Prozent will das Land seine Unterbringungs-Kapazitäten in den nächsten Wochen noch einmal aufstocken - dabei wurden sie in den vergangenen zwei Jahren bereits verdreifacht. Etwas zeitverzögert müssen die Kommunen nachziehen. Denn nach einigen Wochen in den Aufnahmestellen des Landes werden die Flüchtlinge, die aus den Krisengebieten wie Syrien nach NRW kommen, auf die Kommunen verteilt.

„Wir suchen laufend nach neuen Unterbringungsorten für Flüchtlinge”, sagte eine Sprecherin der Stadt Duisburg. Sieben große Flüchtlingsheime und 239 Wohnungen gibt es schon - doch das reicht längst nicht aus. Im Moment bereitet die Stadt ein ehemaliges Krankenhaus für 300 Asylbewerber vor. Dadurch soll auch verhindert werden, dass die umstrittene Zeltstadt auf einem Sportplatz zum Einsatz kommt, für die Duisburg zuletzt massiv kritisiert wurde.

Dortmund sucht ebenso händeringend nach Immobilien. Für den Notfall werde schon darüber nachgedacht, Container aufzustellen, sagte ein Sprecher. Das gleiche Bild in Troisdorf bei Bonn: Es gebe inzwischen auch Immobilienbesitzer, die aus der Situation Profit schlagen wollten. „Es kommen die ersten Leute, die zu horrenden Preisen auch luxuriöse Häuser mit Schwimmbädern anbieten”, sagte eine Sprecherin. Vom Land fühlt sich die Stadt allein gelassen. Im September sei schon das Geld für das ganze Jahr ausgegeben gewesen. „Unsere Ressourcen sind auch begrenzt”, betonte sie.

Aber nicht nur das Finden geeigneter Gebäude stellt die Kommunen vor Probleme. Auch Personal für die Betreuung der vielen Flüchtlinge zu finden, ist nicht einfach. Dieser Bereich ist besonders sensibel - vor allem, seit Wachleute in drei Unterkünften in NRW Asylbewerber misshandelt haben und nun strenge Anforderungen an das Personal angelegt werden sollen.

Einige Städte wie Aachen gehen deshalb einen anderen Weg. Alle 750 Flüchtlinge seien dezentral in Wohnungen in der ganzen Stadt untergebracht, sagte ein Sprecher. Bei der Zusammenstellung der Wohneinheiten werde geschaut, wer zusammenpasse. Damit sei die Sozialkontrolle größer und die Bewohner würden sich untereinander helfen. „Sicherheitsleute brauchen wir nicht.”

Händeringend gesucht werden dafür Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, die für die Betreuung und Beratung der Flüchtlinge zuständig sind. Die Stadt Herford stellt aufgrund der gestiegenen Flüchtlingszahlen einen neuen Sozialpädagogen ein, wie der Abteilungsleiter für Ordnung und Sicherheit, Lothar Sobek, sagte. Die Kosten seien für die Stadt eine echte Bürde. Die Mieten, Nebenkosten und Mitarbeiter müsse die Kommune bezahlen. „Dafür setzt das Land zu Jahresbeginn eine Pauschale fest, die aber bei weitem nicht ausreicht. Darum müssen die Kommunen stärker unterstützt werden”, forderte Sobek.

(dpa)