Aachen: Drei Schulen für den Frieden

Aachen: Drei Schulen für den Frieden

Der Verein Aachener Friedenspreis würdigte Sonntag am Antikriegstag (1. September) in der Aachener Aula Carolina die aufklärerische Arbeit von Schulen, die sich gegen jegliche Gewalt und für ein friedliches Miteinander von Religionen, Ethnien und den Geschlechtern einsetzen.

In der Tradition des Friedenspreises, der 1988 vor 25 Jahren zum ersten Mal verliehen wurde, liegt es, jeweils gleichzeitig ausländische und inländische Preisträger auszuzeichnen. So nahm am Sonntag der aus dem kurdischen Teil des Iraks stammende Geistliche, Bischof Rabban Al-Quas, den Preis für die im Nordirak beheimatete internationale Schule von Dohuk entgegen. Die seit 2004 bestehende internationale Schule in Dohuk, deren Begründer Bischof Al-Quas ist, setze „Friedenserziehung konsequent um“, bekräftigte die stellvertretende Vorsitzender des Friedenspreises, Tina Terschmitten.

Die Schule, in der Jungen und Mädchen gemeinsam und gleichberechtigt unterrichtet werden, sei ein Modellprojekt für Frieden, Versöhnung und Verständigung zwischen Volksgruppen und Religionsgemeinschaften. Die Schule im kurdischen Teil des Iraks sei nicht weit weg vom Konfliktland Syrien, nur etwa 50 Kilometer trennen die Landesgrenzen, berichtete Al-Quas in einer Pressekonferenz.

Die Verfeindung zwischen den religiösen Bekenntnissen innerhalb des Iraks sei eine Erscheinung, die nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein im Jahr 2003 verstärkt aufgetreten sei, sagte er. Über die Landesgrenzen seien von außen verschiedenste Gruppen in den Irak gekommen, darunter „Terroristen und fanatische religiöse Führer“, erklärte der Bischof die Eskalation von Gewalt.

Als weitere Preisträger sind aus Deutschland „Schulen ohne Bundeswehr“ ausgezeichnet worden. Der Preis geht gleichermaßen an das Robert-Blum-Gymnasium in Berlin-Schöneberg wie an die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach, eine berufsbildende Schule.

In beiden Fällen hatten sich die Schulkonferenzen dafür ausgesprochen, den Jugendoffizieren der Bundeswehr ihre Schulen nicht mehr als Forum für einen Militärdienst zu überlassen. Die Entscheidung, das sprach insbesondere die Gewerkschafterin und Laudatorin Dorothea Schäfer (Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, NRW) an, habe „nach der Bekanntgabe Anfang Mai heftige Reaktionen“ ausgelöst, von Verunglimpfung der Bundeswehr sei die Rede gewesen.

Doch Schule sei ein Raum, hob die Laudatorin hervor, „in dem Kinder und Jugendliche die Fähigkeit zur friedlichen Konfliktlösung“ erlernen sollten. Für eine umfassende politische Bildung, so Schäfer weiter, „brauchen wir in den Schulen keine Vertreter der Bundeswehr.“ So erklärte der Schulleiter des Robert-Blum-Gymnasiums, Bernd Fiehn, seine Schule unterrichte seit langem in der Tradition des gewaltfreien Miteinanders.

In der Schule direkt neben dem Stadtteil Schöneberg-Nord seien mehr als 30 Nationen vertreten, Menschen mit vielfältigen kulturellen Hintergründen lebten dort, darunter auch viele Familien, die als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland kamen. „Wir haben die Auszeichnung einer Schule ohne Rassismus, einer Schule mit Courage“, begründete er die Haltung der Schulkonferenz, die eine „Schule ohne Militär“ gewollt habe. Für die Offenbacher Käthe-Kollwitz-Schule erklärten ihr stellvertretender Schulleiter Peter Schug und der Lehrer Eberhard Enß, die Bundeswehr sei seit einigen Jahren keine Armee mehr zur Landesverteidigung: „Sie ist seit Verteidigungsminister Jung eine Armee im Einsatz“. Das aber widerspreche den Lehren gerade von Käthe Kollwitz aus der jüngsten deutschen Geschichte, dass von deutschem Boden „nie wieder Krieg“ ausgehen dürfe.

Als dritte Schule war die Düsseldorfer Hulda-Pankok Schule ausgezeichnet worden. Ihre Direktorin hatte allerdings den Preis abgelehnt. Die Sprecherin des Friedenspreises, Lea Heuser, erklärte dazu, heute liege die „klare Haltung der Schule zur Bundeswehr“ auch nicht mehr vor. Die Tochter der Namensgeberin der Hulda-Pankok-Schule, Eva Pankok, bedankte sich in einem Schreiben ausdrücklich für die Auszeichnung: „Meine Eltern haben ein Leben lang für Gewaltlosigkeit und Toleranz gekämpft.“

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