SPD-Regionalkonferenzen: Neue Parteivorsitzende im Minutentakt

SPD-Regionalkonferenzen : Neue Parteivorsitzende im Minutentakt

Die Kandidatenkür der SPD für ihre neuen Parteivorsitzenden steuert auf die Halbzeit zu. Zehn von insgesamt 23 Regionalkonferenzen sind absolviert, auf denen sich jetzt noch sieben Kandidatenpaare und ein Einzelbewerber der Basis vorstellen.

Die Kandidaten: Ein echtes Favoritenpaar ist nicht erkennbar. Auffällig ist, dass das Paar Hilde Mattheis und Dierk Hirschel am wenigsten Fragen gestellt bekommt und auch sonst am blassesten wirkt. Alle Paare bemühen sich sehr um ein harmonisches Auftreten; oft lassen die Männer den Frauen bei den Antworten den Vortritt.

Ralf Stegner und Gesine Schwan sind die einzigen, die sich bei der Zukunft der Groko auf offener Bühne widersprachen. Stegner ist der beste Saalredner für sozialdemokratisches Publikum, wie regelmäßig der Beifall bei den Schlussstatements zeigt. Das Paar Michael Roth und Christina Kampmann zelebriert, dass sie die jüngsten Bewerber sind. Einmal traten die beiden in Europa-Kapuzenpullis auf. Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken haben seit neuestem die offizielle Unterstützung der Jungsozialisten. Sie und das Duo Boris Pistorius und Petra Köpping geben sich als bodenständig-ehrliche Basisvertreter. Beide Paare kommen sehr sympathisch rüber.

Das Paar Olaf Scholz und Klara Geywitz steht dem allerdings kaum nach. Scholz, dem mitunter eine kritische Stimmung entgegenschlägt, betont oft seine Herkunft aus kleinem Hause und seine sozialen Leistungen als Hamburger Bürgermeister und Arbeitsminister. Karl Lauterbach und Nina Scheer fallen in der Wirkung etwas auseinander. Scheer redet fast nur über Klimaschutz. Lauterbach ist thematisch breiter aufgestellt und versteht es, mit einfachen Sätzen Saalpunkte zu gewinnen. Der Einzelbewerber Karl-Heinz Brunner gilt als chancenlos und wird wenig gefragt.

Die Themen: Es gibt nicht das eine, alles beherrschende Thema. Die Publikumsfragen reichen von grundsätzlichen Einstellungen bis zu Spezialfragen. Auffällig ist, dass Distanz zur Groko häufig beklatscht wird. Lauterbach/Scheer setzen darauf am stärksten, indem sie den sofortigen Ausstieg aus der Koalition als ihr Kernanliegen nach vorne stellen. Die anderen sind da mit Ausnahme von Mattheis/Hirschel weniger eindeutig. Zweites Generalthema ist die Gerechtigkeit, allen voran die Verteilungs- und Steuergerechtigkeit, etwa die Vermögensteuer. Walter-Borjans, der als ehemaliger Finanzminister in NRW die Schweizer Steuer-CDs aufkaufte, macht hier etwas mehr Punkte als die anderen. Klimaschutz haben alle im Programm. Ebenso Frauenrechte und Kampf gegen Rechts. Aussagen dazu kommen beim Publikum immer gut an.

Der weitere Plan: Noch 13 Regionalkonferenzen wird es bis zum 12. Oktober geben. Anschließend dürfen die 430.000 SPD-Mitglieder abstimmen, wer sie künftig führen soll. Sie werden wohl nach Flügelzugehörigkeit (Vorteil Walter-Borjans) und Prominenz der Bewerber (Vorteil Scholz) entscheiden. Und nach Gefühl. Egal, was auf den Regionalkonferenzen gesagt wurde.

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