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Ersin Tatar wird neuer Präsident der Türkischen Republik Nordzypern

Das Ende der Illusion : Wiedervereinigung Zyperns rückt in weite Ferne

Mit dem Sieg des Nationalisten Ersin Tatar in Nord-Zypern ist die Teilung der Mittelmeerinsel wohl endgültig zementiert

Die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern (TRNC) hat einen neuen Präsidenten. Nach dem vorläufigen Endergebnis stimmten 51,7 Prozent der Wähler für den bisherigen Regierungschef Ersin Tartar, der sich in einer Stichwahl gegen seinen Herausforderer Mustafa Akinci behauptete. Der noch amtierende Präsident der TRNC erhielt 48,7 Prozent der Stimmen. Für die Bevölkerung der seit der türkischen Invasion von 1974 geteilten Mittelmeerinsel hat der Wahlausgang dramatische Konsequenzen: Eine erhoffte Wiedervereinigung der Insel ist nun wohl endgültig vom Tisch.

Der in den kommenden fünf Jahren amtierende Präsident Tartar wird sich mit der Rückendeckung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für die Zementierung der sogenannten Zwei-Staaten-Lösung einsetzten. Wahlverlierer Mustafa Akinci hatte sich dagegen für eine Aussöhnung mit dem griechischen Süden, der international anerkannten Republik Zypern, ausgesprochen. Gespräche über die föderale Lösung mit zwei politisch gleichberechtigten Bundesländern waren in den vergangenen Jahren allerdings auch am Widerstand der griechisch-stämmigen Bevölkerungsmehrheit gescheitert.

Öffnung des Strandes von Varosha

Der neue Präsident der 1983 proklamierten TRNC hat seinen knappen Wahlsieg in erster Linie den von EU-Beobachtern als „unverschämt“ charakterisierten Interventionen des türkischen Staatspräsidenten zu verdanken. Erdogan hatte sich über die Staatsmedien nicht nur für die Wahl von Ersin Tartar ausgesprochen, sondern über Gefolgsleute die Anhängerschaft Akincis sogar bedroht. Die Wahl fand zudem inmitten eines Streits zwischen der Türkei mit Griechenland und der Republik Zypern um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer statt. Ausschlaggebend für Tartars Wahlsieg dürfte die von der türkischen Seite als „Coup“ gefeierte Öffnung des mehrere Kilometer langen Sandstrandes von Varosha gewesen sein.

Der Vorort von Famagusta war bis zur Besetzung von Nordzypern durch türkische Truppen vor 46 Jahren der beliebteste Badestrand von ganz Zypern gewesen. Nach der Invasion wurde Varosha, das laut einer Resolution des Weltsicherheitsrates unter UN-Verwaltung gestellt werden sollte, abgeriegelt. Die in der vergangenen Woche erfolgte Wiedereröffnung des Strandes erfolgte im Beisein von Ersin Tartar. Er wurde dabei von türkischen Immobilieninvestoren begleitet.

Bei den gescheiterten Verhandlungen zur Lösung des Zypern-Problems war die Rückgabe von Varosha an die griechisch-zypriotischen Bewohner immer wieder als Maßnahme zur Förderung des gegenseitigen Vertrauens ins Spiel gebracht worden. Dieses ist durch die kalkulierte Provokation von Wahlsieger Tartar und seinem Mentor Erdogan zerstört worden.

Für die große Mehrheit der griechischen Zyprer kommt das Vorgehen der türkischen Seite indes nicht überraschend. „Es ist gut, dass wir jetzt endgültige Klarheit haben“, kommentierte der IT-Experte Costas Roussos den Wahlausgang in Nordzypern. Mit dem Wahlsieg von Tartar seien auch die „letzten Illusionen“ zerstört worden, sagte der in Nicosia lebende Analyst Michael Theodoulou. Vor allem die Anhänger des unterlegenen Mustafa Akinci hatten bis zuletzt auf eine Fortsetzung der Wiedervereinigungsgespräche gehofft. Unter der Amtsführung des türkischen Nationalisten Tartar sehen sie ihre Identität als türkische Zyprer gefährdet. Die Türkei wird von dem neuen Präsidenten der TRNC als „Mutter“ gepriesen und dürfte sich in Zukunft auch so verhalten.