Aachen: Ein Aachener, der plötzlich als Sicherheitsrisiko gilt

Aachen : Ein Aachener, der plötzlich als Sicherheitsrisiko gilt

Die Geschichte hat kafkaeske Züge. Hamdi Bajah wird an einem Flughafen von Sicherheitskräften angehalten, stundenlang verhört, für zwei Tage in ein Gefängnis gesteckt und dann abgeschoben. Warum das passiert ist, weiß er bis heute nicht — trotz intensiver Nachforschungen.

Hamdi Bajah ist Lehrer für Mathematik und Physik an der Europaschule in Herzogenrath. Seit 1972 lebt der gebürtige Palästinenser in Deutschland. Er hat hier studiert und eine Familie gegründet. Seit fast zwanzig Jahren besitzt der 62-jährige Aachener die deutsche Staatsangehörigkeit.

Trotzdem sind natürlich Bindungen in die alte Heimat geblieben. In Saffa, einem Dorf in der von Israel besetzten Westbank, leben viele seiner Verwandten. Regelmäßig hat er sie in den vergangenen Jahren besucht. Probleme bei der Einreise über den israelischen Flughafen Ben Gurion gab es bislang nie. Wer einen deutschen Pass besitzt, braucht weder für Israel noch für das Westjordanland ein Visum.

Umso erstaunter ist Bajah über das, was am 12. Februar diesen Jahres geschah. Von Berlin aus war er nach Tel Aviv geflogen. „Zunächst lief nach der Landung alles wie üblich ab“, erinnert sich Bajah. „Ich wurde gefragt, wo ich hin will, wie meine Schwester und mein Bruder heißen, halt die ganzen üblichen Checks, die man erlebt, wenn man mit einem arabischen Namen nach Israel einreisen will.“

Doch dann sei er in einen Befragungsraum geführt worden. 13 Stunden lang habe er dort verbringen müssen, sei durchsucht und verhört worden. Schließlich habe man ihm mitgeteilt, dass er nicht einreisen dürfe. „Ich wollte die Begründung wissen“, erzählt Bajah. „Die einzige Antwort, die ich bekam, war: Befehl von oben.“

Zwei Nächte lang in Abschiebehaft

Seine Bitte, ihn dann aber auch möglichst schnell nach Deutschland abzuschieben, sei abgelehnt worden. „Man sagte mir, ich müsse auf das nächste Flugzeug der gleichen Linie warten, mit der ich gekommen bin“, erinnert sich Bajah. Anschließend sei er in das Abschiebegefängnis des Flughafens gebracht worden, wo man ihn zwei Tage lang festgehalten habe. Die Deutsche Botschaft, die er aus der Anstalt heraus kontaktieren durfte, habe ihm nicht helfen können. „Sie sagten mir, sie seien machtlos“, erzählt Bajah.

Nach 48 Stunden wurde Bajah abgeschoben. Dass ihm dadurch zusätzliche Kosten entstanden sind, wurmt den Aachener. Richtig wütend aber macht ihn, dass er bis heute nicht genau weiß, warum er nicht einreisen durfte. Mehrfach hat Bajah die israelische Botschaft in Berlin schriftlich kontaktiert. Die teilte ihm zwar mit, dass gegen ihn derzeit Sicherheitsbedenken vorlägen. Auf Bajahs Bitte aber, ihm die Sicherheitsbedenken näher zu erläutern, damit er sie ausräumen könne, bekam der Lehrer von der Botschaft lediglich zu hören, das könne man ihm leider nicht sagen und ebenso wenig könne man ihm Informationen geben über die Dauer des Einreiseverbotes.

Auch auf Nachfrage der „Nachrichten“ erklärte eine Pressesprecherin der Botschaft nur, man habe Herrn Bajah „auf Grund von ernsten Sicherheitsbedenken“ die Einreise verweigert. Etwas kryptisch fügte sie an: „Wir sind überzeugt, dass Herr Bajah sich der Ursachen dieser Gründe bewusst ist.“

Angeschrieben hat Bajah auch das Auswärtige Amt. Aus dem Steinmeier-Ministerium bekam er mitgeteilt, dass es mehrere Fälle wie den seinen gebe, man ebenfalls nicht wisse, wann er wieder nach Israel einreisen könne und man ansonsten nichts für ihn tun könne. „Der respektlose Umgang mit einem deutschen Staatsbürger wird einfach hingenommen“, zeigt sich Bajah enttäuscht. „Das ist keine souveräne Reaktion.“

An Mahnwachen teilgenommen

Bajah rätselt jedenfalls weiter, warum ihn die israelische Regierung für ein Sicherheitsrisiko hält. „Einer politischen Partei gehöre ich nicht an“, sagt der 62-Jährige. „Schon gar keiner radikalen Gruppe.“ Er habe lediglich während des jüngsten Gaza-Krieges ein Protest-Gedicht veröffentlicht, habe an Mahnwachen teilgenommen und engagiere sich seit Jahren im Arbeitskreis Nahost des Vereins Aachener Friedenspreis. „Reicht das bereits, um auf eine Liste von in Israel unerwünschten Personen zu geraten?“, fragt Bajah.

Der 62-Jährige hat jedenfalls den für diesen Monat geplanten und bereits im vergangenen Herbst gebuchten Flug mit seiner Frau in die alte Heimat stornieren müssen. „Ich weiß nicht, ob und wann ich meine Verwandten in Palästina widersehen werden,“ sagt er ziemlich frustriert.

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