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Douglas Macgregor soll neuer US-Botschafter in Deutschland werden

Designierter Botschafter : Deutschlandkenner und -kritiker

Ideengeber und Vollstrecker: Douglas Macgregor, der designierte US-Botschafter in Berlin, fordert seit langem den Rückzug von amerikanischen Truppen aus Europa.

Der pensionierte Oberst der US-Army, Douglas Macgregor, machte sich keine Freunde bei den Streitkräften, als er 2011 in einem Gastbeitrag für das Magazin „Foreign Policy“ für massive Einschnitte im Rüstungshaushalt warb. Unter der Überschrift „Ein Radikaler Plan, den Verteidigungshaushalt zu kürzen und das US-Militär umzubauen” forderte Macgregor den Abzug von Truppen aus Europa und Asien. „Warum brauchen wir diese ganzen Einrichtungen”, fragte der an der Militärakademie von West Point ausgebildete Offizier, der sich als Kommandant einer Panzereinheit im ersten Golfkrieg einen Namen gemacht hatte.

Kritische Haltung zur Nato

Der Kalte Krieg sei geschlagen, die Ziele erreicht und es gebe wenig echte Bedrohungen. „Es ist Zeit, den Sieg zu erklären und nach Hause zu gehen.” Macgregor beklagte, dass an manchen Standorten zwei Zivilisten auf einen stationierten US-Soldaten kämen. Bei damals 150.000 in Asien und Europa stationierten Soldaten mache das potenzielle Milliarden-Ersparnisse aus. Dabei wollte Macgregor nicht nur an den Rändern sparen, sondern zielte auf das Herz der in Übersee stationierten Streitkräfte. Macgregor schlug vor, das zurzeit in Stuttgart ansässige US European Command und US Africa Command wieder zusammenzulegen und in die Einrichtungen in Virginia zu verlegen.

2004 war Macgregor – verbittert über seine Nichtbeförderung in den Generalsrang als Oberst – aus den Streitkräften ausgeschieden. Auch seine kritische Haltung gegenüber der Nato verlieh ihm einen Außenseiter-Status, obwohl Macgregor im Kosovo-Krieg als Planungschef des Oberbefehlshabers der Nato-Streitkräfte hohes Ansehen errang. Heute hält er das Bündnis für einen „Zombie”. In dem rechten Online-Magazin „The National Interest” schrieb er 2019, die Zeit sei gekommen, „den Nato-Zombie ableben zu lassen”.

Der seit Jahrzehnten mit Mac­gregor befreundete Militärstratege Daniel Davis nennt ihn eine ideale Wahl für den Botschafter-Posten in Berlin. „Er kann Trumps Instinkte effektiv umsetzen”, meint er mit Blick auf den im Juni angekündigten Abzug von 9500 Soldaten aus Deutschland. Dabei hilft dem Isolationisten gewiss, dass er Deutschland gut kennt und die Sprache spricht. Der an der Universität von Virginia promovierte Offizier hat die deutsche Militärgeschichte des Zweiten Weltkriegs studiert und beschäftigte sich mit dem Einfluss der Sowjetunion auf das innerdeutsche Verhältnis.

Mit seinem Vorgänger Richard Grenell teilt Macgregor Ergebenheit und Loyalität zu Donald Trump. Im Unterschied zu dem forschen Ex-Botschafter meidet er aber Twitter und pflegt einen diplomatischeren Stil. Das macht in aber nicht weniger radikal in seiner Weltsicht. Als regelmäßiger Kommentator und Analyst auf Trumps Lieblingssender Fox News fiel er wiederholt mit Gedankengut auf, das bei weißen Nationalisten populär ist. 2019 beklagte Macgregor in einem Interview, dass Kalifornien wegen legaler und illegaler Einwanderung aus dem Süden „kein mehrheitlich englisch-sprechender weißer Bundesstaat mehr ist”. Je mehr „dieser Leute” kämen, desto besser sei das für die Demokraten. Im selben Jahr behauptete er, der Milliardär George Soros finanziere deshalb die „Karawanen” aus Zentralamerika.

Aussagen wie diese dürften seine erforderliche Bestätigung durch den Senat erschweren. Sie kosteten ihm schon vorher die Chance, auf den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters oder das Amt des politischen Planungschefs im Pentagon berufen zu werden. Generell ist ungewiss, ob es vor den Wahlen im November zu Anhörungen kommen wird.

Der streitbare Richard Grenell war im Juni nach nur zwei Jahren zurückgetreten. Derzeit wird die Botschaft in Berlin noch übergangsweise von der Berufsdiplomatin Robin Quinville geführt, die sich aus der deutschen Politik komplett heraushält. Sollte der nächste Präsident Joe Biden heißen, wird sie die Geschäfte wohl noch eine Weile kommissarisch führen.