Ansehensverlust des Rudy Giuliani : Einflüsterer Trumps stürzt ab

Ansehensverlust des Rudy Giuliani : Einflüsterer Trumps stürzt ab

Vom „Bürgermeister Amerikas“ zum Einflüsterer Donald Trumps – der Ansehensverlust des Rudy Giuliani ist dramatisch. „Er ist eine Handgranate, die noch jeden in die Luft jagen wird.“

Ende vergangener Woche fragten Reporter den US-Präsidenten, ob der tief in der Ukraine-Affäre verstrickte Rudy Giuliani noch sein Hausanwalt sei. „Ich weiß es nicht“, antwortete Trump und fügte vieldeutig hinzu: „Ich habe mit Rudy noch nicht gesprochen.“ Er sei gewiss ein sehr guter Anwalt „und sicher, ja, er war mein Anwalt.“

Eine Jobgarantie für Trumps vielleicht loyalsten Wegbegleiter sieht anders aus. Nach Ansicht von Insidern stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Präsident seinen alten Freund aus New Yorker Tagen angesichts der Impeachment-Ermittlungen genauso fallenlässt wie Giulianis Vorgänger Michael Cohen. Diesem hat die Nibelungentreue zu Trump eine mehrjährige Gefängnisstrafe eingetragen.

Mehrere Berater haben den Präsidenten gewarnt, dass sich Giuliani bei seinen polternden TV-Auftritten öffentlich um Kopf und Kragen redet. Und Trump selber damit in den Ermittlungen zu einem Amtsenthebungsverfahren im Repräsentantenhaus weiter belastet.

Im Zentrum steht dabei die Sonderdiplomatie, die Giuliani betrieb, um von der Ukraine Wahlkampfmunition gegen die Demokraten zu bekommen. Dabei drängte er gestandene Experten im US-Außenministerium zur Seite und intrigierte erfolgreich gegen die hoch angesehene Botschafterin in Kiew. Trump feuerte dann auf Drängen Giulianis Marie Yovanovitch.

Wie sich nun herausstellt, war Yovanovitch auch zwei Klienten seiner Beratungsfirma – Lev Parnas and Igor Fruman – ein Dorn im Auge. Von Parnas erhielt Giuliani mindestens eine halbe Million US-Dollar. Die Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan ließ die beiden Männer festnehmen und ermittelt in der Herkunft der Gelder.

Die Mittel stammen mutmaßlich von einem nicht identifizierten russischen Geschäftsmann, der Parnas und Fruman jeweils 500.000 Dollar vergangenen Herbst überwiesen haben soll. Und zwar genau in den Tagen, nachdem die beiden mit Giu­liani eine Geschäftsbeziehung eingingen. Für Trump wird die Sache gefährlich, weil die zur Seite gedrängten und abservierten Diplomaten eine Rechnung mit seinem Hausanwalt offen haben. Mehrere setzten sich über den Wunsch des Präsidenten hinweg, die Ermittlungen im Kongress für ein Amtsenthebungsverfahren zu boykottieren. Yovanovitch, der ehemalige Ukraine-Sonder-Beauftragte Kurt Volcker, die frühere Russland-Expertin im Nationalen Sicherheitsrat Fiona Hill und EU-Botschafter Gordon Sondland sagten bereits aus.

Beweislage ist erdrückend

Die Beweislage gegen Trump ist so erdrückend, dass dessen Stabschef Mick Mulvaney die Flucht nach vorn antrat. Es sei normal, dass US-Regierungen Druckmittel gegen fremde Staaten einsetzten, um diese zu bestimmte Handlungen zu bewegen. „Finden Sie sich damit ab“, polterte Mulvaney.

Für den Kongress ist das dagegen völlig inakzeptabel, weil Giuliani im Auftrag des Präsidenten versuchte, Munition gegen die politische Opposition im eigenen Land zu bekommen. Die Demokraten wollen Giuliani deshalb vorladen. Dieser drohte auf Fox-News wütend damit, die Abgeordneten zu verklagen, die ihn wegen seiner Rolle in der Ukraine-Affäre befragen wollten. Selbst die ihm gewogene Moderatorin kam nicht drumherum festzustellen: „Er ist unglaublich.“

In Trumps Welt kann das ein Lob sein. Zumal der Präsident und sein Hausanwalt so etwas wie politische Zwillinge sind, die eine lange gemeinsame Geschichte haben. Diese reicht bis in die Tage zurück, als Giuliani sich an der Spitze der Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan seine ersten Sporen verdiente. Unerschrocken ging er gegen Korruption, die Mafia und andere Kriminelle vor. Donald Trump ließ er in einem Geldwäsche-Fall aus bis heute unerklärlichen Gründen davonkommen.

Dass sich Trump anschließend als eifriger Spendensammler und Geber für Giulianis Wahlkampf für das Bürgermeisteramt in New York engagierte, untermauert den Verdacht, der oberste Ankläger habe dem Baumagnaten seinerzeit einen Freundschaftsdienst erwiesen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Giuliani bereits seine Reputation als „Bürgermeister Amerikas“, der New York nach dem 11. September couragiert durch die dunkelsten Tage seiner Geschichte führte, verloren. Als schwere Demütigung erlebte Rudy die Zurückweisung durch das Establishment der Republikaner, die nicht ihn, sondern John McCain 2008 zum Präsidentschaftskandidaten auf den Schild hoben.

Seitdem zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Er hielt gut bezahlte Reden und heuerte als Lobbyist für ausländische Regierungen an. Er habe für „so ziemlich jeden reichen, schlechten Kerl und Diktator gearbeitet“, sagt Giulianis ehemaliger Sprecher Ken Frydman. Und der bei Trump in Ungnade gefallene Ex-Sicherheitsberater John Bolton warnt: „Giuliani ist eine Handgranate, die noch jeden in die Luft jagen wird.“

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